Koblenzer Stadtrat stimmt für Schließung des Krankenhauses in Boppard

Dem Krankenhaus in Boppard droht das Aus. Der Koblenzer Stadtrat hat für eine Schließung gestimmt, weil man sich mit dem Rhein-Hunsrück-Kreis nicht über die Finanzierung der Verluste einig wird.

Koblenzer Stadtrat stimmt für Schließung des Krankenhauses in Boppard

Der Stadtrat in Koblenz hat in einer nicht-öffentlichen Sitzung für die Schließung des Krankenhauses in Boppard gestimmt. Das teilte Oberbürgermeister David Langner (SPD) laut SWR Koblenz mit. Die Stadt Koblenz ist neben dem Kreis Mayen-Koblenz einer der Hauptgesellschafter des Gemeinschaftsklinikums Mittelrhein (GKM), zu dem die Klinik in Boppard gehört.

Rhein-Hunsrück-Kreis soll für Verluste auch künftig aufkommen

Eine Schließung könne nur noch abgewendet werden, wenn der Rhein-Hunsrück-Kreis auch künftig für die Verluste des Krankenhauses aufkomme, habe Langner erklärt. Er sei für die Bürgerinnen und Bürger in Koblenz und dem Kreis Mayen-Koblenz zuständig. „Ich kann den Menschen in Koblenz nicht erklären, warum ich Geld nach Boppard gebe in ein Krankenhaus und dafür andere Dinge in Koblenz nicht machen kann. Das versteht der Rhein-Hunsrück-Kreis irgendwie nicht. Und das finde ich sehr kurz gedacht“, wird der Koblenzer Oberbürgermeister zitiert.

Zuletzt habe ein Angebot auf dem Tisch gelegen, wonach der Rhein-Hunsrück-Kreis 70 Prozent der Verluste tragen solle und die GKM-Gesellschafter die restlichen 30 Prozent. Darauf habe der Kreis aber nicht reagiert. Langner habe nicht den Eindruck, dass der Kreis an einer konstruktiven Zusammenarbeit interessiert sei. „Der Ball liegt beim Rhein-Hunsrück-Kreis. Und wenn sich da nichts bewegt, dann bewegt sich leider nichts“, sagte Langner.

Kreis wirft Gesellschaftern Verantwortungslosigkeit vor

Der Rhein-Hunsrück-Kreis teilte auf SWR-Anfrage mit, er habe sich gemeinsam mit der Stadt Boppard und der Stiftung Heilig Geist bereit erklärt, die Verluste bis Ende 2025 zu übernehmen. Dieser zeitliche Rahmen gehe nun aber zu Ende. Mit dem neuen Vorschlag entziehe sich das GKM seiner „eigenen Verantwortung als Träger und Betreiber des Krankenhauses Boppard“. Die Gesellschafter könnten die Verantwortung nicht einfach auf den Rhein-Hunsrück-Kreis und die Stadt Boppard verlagern.

Zudem kritisiert der Kreis, das GKM habe es versäumt, wesentliche Maßnahmen eines Zukunftskonzeptes für die Klinik umzusetzen und verbindliche Gespräche mit potenziellen neuen Trägern zu führen. Dem widersprach wiederum Oberbürgermeister Langner: „Uns ist nicht bekannt, dass jemand ernsthaft den Standort Boppard übernehmen möchte.“

Am kommenden Montag soll auch der Kreistag des Kreises Mayen-Koblenz über die Zukunft der Klinik entscheiden. Sollten alle Beteiligten auf ihren Positionen beharren, sei eine baldige Schließung des Krankenhauses in Boppard wahrscheinlich.