Überraschender Freispruch für Hells Angels-Präsidenten in Koblenz

Fünf Männer standen in Koblenz vor Gericht, weil sie einen verbotenen Hells-Angels-Club wiederbelebt haben sollen. Nun sind sie freigesprochen worden.

Überraschender Freispruch für Hells Angels-Präsidenten in Koblenz

Am Landgericht Koblenz sind fünf Männer im Alter von 35 bis 64 Jahren freigesprochen worden, denen ein Verstoß gegen das Vereinsrecht vorgeworfen wurde. Das berichten die Rhein-Zeitung und der Bonner General-Anzeiger.

Die Staatsanwaltschaft habe den Angeklagten zur Last gelegt, vor viereinhalb Jahren im Kreis Neuwied den verbotenen Rockerclub „Hells Angels MC Bonn“ unter neuem Namen wiederbelebt zu haben. Unter den jetzt Freigesprochenen befindet sich auch der mehrfach vorbestrafte Präsident des alten Clubs, der auch der Anführer des neuen Vereins ist.

Nach Ansicht der zuständigen Strafkammer sei die Beweislage für eine Verurteilung jedoch zu dünn gewesen. Die zentrale Frage sei gewesen, ob es sich bei den neuen Clubs „Hells Angels MC Old Capital“ und „Hells Angels MC Westgate“ um eine Nachfolgeorganisation des 2016 verbotenen Vereins gehandelt habe. Die Staatsanwaltschaft hatte für die Angeklagten mehrmonatige Bewährungsstrafen gefordert.

Zwar sei der mehrfach vorbestrafte Präsident des alten Clubs auch der Anführer des neuen Vereins, sagte die Vorsitzende Richterin. Allerdings befänden sich unter den rund 15 Mitgliedern nur wenige Personen aus dem alten Club.

Angeklagte und Zeugen schweigen

Die Ermittlungen der Polizei, die sich über mehrere Jahre erstreckten, hätten bezüglich der Vereinsstruktur viele Fragen offengelassen. Dies habe auch daran gelegen, dass vor Gericht sowohl die fünf Angeklagten als auch zwölf geladene Zeugen von ihrem Recht zu schweigen Gebrauch gemacht hätten.

Als Beweismittel hätten dem Gericht daher lediglich bei Hausdurchsuchungen sichergestellte Gegenstände wie Kleidung mit dem Hells-Angels-Totenkopf, Fotos, Videos und Chatverläufe vorgelegen. „Wir waren bemüht, aufzuklären“, wird die Richterin zitiert. Die Verteidiger der Männer, die auf Freispruch plädiert hatten, zeigten sich zufrieden. Die Richterin erwarte, dass die Staatsanwaltschaft nun in Revision gehen werde.