So klüngeln die Parteien um den Bürgermeisterposten von Koblenz

Der Endspurt um den Posten des Bürgermeisters von Koblenz hat begonnen. Bis zum 1. Februar können Interessenten noch ihre Bewerbungen einreichen. Dabei könnte die Entscheidung schon am kommenden Samstag fallen.

So klüngeln die Parteien um den Bürgermeisterposten von Koblenz

Eigentlich scheint es ganz einfach, als würdiger Kandidat für den Posten des 1. Beigeordneten von Koblenz in Frage zu kommen. In der erst am Wochenende veröffentlichten Ausschreibung der Stadt werden nur „eine der Bedeutung der Stelle angemessene Vorbildung“, sowie „umfassende Kenntnisse und berufliche Erfahrungen“ verlangt. Der Himmel weiß, was das bedeuten soll. Reichen ein Hauptschulabschluss und Kenntnisse als Hilfsarbeiter?

Letztlich ist es egal, weil die Entscheidung schon im Vorfeld zwischen den großen Parteien im Stadtrat ausgeklügelt wird. Denn CDU, SPD und Grüne haben sich in die Hand versprochen, die Posten untereinander zu verteilen. So kam Ingo Schneider für die SPD zum Posten des Kulturdezernenten und Andreas Lukas für die Grünen an sein Amt als Baudezernent. Klare Kiste also: Bei der Wahl zur Nachfolge von Bürgermeisterin Ulrike Mohrs im Stadtrat am 26. März hat die CDU das Sagen. Was die Bürger von solch einer Hinterzimmer-Klüngelei halten, scheint die Parteien nicht zu interessieren. Zumal man sich die teure Ausschreibung eigentlich auch hätte schenken können.

„Kompetent, mehrheitsfähig und geeignet“

Aber so einig scheint sich das Drei-Partei-Bündnis für die Chefposten mittlerweile nicht mehr zu sein. Jedenfalls mischen sich plötzlich SPD und Grüne plötzlich massiv in die Personalauswahl der CDU ein. Während die Union die beiden Dezernenten der anderen Parteien bei den Abstimmungen vor drei Jahren im Stadtrat smooth durchgewinkt hat, stellen Sozialdemokraten und Grüne plötzlich Bedingungen. Man habe vor Jahren vereinbart, dass die Kandidaten für die Posten im Stadtvorstand „kompetent, mehrheitsfähig und geeignet“ seien. Und natürlich können nur SPD und Grüne darüber bestimmen, wer diese Bedingungen erfüllt. Man stelle sich vor, wie diese beiden Parteien reagiert hätten, wenn sich die CDU so massiv in ihre Personalauswahl eingemischt hätte…

Sei’s drum. Die CDU hat jetzt die Qual der Wahl. Der CDU-Kreisparteitag soll am kommenden Samstag abstimmen, wer antreten soll. Ganz schön basis-demokratisch also, die Unionisten. Andererseits ein Zeichen, dass sich Vorstand und Basis nicht mehr so recht über den Weg trauen. Bei einer Vorstellung möglicher Kandidaten im Kreisvorstand fielen ausgerechnet der langjährige Fraktionsvorsitzende im Stadtrat, Stephan Otto, und der erst im vergangenen Jahr erfolglos als Oberbürgermeisterkandidat angetretene Ernst Knopp durch. Vertrauen in die eigene Führung sieht anders aus…

700 CDU-Mitglieder haben die Wahl

Nun stellen sich den 700 CDU-Mitgliedern am Samstag mindestens drei Interessenten für den Bürgermeister-Posten zur Wahl. Die promovierte Juristin aus dem Mainzer Justizministerium, Dagmar Kranz, die Anwältin Zemfira Dlovani und der Rübenacher Ortsvorsteher und Lehrer Thomas Roos. SPD und Grüne haben schon angedeutet, dass sie mit beiden Frauen gut leben könnten, mit dem einzigen männlichen Bewerber dagegen nicht. Ist ja klar, wenn man selbst die eigenen Grundsätze für die gendergerechte und frauenfördernde Besetzung von Spitzenposten nicht wahrmacht, kann man ja die die anderen Parteien dazu verpflichten und so dafür sorgen, dass wenigstens ein Posten im Stadtvorstand von einer Frau besetzt wird.

Man darf gespannt sein, ob die Delegierten des Kreisparteitags am Samstag nach diesen Regeln mitspielen werden.