Studie zeigt: 13 „Angsträume“ in der Koblenzer Innenstadt

In der Koblenzer Innenstadt gibt es 13 Angsträume. Das geht aus dem Papier eines Beratungsunternehmens für den Stadtrat hervor. Bei Angsträumen handelt es sich um Passagen oder Plätze, die zum Teil in schlechtem Zustand und wenig einladend sind.

Studie zeigt: 13 „Angsträume“ in der Koblenzer Innenstadt

Viel war in den vergangenen Wochen vom „Stadtbild" die Rede. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte die Debatte mit seiner Bemerkung losgetreten, es gebe in den deutschen Kommunen „Probleme im Stadtbild“. Einen detaillierten Blick auf das Bild von Koblenz bietet jetzt eine intensive Untersuchung mit dem sperrigen Titel „Integriertes städtebauliches Entwicklungskonzept“ – kurz ISEK. Auf 90 Seiten breiten die Experten für Stadtentwicklung ihre Sicht auf unsere Stadt aus. Und die ist nicht immer schmeichelhaft für Koblenz.

Wenig Beleuchtung, keine Sitzmöglichkeiten

Vor allem die dunklen Ecken zwischen Schloss und Löhrcenter, Friedrich-Ebert-Ring und Moselufer bereiten den Stadtplanern Sorge. „Stellenweise gibt es Angsträume im öffentlichen Raum aufgrund mangelnder Einsehbarkeit, insbesondere in Innenhöfen/Passagen“, heißt es in der Untersuchung. Genannt werden unter anderem die Planpassage, die Deinhardpassage und die Rathauspassage.

Teilweise seien die Passagen „in einem unattraktiven, heruntergekommenen Zustand, weshalb sie häufig auch als Angsträume wahrgenommen werden“. Charakteristisch für alle Passagen seien „eine mangelhafte Beleuchtung, das Fehlen von Aufenthalts- und Sitzmöglichkeiten sowie Vermüllung“.

Die Experten empfehlen, die Durchgänge dringend funktional und gestalterisch aufzuwerten. „Sie sollten deutlicher als attraktive Durchgangsmöglichkeiten wahrnehmbar sein – beispielsweise durch den Einsatz gestalterischer Elemente wie Licht, Kunst oder Sitzgelegenheiten.“

Erinnerung an viel besuchtes Kaffee

Da ist durchaus was dran. Ältere Koblenzer erinnern sich noch an die Anfänge der Passage zwischen Plan und Pfuhlgasse. Damals gab es dort sogar ein viel besuchtes Kaffee mit Sitzplätzen im Freien. Heute sieht es dort eher trostlos aus. Die Schaufenster sind verhangen, der Innenhof ist eine Betonwüste. Und in der Rathauspassage hat gerade die dort befindliche Kneipe dichtgemacht, nachdem der Zugang vom Entenpfuhl wegen eines Brandes über Wochen geschlossen war.

Auf einer Karte haben die Stadtplaner insgesamt 13 „Angsträume“ in der Koblenzer Innenstadt verortet. Dazu gehören auch das Löhrrondell, das Altlöhrtor, der Bereich unter der Balduinbrücke oder die Parkplatzfläche zwischen Stegemannstraße und Friedrich-Ebert-Ring.

Besucher meiden betroffene Bereiche

Die Experten befürchten, dass Besucher die betroffenen Bereiche immer stärker meiden, weil sie sich nicht sicher fühlen. „Sollten bestehende Angsträume nicht aktiv angegangen und reduziert werden, besteht die Gefahr, dass bestimmte Personengruppen sich in dem betroffenen Gebiet nicht sicher oder willkommen fühlen.“ Dies könne zu einer einer geringeren Aufenthaltsqualität und zu einer verminderten Nutzung des öffentlichen Raums führen. „Bleiben diese Tendenzen unbeachtet, kann ein Abwärtstrend einsetzen, der schwer umkehrbar ist und langfristig soziale sowie städtebauliche Probleme nach sich zieht“, heißt es in dem Papier.

Ähnlich kritisch sehen die Stadtplaner auch die Entwicklung beim Einzelhandel in der Koblenzer Innenstadt. Es gebe bei den vielen kleinteiligen Ladenlokalen „zunehmend die Ansiedlung von Dienstleistungsbetrieben wie zum Beispiel Nagelstudios“. „Hier besteht die Gefahr von Abwärtstendenzen.“ Bleibt also viel zu tun also für die Koblenzer Stadtspitze, wenn sie das in der Studie genannte Ziel erreichen will. Das lautet nämlich: „Die Stadt Koblenz verfolgt das Ziel, eine lebendige, inklusive, nachhaltige und zukunftsfähige Innenstadt zu entwickeln.“