Seit Juni 2025 ist Bernd Kütscher der Vorsitzende der Geschäftsführung der Achim Lohner GmbH & Co KG. Diese Zeit sei durch eine intensive Arbeit an den verschiedenen Strukturen und Prozessen im Unternehmen geprägt gewesen. Ein Schwerpunkt habe darauf gelegen, die Führung des Unternehmens neu aufzustellen, erzählt der 58-Jährige im Gespräch mit dem Merkurist.
Heute verfüge man über eine sehr gut aufgestellte Mannschaft inklusive einer exzellenten Besetzung auf der ersten und zweiten Führungsebene. Dazu waren einige personelle Veränderungen notwendig. Hierbei wurden auch Eigengewächse gefördert und Neuzugänge mit großer Erfahrung gewonnen, darunter drei weitere Geschäftsführer.
Insgesamt sieht Kütscher das Unternehmen auf einem sehr guten Weg. „Wir entwickeln uns recht positiv, was ich besonders an den steigenden Kundenzahlen festmache. Basis der Entwicklung sind jene Werte, mit denen Achim und Ellen Lohner den Betrieb von einer kleinen Bäckerei in Cochem zu einer der größten Deutschlands entwickelt haben.“ Dazu zählten neben einem hohen Fokus auf die Produktqualität und eine große Vielfalt auch die Wertschätzung des Teams und die Verbundenheit mit der Region. „Diese Grundsätze haben wir wieder in den Mittelpunkt gerückt, doch hier bleibt weiterhin noch etwas zu tun.“
Rückkehr in die Heimat
Bernd Kütscher ist selbst Bäckermeister, stammt aus Mendig, wo er bereits in sehr jungen Jahren die Bäckerei seines Vaters übernahm. Dort hat er sich unter anderem mit seinen Christstollen einen Namen gemacht, mit denen er zahlreiche renommierte Auszeichnungen gewann. „Der Stollen wurde derart stark nachgefragt, dass ich in der kleinen Backstube nicht mehr so viele backen konnte, wie verkauft wurden.“ Das war der Moment, als der heutige Chef bei Achim Lohner anklopfte, damals mit 60 Fachgeschäften und neuer Backstube in Polch. „Hier wurde der Stollen dann gemeinsam in großer Menge hergestellt.“ Nicht ohne Stolz weiß Bernd Kütscher zu berichten, dass das Weihnachtsgebäck aus der Vulkaneifel in die ganze Welt versandt wurde: „Unser Stollen ging in Überseecontainern nach Japan. Sogar die Polarforscher der Neumayer Forschungsstation in der Antarktis haben ihn bestellt.“
Beruflich war Bernd Kütscher in den letzten 20 Jahren außerhalb seiner Heimat tätig. Unter anderem leitete er als geschäftsführender Direktor die Akademie des Bäckerhandwerks in Weinheim sowie das Deutsche Brotinstitut in Berlin. Hinzu kamen weitere nationale und auch internationale Aufgaben für das Bäckerhandwerk. So wählte ihn der Bäcker-Weltverband in Madrid zum Jurypräsident seiner Weltmeisterschaften, wo kreative Backkunst auf Spitzenniveau zu erleben ist. Mit seinem Wissen schrieb er Fachbücher und agierte als Keynote Speaker auf internationalen Branchenkongressen. Dass die Deutsche Brotkultur heute UNESCO-Kulturerbe ist, war auch der Verdienst von Bernd Kütscher. Die ZEIT nannte ihn daher „Brotpapst“.
