Auf den ersten Blick ist es eine Stellenbesetzung von vielen bei der Stadtverwaltung. Eine Referenten-Stelle wird ausgeschrieben. Es bewerben sich acht Interessenten – und am Ende bekommt eine den Posten. So weit, so klar. Wenn es da nicht das Getuschel geben würde – über Postenschieberei und Parteigeklüngel. Kein Wunder, wenn ein von den Grünen ins Amt gebrachter Dezernent ausgerechnet die Fraktionschefin der Grünen-Stadtratsfraktion einstellt – und die beiden eine besondere Geschichte verbindet.
Rückblende: 2023 sucht die Stadt einen neuen Baudezernenten, weil der bisherige Amtsinhaber in den Ruhestand geht. Nach einer Absprache zwischen CDU, SPD und Grünen soll der Posten an die Öko-Partei fallen. Die Kreis-Grünen entscheiden sich, die Stelle auf ihrer Homepage auszuschreiben – was bei der Stadt nicht so gut ankommt. An der Ausschreibung und der internen Personalentscheidung maßgeblich beteiligt: Kim Theisen als damalige Co-Kreisvorsitzende der Grünen. Die Wahl fällt schließlich auf Andreas Lukas, promovierter Jurist, Grüner. Der wird im Dezember auch mit den Stimmen von CDU, SPD und Grünen gewählt.
Nun, drei Jahre später, holt der so ins Amt gebrachte Dezernent die Frau an seine Seite in die Verwaltung, die ihm zu dem Job verholfen hat. Klingt irgendwie nach: Eine Hand wäscht die andere…
Um das klarzustellen: Es geht nicht um die Qualifikation von Kim Theisen. Die 27-Jährige hat einen Bachelor im Studiengang Verwaltung, arbeitet bisher als Sachbearbeiterin für Bodenschutzrecht bei der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord. „Ich bin für die Stelle sehr qualifiziert, und das allein entscheidet“, sagt sie über sich. An Selbstbewusstsein mangelt es ihr jedenfalls nicht. Was bleibt, ist aber der Anschein der Ämterpatronage. Von den Grünen, die mal angetreten waren, es anders als die Altparteien zu machen, hätte man mehr politisches Fingerspitzengefühl erwartet.
Sei’s drum, frisches Blut kann der Baudezernent auf jeden Fall gebrauchen. Gerade musste er eine erneute Bau-Verzögerung und Mehrausgaben von 5,5 Millionen Euro bei der Generalsanierung des Stadttheaters einräumen. Das altehrwürdige Gebäude soll nun erst im Januar 2027 wieder zur Nutzung bereitstehen. Zur Erinnerung: Im April vergangenen Jahres hatte die Stadt erklärt, der Wiedereinzug ins Stadttheater verzögere sich um ein Jahr auf den Beginn der Spielzeit 2026/27. Im Oktober folgte dann eine Kostenüberschreitung um knapp 3,1 Millionen Euro auf dann 40,1 Millionen Euro. Und nun wird es weitere Monate dauern und die Kosten steigen auf 45,6 Millionen Euro.
Diesmal soll es aber klappen mit dem Zeitplan – ganz bestimmt. Ob es dabei bleibt, steht in den Sternen. Wie hatte die Verwaltung doch vor einem Jahr auf eine Anfrage im Stadtrat zum Stand der Bauarbeiten am Theater geantwortet: „Die jetzt eingetretenen Umstände waren unvorhersehbar. Unvorhersehbares lässt sich auch für die Zukunft nicht gänzlich ausschließen.“
Aber bald hat Baudezernent Lukas ja eine neue Mitarbeiterin. Die kann mit ihren als Mitglied im Haupt- und Finanzausschuss sowie im Rechnungsprüfungsausschuss des Stadtrats gesammelten Erfahrungen sicherlich helfen…