Landesuntersuchungsamt-Neubau in Koblenz: Warum das Millionenprojekt seit Jahren stillsteht

Der Neubau des Landesuntersuchungsamts in Koblenz sollte längst fertig sein. Stattdessen ruht die Baustelle, und die Kosten haben sich auf über 117 Millionen Euro fast verdoppelt.

Landesuntersuchungsamt-Neubau in Koblenz: Warum das Millionenprojekt seit Jahren stillsteht

Er sollte schon längst in Betrieb sein, doch auf der Baustelle für das neue Landesuntersuchungsamt (LUA) in Koblenz herrscht Stillstand. Das Projekt wird nicht nur deutlich länger dauern als geplant, auch die Kosten sind von ursprünglich rund 60 Millionen auf mittlerweile 117,5 Millionen Euro explodiert.

Der Rohbau des fünfgeschossigen Gebäudes im Gewerbe- und Technologiepark Bubenheim steht zwar bereits seit 2019, doch die Bauarbeiten ruhen. Wie das Bau- und Finanzministerium in Mainz auf Anfrage mitteilt, ist der Ausbau der technischen Installationen unterbrochen. Gründe dafür seien die Insolvenz einer Sanitärfirma sowie die Kündigung des Auftragnehmers für die Lüftungstechnik. Das Ministerium spricht zudem von einer „mangelhaften Ausführungsplanung der eingeschalteten externen Planungsbeteiligten“. Bereits kurz nach Fertigstellung des Rohbaus musste 2019 das ursprünglich beauftragte Ingenieurbüro wegen Schlechtleistungen gekündigt werden.

Pandemie und Krieg als weitere Kostentreiber

Nachdem zwei neue Planungsbüros gefunden waren, bremste ab 2020 die Corona-Pandemie die Arbeiten mit Personalengpässen auf der Baustelle. Ab 2022 führten Lieferkettenprobleme durch den Ukrainekrieg zu weiteren Verzögerungen. Die Erfahrungen aus der Pandemie machten laut Ministerium außerdem eine „zusätzliche Planung von Vorkehrungen für die Aufrechterhaltung von kritischen Geschäftsprozessen des LUA in Krisensituationen“ notwendig.

All diese Probleme haben die Kosten in die Höhe getrieben. Die Steigerung von 67,7 Millionen Euro im Jahr 2017 auf nun 117,5 Millionen Euro erklärt das Ministerium unter anderem mit Planungsänderungen (rund 15,3 Millionen Euro), allgemeinen Baupreissteigerungen (rund 15 Millionen Euro), den Folgen von Corona und des Ukrainekriegs (rund 14,5 Millionen Euro) sowie den zusätzlichen Planungen für Krisensituationen (rund 4,7 Millionen Euro).

Platz für 280 Mitarbeiter und tote Elefanten

Der 100 Meter lange Neubau soll nach Fertigstellung auf über 5.000 Quadratmetern Laborflächen und knapp 3.000 Quadratmetern für Büros, Kantine und Bibliothek Platz bieten. Hier sollen künftig 280 der insgesamt rund 500 LUA-Beschäftigten arbeiten.

Das Landesuntersuchungsamt ist eine zentrale Fachbehörde, die unter anderem Lebensmittel auf Schadstoffe prüft, die Trinkwasserqualität sichert und bei der Bekämpfung von Tierseuchen und Infektionskrankheiten wie Corona eine wichtige Rolle spielt. Bei der Ankündigung des Projekts 2016 hieß es, im Neubau solle sogar die Untersuchung eines toten Elefanten möglich sein.