Das Land Rheinland-Pfalz unterstützt seine Krankenhäuser mit einem umfassenden Investitionsprogramm. Wie Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) bekannt gab, fließen aus dem Krankenhausinvestitionsprogramm 2026 in diesem Jahr insgesamt 148,5 Millionen Euro in die stationäre Versorgung. Davon werden auch Projekte in Koblenz und der umliegenden Region finanziert. Während die Landesregierung die Erhöhung der Mittel lobt, fordern Krankenhausgesellschaft und Krankenkassenverbände deutlich mehr Geld und warnen vor einer strukturellen Unterfinanzierung.
Ein Schwerpunkt der Förderung sind umfangreiche Neu- und Anbauten, für die das Land insgesamt 24 Millionen Euro bereitstellt. Davon profitieren in Koblenz sowohl das Gemeinschaftsklinikum Mittelrhein als auch das Katholische Klinikum Koblenz-Montabaur. Beide erhalten Fördermittel für die Zusammenführung ihrer jeweiligen Koblenzer Betriebsstätten.
Modernisierungen in der Region
Auch weitere Krankenhäuser im Umkreis von Koblenz werden bei Modernisierungsmaßnahmen unterstützt. So erhält das Krankenhaus in Dierdorf zwei Millionen Euro für die Erweiterung der OP-Abteilung. An der Hufeland-Klinik in Bad Ems wird die Weaning-Einheit zur Entwöhnung von Beatmungsgeräten ausgebaut. Die Rhein-Mosel-Fachklinik in Andernach wiederum bekommt Geld für die Umstrukturierung des Klinischen Zentrums.
Weitere Förderungen erhält die Dr. von Ehrenwall’sche Klinik in Bad Neuenahr-Ahrweiler, wo unter anderem das Netzwerk erweitert und das Haus E saniert wird. Das St. Elisabeth Krankenhaus in Lahnstein bekommt Geld für den Außenbereich für geschützt untergebrachte Patienten und am Herz-Jesu-Krankenhaus in Dernbach wird in die Brandmeldeanlage investiert.
Förderung von Ausbildung und Energieeffizienz
Über die konkreten Bauvorhaben hinaus investiert das Land landesweit 9,1 Millionen Euro in die Ausbildungsstätten der Gesundheitsfachberufe. Damit soll die Fachkräftesicherung unterstützt werden. Ein weiterer Förderschwerpunkt liegt mit einem Volumen von drei Millionen Euro bei energetischen Maßnahmen wie Photovoltaikanlagen oder Fassadensanierungen.
Laut Gesundheitsminister Hoch werden alle bewilligungsreifen Projekte in das Programm aufgenommen. „Es gibt in Rheinland-Pfalz keine Maßnahme, die förderfähig ist und die wir nicht fördern würden“, betonte der Minister.
Krisenvorsorge rückt in den Fokus
Neben dem regulären Programm sollen weitere Gelder aus einem Sondervermögen des Landes sowie aus dem Transformationsfonds des Bundes fließen, für den die rechtlichen Rahmenbedingungen aber noch nicht final geklärt sind. Gesundheitsminister Clemens Hoch (SPD) kündigte an, dass bei künftigen Investitionen auch die Krisenvorsorge eine größere Rolle spielen werde.
So müsse mitgedacht werden, wie eine stationäre Versorgung aufrechterhalten werden könne, wenn oberirdisch Gefahr drohe. Dies sei auch ein Grund, warum das Land einen Neubau der Universitätsmedizin Mainz anstrebe, da sich solche Vorkehrungen auf dem bestehenden Campus kaum realisieren ließen.
Verbände: „Strukturelle Unterfinanzierung“
Trotz der Millionen-Investition gibt es deutliche Kritik. „Die Menschen in Rheinland-Pfalz erwarten, dass das Land seiner Verantwortung für gute bauliche Strukturen nachkommt“, mahnte Andreas Wermter, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Rheinland-Pfalz. Er verwies darauf, dass mehr als 60 Prozent der Kliniken im Land defizitär seien. Auch der Verband der Ersatzkassen (vdek) erklärte, die Investitionsförderung bleibe hinter dem Bedarf zurück. Dies könne die angespannte finanzielle Lage an einigen Standorten weiter verschärfen.
Ähnlich äußerte sich der rheinland-pfälzische Städtetag, der von einem erheblichen Investitionsstau und einer „strukturellen Unterfinanzierung“ spricht. Die Krankenhausgesellschaft fordert zudem, die Eigenbeteiligung der Kliniken an den Kosten von derzeit mindestens zehn Prozent sofort zu streichen, da sie notwendige Modernisierungen bremse.