Kennen Sie schon KiKoKo? Noch nicht? Dann wird es höchste Zeit. Denn dahinter verbirgt sich der letzte technische Schrei der Stadt: Das Konzept zum Einsatz künstlicher Intelligenz bei der Stadtverwaltung Koblenz.
Intensiv hat sich die Rathaus-Spitze Gedanken über den Einsatz der KI auch in den Koblenzer Amtsstuben gemacht. Herausgekommen ist ein 29-Seiten-Papier – übrigens erstellt unter Mitarbeit der Künstlichen Intelligenz. Ob die auch den kuriosen KiKoKo-Namen erfunden hat, ist aber nicht bekannt.
„Unser Ziel ist es, die Potenziale von Künstlicher Intelligenz so zu nutzen, dass sie dem Gemeinwohl dient im Sinne einer modernen, offenen und leistungsfähigen Stadt Koblenz“, gibt Oberbürgermeister David Langner in einem Vorwort die Richtung vor. Laut dem Konzept sollen die Computersysteme die „manuellen Tätigkeiten“ des städtischen Personals reduzieren und die Mitarbeiter „gezielt entlasten“. Da werden sich die schwer arbeitenden Beamten aber freuen…
Aber auch die Bürger sollen etwas vom Einsatz der KI in der Verwaltung haben. Sie soll zum Beispiel durch vereinfachte Sprache „zur Verbesserung von Verständlichkeit, Zugänglichkeit und Serviceorientierung“ beitragen. Und da gibt es sicher Nachholbedarf in den Amtsstuben. Wer einmal einen Bauantrag gestellt hat, kann ein Lied davon singen.
Zehn Tage warten auf Termin für neuen „Perso“
Ob es für die Koblenzer dank Verwaltungs-KI aber bei den alltäglichen Behördengängen auch schneller geht, steht in den Sternen. Immerhin dauert es heute zehn Tage bis zum nächsten freien Termin für die Beantragung eines neuen Personalausweises. Waren das früher noch Zeiten: Da ging man einfach zum Einwohnermeldeamt beantragte den Perso und das war’s. Okay, vielleicht musste man ein paar Minuten warten, aber warum man heute für Alles und Jedes einen Termin braucht, bleibt das Geheimnis der Verwaltung.
Zumal die Zahl der Mitarbeiter der Kernverwaltung in den vergangenen zehn Jahren um ein Viertel gewachsen ist. Vielleicht liegt es daran, dass ein Großteil der Koblenzer Staatsdiener sich selbst verwaltet und ellenlange Berichte über die aberwitzigsten Themen verfassen muss. Das nimmt mitunter kuriose Züge an, wie beispielsweise der jüngst vorgelegte „Ergebnisbericht zum Fledermausmonitoring zur Bechsteinfledermaus“.
23 Seiten Gutachten einer Landschaftsökologin. Die hat 19 der possierlichen Tierchen im Stadtwald zur „Geschlechts- und Altersbestimmung“ mit Netzen aus Puppenhaar gefangen und mit einem Sender versehen. Außerdem wurden die Rufe der Fledermäuse mit einem „Batcoder“ aufgenommen. Mit dem Gerät können die Rufe der Tiere jeweils einer Art zugeordnet werden.
Nur leider haben einige der Flattermänner offenbar Fremdsprachen genutzt. Solche der Gattung „Myotis“ „konnten trotz computergestützter Rufanalyse nicht eindeutig“ identifiziert werden, heißt es in dem Gutachten. Vielleicht haben die Fledermäuse aber einfach nur in „Kowelenzer Platt“ gerufen… Wie gut, dass nun die Künstliche Intelligenz im Rathaus Einzug hält. Schließlich soll die das Arbeiten in der Verwaltung effizienter machen.
KI soll dank drei neuer Planstellen ans Laufen kommen
Naja, besser Künstliche Intelligenz als gar keine… Billiger wird’s übrigens durch KI vorerst nicht. Im Gegenteil: Zunächst sollen drei neue Planstellen befristet für zwei Jahre geschaffen werden, um die KI ins Laufen zu bringen. Und für die ersten vier KI-Projekte fallen Ausgaben von 235.000 Euro an. Aber die Stadtspitze ist sicher, dass sich der Aufwand lohnt.
„Durch Effizienzgewinne, Zeiteinsparungen und sinkenden Aufwand bei Standardaufgaben entsteht ein wirtschaftlicher Nutzen, der die eingesetzten Mittel rechtfertigt“, heißt es im KiKoKo-Bericht. Ob es dazu wirklich kommt? Da müsste man mal die KI befragen…