Ein Turm für den Partner: Duisburgs und Koblenz' ungewöhnliche Allianz

Im Mittelalter gingen Duisburg und Koblenz einen besonderen Weg: Mit Wehrtürmen und Doppel-Bürgerrecht sicherten sie den Handel auf dem Rhein. Eine Kooperation, die bis heute nachwirkt.

Ein Turm für den Partner: Duisburgs und Koblenz' ungewöhnliche Allianz

Während heute über Handelskonflikte und Strafzölle gestritten wird, setzten die Städte Duisburg und Koblenz schon im Mittelalter auf Kooperation. Ein außergewöhnliches Bündnis sicherte über Jahrhunderte den Handel auf dem Rhein, Europas damals wichtigster Verkehrsader. Darüber berichtet die Rheinische Post in einem Beitrag zur Stadtgeschichte von Duisburg, in der auch Koblenz eine zentrale Rolle spielt.

Um Warenströme zu kontrollieren und Piraterie einzudämmen, schlossen die beiden Hafenstädte ein Schutz- und Trutzbündnis. Kern der Vereinbarung war eine Art „doppelte Stadtbürgerschaft“, die erstmals in einer Quelle von 1220 erwähnt wird. Kaufleute aus der jeweiligen Partnerstadt erhielten besondere Privilegien wie Steuererleichterungen und spezielle Handelsrechte.

So konnten Händler ihre Waren schneller, sicherer und günstiger ans Ziel bringen. Auf den Schiffen zwischen Duisburg und Koblenz wurden Weinfässer vom Mittelrhein, kostbare Tuche, Salz, Bier, Felle und Gewürze aus fernen Ländern transportiert. Das Bündnis machte den Rhein zu einer Art mittelalterlicher „Handelsautobahn“.

Wehrtürme als Symbol der Partnerschaft

Sichtbares Zeichen dieser Partnerschaft waren zwei Wehrtürme. Wie historische Berichte zeigen, errichtete Koblenz in Duisburg den „Koblenzer Turm“, der ab 1356 als nordöstliche Eckbefestigung Teil der Stadtmauer war. Der rund 20 Meter hohe Turm mit einem Umfang von 21 Metern stand damals direkt am Rhein, sodass Schiffe an seinem Sockel anlegen konnten. Heute sind seine Überreste nahe dem Innenhafen im Garten der Erinnerung zu finden. Ab dem 18. Jahrhundert wurden seine Steine für andere Bauten verwendet, was seine Größe stark reduzierte.

Im Gegenzug besaßen die Duisburger in Koblenz den „Ochsenturm“. Dieser wurde jedoch während der französischen Belagerung im Jahr 1793 zerstört. Die Türme waren mehr als nur militärische Anlagen; sie symbolisierten den gegenseitigen Schutz und die enge wirtschaftliche Zusammenarbeit der beiden Städte.

Verbindungen bis in die Gegenwart

Die Verbindungen zwischen Duisburg und Koblenz rissen auch nach dem Mittelalter nicht ab. Ab 1822 gehörten beide Städte zur preußischen Rheinprovinz mit Koblenz als Verwaltungssitz, was einen regen Austausch von Beamten, Juristen und Unternehmern zur Folge hatte. Wirtschaftsdynastien wie Stinnes, Haniel, Spaeter und Klöckner prägten die Beziehungen zusätzlich.

Auch die Familie Keller, die seit dem 17. Jahrhundert in der Duisburger Politik aktiv war, pflegte Verbindungen nach Koblenz. Erst im Jahr 2022 wurde eine Sammlung wertvoller Gemäldeportraits der Familie, die ein in Koblenz lebender Nachfahre vor Kriegsende in Sicherheit gebracht hatte, dem Duisburger Stadtmuseum als Schenkung übergeben.