Paukenschlag bei der Koblenzer SPD: Dennis Feldmann hat seinen Rücktritt von zwei wichtigen Ämtern angekündigt. Wie der Politiker in einem Schreiben mitteilt, legt er sein Amt im Vorstand des SPD-Stadtverbands zum Ende Mai 2026 nieder und tritt auch als Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Koblenz-Lützel zurück. Seine Entscheidung sei die Konsequenz aus einer längeren Entwicklung.
Feldmann kritisiert die Strukturen innerhalb der Partei, die aus seiner Sicht immer weniger dem entsprächen, wofür die Sozialdemokratie stehe: „Aufstieg durch Leistung, faire Chancen, Solidarität, Respekt und echte Mitbestimmung.“ Die Entscheidung sei weder spontan noch Ausdruck persönlicher Enttäuschung über einzelne Wahlergebnisse.
Seine Kritik richte sich gegen eine politische Kultur, in der Erneuerung zwar beschworen, aber bestehende Strukturen bevorzugt würden. Personalentscheidungen wirkten häufig im Vorfeld abgestimmt. „Wahlen sind wichtig. Aber Auswahl ist die Voraussetzung jeder echten Wahl“, so Feldmann.
Kritik an neuem Parteivorsitzenden
Als Beispiel nennt Feldmann den jüngsten Stadtverbandsparteitag. Dort sei der Bundestagsabgeordnete Dr. Thorsten Rudolph zum neuen Vorsitzenden gewählt worden. Diese Wahl respektiere er, sie stehe aber sinnbildlich für ein Problem: „Statt Verantwortung zu verbreitern, wird Macht auf den zentralen Positionen weiter gebündelt.“ Ein Bundestagsabgeordneter sollte Talente fördern und nicht zusätzliche Machtpositionen besetzen.
Feldmann kritisiert zudem, dass die Wahl des Vorsitzenden vor wichtigen inhaltlichen Anträgen stattfand, etwa zur Trennung von Mandat und Parteiamt. „Die Reihenfolge sprach lauter als jede Rede“, heißt es in dem Schreiben. Es sei zudem erklärungsbedürftig, dass Rudolph frühere Ämter nach seiner Wahl in den Bundestag mit Verweis auf die zeitliche Belastung abgegeben habe, nun aber bei nochmals gestiegener Verantwortung eine zusätzliche Führungsfunktion übernehme.
„Loyalität stärker honoriert als Kompetenz“
Feldmann bemängelt eine Parteikultur, die von internem Lagerdenken geprägt sei. „Ein alter Spruch lautet: Freund, Feind, Parteifreund. Was überspitzt klingt, beschreibt leider zu oft reale Mechanismen“, schreibt er. Viele engagierte Menschen hätten sich zurückgezogen, weil sie erlebten, dass „Loyalität teils stärker honoriert wird als Kompetenz und Anpassung oft weiterführt als Eigenständigkeit.“
Er selbst habe erlebt, wie seine Bereitschaft zur Kandidatur für eine andere Funktion ignoriert worden sei. Ihm sei signalisiert worden, dass die Entscheidungen bereits getroffen seien. Feldmann betont, dass er sich den Grundwerten der Sozialdemokratie weiter verbunden fühle. „Was ich nicht länger mittragen kann, ist eine politische Kultur aus Beharrungstendenzen, Symbolpolitik, Selbstverwaltung und intransparent erscheinende Entscheidungsprozesse“, erklärt er seinen Schritt. Sein Engagement für Koblenz wolle er fortsetzen.