Der Fitness-Trend boomt und mit ihm der Wunsch nach bewusster Ernährung. Eine aktuelle Ernährungsstudie der Techniker Krankenkasse (TK), laut der 45 Prozent der Menschen in Deutschland angeben, dass ihnen eine gesunde Ernährung wichtig sei, bestätigt diesen Trend. Während in Supermärkten detaillierte Nährwertangaben auf den meisten Verpackungen seit 2016 Pflicht sind, bleiben in meisten Restaurants Angaben zu den Nährstoffen aus, wodurch Gäste häufig nicht wissen, was tatsächlich in ihren Gerichten enthalten ist. Genau diese Lücke wollen nun zwei junge Gründer aus der Region Koblenz mit ihrem Startup Atwater schließen.
Smarte Speisekarte mit Nährwert-Check
Hinter Atwater stehen Tom Klein (20) und Miko Neyer (21), zwei Studenten von der Mosel. Aktuell studieren die beiden Gründer noch: Tom Tobias Klein Fitness & Health Management und Miko Neyer Business Administration an der Hochschule Koblenz.
Die Idee zu ihrer Gastronomie-Plattform sei den beiden Studenten, die in ihrer Freiezeit selbst gerne sportlich aktiv sind, aus dem Eigenbedarf heraus entstanden, erklärt Tom Klein im Gespräch mit Merkurist: „Irgendwann kam uns die Idee, wie praktisch es wäre, wenn Restaurants die Kalorien und Nährwerte ihrer Gerichte transparent angeben würden, sodass man auch beim Essen auswärts darauf achten kann, wie man sich eigentlich ernährt, ohne alles nur schätzen zu müssen.“
Das Konzept von Atwater funktioniert als digitale Erweiterung der Speisekarte: Über einen QR-Code gelangen Gäste ohne App-Download direkt auf eine Webseite. Dort werden von allen Gerichten die sogenannten Big Seven aufgeführt, sprich Nährwertangaben wie Kalorien, Fett und Kohlenhydrate, wie sie bereits von Verpackungen aus dem Supermarkt bekannt sind. Ein besonderes Anliegen ist den Gründern das Thema Allergien.
Der Prozess für Betroffene sei in vielen Restaurants „immer noch ein wenig veraltet“, erklärt der 20-Jährige. „Man muss beim Personal nachfragen, bekommt dann eine Zusatzkarte mit Buchstaben, die man anschließend mit der regulären Speisekarte abgleichen muss.“ Diese umständliche Suche lösen die Gründer mit einem intelligenten Filter, der es ermöglicht, Gerichte nach Unverträglichkeiten oder Ernährungsformen zu sortieren.
Dezenter als in den USA
Bereits seit 2018 sind in den USA große Restaurantketten gesetzlich dazu verpflichtet, Kalorienangaben direkt auf der Speisekarte anzugeben. Die Koblenzer Gründer verfolgen jedoch einen anderen Ansatz. „Wir wollen dem Gast keine plakative, sondern eine dezente Lösung geben, seine Informationen zu bekommen“, betont der Start-Up-Gründer. Die Nährwerte sollen für Interessierte verfügbar sein, ohne Gäste dem Thema zu konfrontieren, die sich nicht damit befassen möchten.
In Koblenz bieten bereits Pilav Street Food-Truck in Lützel und Frittenglück in der Löhrstraße das Online-Gütesiegel an. In Kürze sollen auch Want Beef im Löhrcenter und Project Vegan am Peter-Altmeier-Ufer dazukommen. Für Restaurants biete der Service ein klares Alleinstellungsmerkmal. „Wir schaffen Transparenz in der Gastronomie, und Transparenz schafft immer Vertrauen“, erklärt Tom Klein. „Gäste vertrauen dem Restaurant und dem Küchenchef deutlich stärker, wenn gezeigt wird, was in den Speisen enthalten ist. Das stärkt die Kundenbindung und spricht zugleich neue Gäste an.“