Die Ankündigung des „Galeria“-Managements aus den vergangenen Tagen klingt ernüchternd. Die Verkaufsfläche des Warenhauses in der Koblenzer Einkaufsmeile sei „zu groß für ein wirtschaftlich tragfähiges Betriebsmodell“. Das heißt dann wohl gesundschrumpfen oder ganz dicht machen.
Dabei hat sich das Warenhaus schon in den vergangenen Jahren verkleinert. Die Verkaufsfläche im 2. Stock, wo früher u.a. Spielsachen und Sportartikel feilgeboten wurden, steht seit Jahren leer. Ein Schild versperrt die Rolltreppe. Darauf steht zu lesen, dass die „attraktive Fläche im 2. Obergeschoss“ gemietet werden kann. Aber so richtig gezündet hat das Angebot bisher nicht.
Leerstände gehören zum Stadtbild
Was der Abschied vom Kaufhof für die Innenstadt und die rund 60 Beschäftigten bedeuten würde, lässt sich unschwer abschätzen. Schon jetzt gehören die Leerstände zum Stadtbild. Gleich mehrere Gewerbe-Immobilien in der sogenannten A-Lage werden im Moment auf Immobilienportalen im Internet wie Sauerbier angeboten. Und das sogar meist provisionsfrei! Darunter sind der frühere Karnevalsshop „Deiters“, das Ladenlokal von „Listmann“, der frühere „Geox"-Laden gleich daneben und der frühere Modeladen „Aachener“ an der Kreuzung zur Pfuhlgasse.
Um ein Gespür dafür zu bekommen, warum der Kaufhof daran interessiert ist, für sein Warenhaus in Zukunft „marktgerechte Mietkonditionen“ zu erhalten: Für das leerstehende Modegeschäft „Aachener“ mit einer Verkaufsfläche von 1914 Quadratmeter werden sage und schreibe 30.000 (!) Euro Monatsmiete aufgerufen. Dafür muss man schon verdammt viel Kleider, Hosen und Pullover verkaufen.
Nicht auszumalen, wenn jetzt auch noch das riesige Kaufhof-Gebäude zum „Lost Place“ würde. Schließlich will auch das Schuhgeschäft „Deichmann“ seine Filiale gleich daneben in das Gebäude des neuerrichteten „Motel One“ an der Kreuzung zur Pfuhlgasse verlagern. Dann würde der Eingang in die Löhrstraße von der Herz-Jesu-Kirche mit drei leerstehenden Groß-Verkaufsflächen („Deiters“, „Galeria“, „Deichmann") zur Geisterstadt: Leerstraße statt Löhrstraße.
Onlinehandel macht das Leben schwer
Dabei hat Koblenz doch inzwischen eine Citymanagerin und eine Innenstadtmanagerin, die den Leerstand bekämpfen, für eine attraktive Innenstadt sorgen sollen. Man wird den Eindruck nicht los, dass die Zahl der verwaisten Schaufenster eher zugenommen hat, seit die Damen am Werk sind...
Fakt ist: Der Onlinehandel macht den großen Warenhäusern das Leben schwer. Warum soll ich noch in die Innenstadt fahren, einen teuren Parkplatz suchen und mich durch die Geschäfte bemühen, wenn ich auf einen Klick alles nach Hause geschickt bekomme – und das oft auch noch mit kostenloser Lieferung?
Für Koblenz kommt erschwerend hinzu: Das Outlet-Center Montabaur zieht massenweise Einkäufer ab. Die ins Werk gesetzte Vergrößerung der Verkaufsfläche an der Autobahn A3 um fast das Doppelte wird dem Koblenzer Einzelhandel weiter zusetzen. Ein von der Stadt in Auftrag gegebenes Gutachten kam zu dem Schluss, dass den Modegeschäften durch die Outlet-Pläne ein Umsatzverlust von weiteren 4,2 Prozent und bei Schuhen um 17,8 Prozent droht.
Anhörung „Zukunft der Innenstadt im Stadtrat
Da passt es, das der Stadtrat gleich nach den Sommerferien eine Anhörung zur „Zukunft der Innenstadt“ anberaumt hat. Neun Experten, darunter zwei Professoren, sollen dem Gremium u.a. darüber Auskunft geben, welche Maßnahmen „sich bei der Entwicklung von Schlüsselimmobilien als erfolgreich erwiesen“ haben. Schon jetzt ist absehbar, das Rad werden auch die Fachleute nicht neu erfinden.
Was sich auch ohne Experten-Anhörung schon längst zeigt: Immer mehr Einzelhandelsgeschäfte wandeln sich zu Gastronomiebetrieben. Das jüngste Beispiel ist der Umbau der früheren Salamander-Filiale mitten in der Löhrstraße in einen neuen Döner-Imbiss. Als ob, es davon nicht schon genug in Koblenz gäbe. Attraktiver wird die Innenstadt dadurch auch nicht gerade – aber wenigstens gibt es einen Leerstand weniger…