Ohrfeige für Koblenzer Politiker: Mehr Einsatz für Verkehrswende gefordert

In Koblenz herrscht dicke Luft! Der verkehrsbedingte CO2-Fußabdruck je Einwohner ist höher als in anderen vergleichbaren Städten. Ein Planungsbüro übt deshalb heftige Kritik an den politisch Verantwortlichen und empfiehlt strengere Maßnahmen.

Ohrfeige für Koblenzer Politiker: Mehr Einsatz für Verkehrswende gefordert

Dem Bericht der Stadt- und Verkehrsplaner zufolge liegt der verkehrsbedingte CO2-Verbrauch pro Einwohner in Koblenz bei 5,8 Kilogramm pro Tag. Damit liegt Koblenz an der Spitze vergleichbarer Städte, die sich an der Untersuchung „Mobilität in Deutschland“ beteiligt haben. Dahinter liegen Ingolstadt (5,7 kg), und Gütersloh (4,6). Am besten ist demnach der entsprechende CO2-Wert in Freiburg mit 2,7 Kilogramm CO2-Äquivalenten.

Der in Koblenz im Städtevergleich „besonders hohe mobilitätsbedingte CO2-Fußabdruck pro Einwohner“ solle Anlass sein, „neue Maßnahmen, die den Autoverkehr fördern, zu unterlassen und konsequent in die Mobilitätswende zu investieren“, heißt es in dem 93seitigen Evaluationsbericht zum Verkehrsentwicklung 2030, der dem Stadtrat vorliegt.

Massiv kritisieren die Experten die politisch Verantwortlichen in Koblenz. Obwohl die Parteien den Verkehrsentwicklungsplan seinerzeit einstimmig und mit großem Lob beschlossen hätten, „zeigt sich im Nachgang eine oftmals nur zurückhaltend und mitunter sogar fehlende Unterstützung durch die Kommunalpolitik“. Die Ursache dafür „könnte unter anderem darin liegen, dass eine Angst der politischen Gremien vor einer noch zum Teil sehr autozentrierten Bevölkerung besteht, die sich vor allem im Zusammenhang mit einschränkenden Maßnahmen des Autoverkehrs zeigt“.

Positive Aspekte oft nicht berücksichtigt

Im Klartext: Die Experten werfen den Stadtratsmitgliedern Hasenfüßigkeit bei der Einschränkung des Autoverkehrs vor. Sie sollten stattdessen „Standfestigkeit, insbesondere in Phasen der Einführung und Erprobung von Maßnahmen“, zeigen. Der Bericht: „In der politischen Praxis zeigt sich in Teilen, dass auf öffentlichen Unmut einzelner Bürger:innen zu schnell reagiert wird.“ Dies könne dazu führen, „dass die positiven Aspekte der jeweiligen Maßnahme sowie die Interessen der oftmals stillen Befürworter:innen nicht ausreichend berücksichtigt werden“.

In ihrem Bericht loben die Experten zwar die zwischen 2017 und 2023 erreichten Fortschritte im Straßenverkehr. So sei der Anteil des motorisierten Individualverkehrs von 53 auf 47 Prozent des Verkehrsaufkommens gesunken, der Fußverkehrsanteil sei von 28 auf 32 Prozent gestiegen und der Öffentliche Nahverkehr von 10 auf 14 Prozent. Aber leider sei im gleichen Zeitraum der Anteil der Radfahrten von 9 auf 8 Prozent gesunken.

Um die Verkehrswende weiter voranzutreiben, fordert der Bericht mehr Anstrengungen, um den öffentlichen Nahverkehr zu stärken. Demnach sind die Koblenzer „sehr unzufrieden“ mit den Preisen im Linienbusverkehr sowie mit der Fahrzeitdauer. „Aus gutachterlicher Sicht ist zu empfehlen, dass günstige Tarife und Tickets mehr beworben werden sollten sowie das Angebot an ergänzenden Schell- und Direktbuslinien auszubauen.“

Positive Wirkungen werden untergeordnet

Der Autoverkehr sollte zudem durch eine Verringerung der öffentlichen Parkplätze stärker eingeschränkt werden. „Parkstände im öffentlichen Straßenraum“ sollten demnach „reduziert bzw. umgenutzt werden“. Aber auch dabei hielten sich die Politiker bisher vornehm zurück. Durch die Stadtverwaltung sei festgestellt worden, „dass trotz allgemein steigendem Umweltbewusstsein, bei Teilen der Bevölkerung (und Politik) mögliche negative Auswirkungen im Zuge von Maßnahmen im Vordergrund stehen und höher gewichtet werden (z.B. Parkraumentfall), während die auftretenden bzw. zu erwartenden positiven Wirkungen eine untergeordnete Rolle spielen“.

Der Bericht weiter: „Die starke Fokussierung auf negative Auswirkungen bzw. die Sorge vor einschränkenden Veränderungen kann durch unzureichende Kommunikation und Beteiligung der Bevölkerung verstärkt werden.“ Im Klartext: Verwaltung und Stadtrat sollen die Bürgern den Wegfall von Parkplätzen besser verkaufen.