Zum 250. Geburtstag: Wer war eigentlich der Koblenzer Joseph Görres?

Er war Revolutionär und Napoleons Staatsfeind: Zum 250. Geburtstag blickt Koblenz auf das bewegte Leben des einflussreichen Publizisten Joseph Görres zurück.

Zum 250. Geburtstag: Wer war eigentlich der Koblenzer Joseph Görres?

Am 25. Januar 1776 wurde in Koblenz einer der einflussreichsten Denker des 19. Jahrhunderts geboren: Joseph Görres. Sein 250. Geburtstag ist Anlass, auf ein Leben zurückzublicken, das von radikalen Wandlungen geprägt war – vom Revolutionär über den gefürchteten Publizisten bis hin zum christlichen Mystiker.

Schon als Schüler eines Jesuitengymnasiums (heute bekannt als Görres-Gymnasium) begeisterte sich der Sohn eines Holzhändlers und einer Italienerin für die demokratische Bewegung und die Ideale der Französischen Revolution. Mit nur 22 Jahren gab er die Zeitschrift „Das rote Blatt“ heraus, um für eine demokratische Republik im Rheinland zu werben. Eine Reise nach Paris im Jahr 1799 ließ ihn jedoch desillusioniert zurückkehren. Statt der erhofften Freiheit fand er eine Republik vor, die in der späten Phase des Direktoriums von Machtkämpfen und politischer Willkür geprägt war. Tief enttäuscht war er schließlich von der Machtergreifung durch Napoleon Bonaparte, der die Revolution im November 1799 für beendet erklärte und sich als Erster Konsul an die Spitze des Staates setzte. Angewidert von dieser Entwicklung zog sich Görres zunächst aus der Politik zurück und wurde Physiklehrer an einem Koblenzer Gymnasium.

Napoleons „fünfte feindliche Großmacht“

Während der Befreiungskriege gegen Napoleon kehrte Görres zur Publizistik zurück und gründete am 23. Januar 1814 in Koblenz den „Rheinischen Merkur“. Die Zeitung wurde schnell zu einem einflussreichen Sprachrohr der deutschen Nationalbewegung und forderte ein geeintes und demokratisches Deutschland auf christlicher Grundlage. Napoleons angebliche Bezeichnung des Blattes als „fünfte feindliche Großmacht“ zeugt von dessen Wirkung.

In der Zeitung veröffentlichte Görres auch eine fiktive Proklamation Napoleons, die dessen angebliche Kritik am deutschen Volk enthielt. Darin heißt es: „Es gibt kein gutmütigeres, aber auch kein leichtgläubigers Volk als das deutsche. […] Um eine Parole, die man ihnen gab, verfolgten sie ihre Landsleute mit größerer Erbitterung als ihre wirklichen Feinde.“

Flucht, Wandel und bleibendes Erbe

Nach dem Sieg über Napoleon und dem Beginn der Restauration wurde der „Rheinische Merkur“ wegen seiner liberalen Forderungen für die preußische Regierung unbequem und im Januar 1816 verboten. Als Görres 1819 die Verhaftung drohte, warnte ihn sein Schulfreund, der Koblenzer Oberbürgermeister Abundius Maehler, und er floh nach Straßburg. Später fand Görres eine neue Heimat in München, wo er eine Professur erhielt. Sein Anhängerkreis wurde zu einem geistigen Zentrum des politischen Katholizismus und sein Spätwerk widmete er der christlichen Mystik.

In dieser Zeit engagierte er sich stark für den Weiterbau des Kölner Doms und war einer der Initiatoren des Zentral-Dombau-Vereins. Joseph Görres starb am 29. Januar 1848 in München. Sein Erbe lebt bis heute fort: 1876 wurde in Koblenz die Görres-Gesellschaft zur Pflege der Wissenschaft gegründet. Hier erinnern zudem der Görres-Platz, das Görres-Gymnasium und das Joseph-Görres-Denkmal in den Rheinanlagen an den einflussreichen Denker.