Mayen-Koblenz-Landrat Boos rechnet mit SPD Rheinland-Pfalz ab

Der Mayen-Koblenz-Landrat, Marko Boos, übt scharfe Kritik an der SPD in Rheinland-Pfalz. Er wirft seiner Partei ein „Weiter so“ nach der Wahlniederlage und eine Kultur der „Ja-Sager“ vor.

Mayen-Koblenz-Landrat Boos rechnet mit SPD Rheinland-Pfalz ab

Der Landrat des Kreises Mayen-Koblenz, Marko Boos (SPD), hat mit scharfer Kritik an seiner eigenen Partei für Aufsehen gesorgt. In einem Text, den er auf seinen sozialen Kanälen veröffentlichte, rechnet er mit der SPD in Rheinland-Pfalz ab und wirft ihr fehlende Konsequenzen nach der „bitteren und historischen Niederlage“ bei der Landtagswahl am 22. März vor.

Anstatt Aufarbeitung und Erneuerung gehe es erneut um Postenvergabe. „Die gleichen Akteure, die dieses Ergebnis politisch mitzuverantworten haben, sitzen nun erneut am Verhandlungstisch, als wäre nichts passiert“, schreibt Boos.

Kritik an Parteikultur und „Ja-Sagern“

Der SPD-Politiker kritisiert eine Parteikultur, in der echte Mitarbeit oft nicht gewollt sei. Wer Kritik äußere, gelte als unbequem und werde ausgegrenzt. „Gesucht werden zu häufig keine Menschen mit klaren Ideen, mit Haltung oder mit dem Mut zur Veränderung, gesucht werden Ja-Sager, die nicht stören und alles abnicken“, so Boos. Dies sei ein Kernproblem der Partei.

Besonders unverständlich sei für ihn der Umgang mit der kommunalen Ebene bei den Koalitionsverhandlungen. Während die CDU ihre Landräte einbeziehe, spiele keiner der fünf SPD-Landräte in Rheinland-Pfalz eine Rolle. Dabei seien sie es, die jeden Tag nah an den Menschen arbeiteten und deren Sorgen kennten.

„Wir müssen diese Menschen zurückgewinnen“

Die Partei erreiche die Mitte der Gesellschaft nicht mehr, weil zu oft über interne Machtfragen gesprochen werde. Viele Menschen, die sich nicht mehr vertreten fühlten, würden sich deshalb der AfD zuwenden. „Ich kann diese Menschen absolut verstehen. Viele suchen Antworten auf echte Sorgen“, erklärt Boos. Die SPD müsse diese Menschen mit ehrlichen und konkreten Lösungen zurückgewinnen.

Boos berichtet, dass er einen Parteiaustritt erwogen habe, weil er vieles „kaum noch ertragen“ könne. Er habe sich aber dagegen entschieden, um sich weiter für Veränderungen einsetzen zu können. Ein weiteres Problem sei die überalterte Parteibasis und der fehlende Nachwuchs. Jungen Menschen fehle oft die Perspektive, wofür die SPD heute noch stehe. „Politik muss für die Menschen gemacht werden“, fordert Boos. „So wie es jetzt läuft, verspielen wir weiter Vertrauen.“