Im AfD-Kreisverband Koblenz ist der Vorstand zerbrochen. Wie die Allgemeine Zeitung berichtet, sind Anfang Mai die beiden stellvertretenden Vorsitzenden aus Protest gegen den Kreisvorsitzenden und Landtagsabgeordneten Joachim Paul zurückgetreten. Der Verband ist dadurch vorerst handlungsunfähig.
Markus Meixner und Andreas Fachinger reichten am 5. Mai ihre Rücktritte ein. In einem der Allgemeinen Zeitung vorliegenden Schreiben wird der Schritt mit „charakterlichen und gedanklichen Sichtweisen einiger Vorstandsmitglieder“ begründet, die nicht mehr mit den eigenen Vorstellungen vereinbar seien. Gemeint ist damit offenbar Paul.
Gegenüber der Zeitung erklärten die beiden, ihr Rücktritt sei das Ergebnis einer „längeren Phase“ interner Konflikte. Dabei sei es um inhaltlich-politische Fragen, die organisatorische Entwicklung, aber auch um Kommunikation, Führungsverhalten und den Umgangston gegangen.
Kritik an Nähe zu Rechtsextremen
Ein Auslöser für die Eskalation war offenbar die Nähe Pauls zum politisch rechten Rand. In der Vergangenheit hatte Paul immer wieder mit umstrittenen Veranstaltungen für Aufsehen gesorgt, bei denen er etwa den österreichischen Rechtsextremisten Martin Sellner und den in Bayern verurteilten AfD-Politiker Daniel Halemba nach Koblenz einlud.
Als „Wendepunkt“ bezeichnen Meixner und Fachinger laut dem Bericht das Verhältnis Pauls zum rechten Medienaktivisten Patrick Kolek. Dieser soll nach Absprache mit Paul die Social-Media-Arbeit des Kreisverbands übernommen haben, obwohl gegen ihn wegen des Verdachts auf Beteiligung an Online-Mobbing-Attacken und Hetzjagden ermittelt wird. Ein entsprechender Vorstandsbeschluss habe laut den zurückgetretenen Stellvertretern nicht vorgelegen.
Notvorstand eingesetzt – Neuwahl bis August
Durch die Rücktritte ist der Koblenzer AfD-Vorstand formell handlungs- und beschlussunfähig, was auch das AfD-Landesschiedsgericht bestätigt habe. Um die laufenden Geschäfte zu sichern, setzte der Landesvorstand Anfang Juni einen Notvorstand ein. Dieser muss laut Landesschiedsgericht innerhalb von zwei Monaten, also bis Anfang August, eine Neuwahl des Vorstands organisieren.
Joachim Paul selbst widerspricht laut der Allgemeinen Zeitung der Darstellung, sein Verband sei nicht mehr handlungsfähig. Eine vorgezogene Neuwahl lehnt er ab und kündigt an, bei der regulären Wahl im Oktober 2026 erneut kandidieren zu wollen. Aus Parteikreisen heißt es unterdessen, der umstrittene Aktivist Kolek sei nach einem Treffen mit Paul und dem AfD-Spitzenpolitiker Sebastian Münzenmaier mittlerweile aus der Partei ausgetreten. Paul kommentierte dies nur allgemein: „Ich stelle mich immer vor unsere Mitglieder, die ja oft genug zu Unrecht angefeindet werden.“