Die Rückkehr nach Polch sei für ihn mit einer neuen Herausforderung verbunden gewesen. „Die Familie Lohner hat mir früher sehr geholfen und mich nun gebeten, die weitere Entwicklung ihres Unternehmens mit zu gestalten. Diesem Wunsch bin ich mit Blick auf meine Wurzeln sehr gerne gefolgt.“ Durch seine Tätigkeit im Stiftungsrat des Unternehmens habe er bereits Einblicke gehabt. „In der Geschäftsführung sind dann jedoch neue Herausforderungen sichtbar geworden, die anzupacken waren.“
Handwerk im Wettbewerb mit günstigen Backwaren
Eine zentrale Herausforderung dürfte der Wettbewerb in einem Markt sein, „in dem Menschen oft an der eigenen Ernährung sparen und nicht immer bereit sind, sich handwerklich hergestellte Lebensmittel zu gönnen“. Während Discounter und Backautomaten Brot und Kleingebäcke zu niedrigen Preisen anbieten können, habe ein Handwerksbetrieb durch den Personaleinsatz höhere Kosten zu tragen. Bei Lohner würden Backwaren mit handwerklichen Verfahren, langen Teigreifezeiten und durch die Arbeit von Menschen hergestellt. Der Geschäftsführer sieht durchaus Chancen für diese Form des Backens. Große Backwarenfabriken könnten zwar standardisierte Produkte in hohen Stückzahlen herstellen. Das Handwerk könne sich aber über die Qualität, die Vielfalt und den direkten Kontakt zu den Kunden abgrenzen.
Bäckereien als Treffpunkte
Bernd Kütscher misst dem Bäckerhandwerk noch eine weitere, entscheidende Funktion bei. „Eine Bäckerei ist heute nicht nur ein Ort, an dem Backwaren verkauft werden. In vielen Städten und Gemeinden sind unsere Fachgeschäfte auch wichtige Treffpunkte für die Menschen.“ Vor dem Hintergrund zunehmender Einsamkeit sehen sich die Lohners verpflichtet, diese Funktion weiter zu stärken. Dies sei ein Unterschied zum Einkauf an einem Automaten, der zwar Waren anbieten könne, aber keinen Raum für Begegnungen schaffe.
Investitionen aus eigener Kraft
Die Zukunftschancen des Unternehmens bewertet der Geschäftsführer sehr positiv, auch weil man in der Familie Lohner entschieden habe, eigenständig zu bleiben. „Derzeit kaufen internationale Finanzinvestoren reihenweise Bäckereien“, erfahrungsgemäß mit dem Ziel, diese nach einiger Zeit mit hohem Gewinn an den nächsten Investor weiter zu verkaufen. Darunter leide zuweilen die Qualität sowie die Zufriedenheit von Kunden und Team. Hier sei die Bäckerei Lohner dank der Trägerschaft durch eine Familienstiftung und dem Grundsatz, nur mit eigenem Geld zu investieren, ein sicherer Hafen.
Zu den immerwährenden Herausforderungen in einem wachsenden Unternehmen gehöre jedoch die Gewinnung neuer Mitarbeiter. Daher sei der Recruiting-Prozess neu aufgesetzt worden, auch mit Hilfe von KI. „Unsere Bäckerei steht nicht nur im Wettbewerb um Kunden, sondern auch um Arbeitskräfte. Deshalb haben wir die Attraktivität für Mitarbeiter gestärkt, etwa durch eine Reihe von Benefits. Auch eigene Ausbildung in zahlreichen Berufsfeldern hat eine große Tradition bei den Lohners, bis hin zum dualen Studium und unserer eigenen Senior-Ausbildung“, betont Bernd Kütscher.
Expansion mit Augenmaß
Der Standort Polch ist durch seine Nähe zu mehreren Autobahnen infrastrukturell gut angebunden. Mit der Übernahme einer Bäckerei in Lahnstein kam zudem eine kleinere Produktionsstätte hinzu, die die große Backstube in Polch entlastet. Weitere Produktionsstätten sind nach Aussage des Geschäftsführers derzeit aber nicht geplant. Dennoch bleibt Expansion grundsätzlich ein Thema.
Das Geschäftsgebiet erstreckt sich derzeit auf einen Radius von rund 80 km Luftlinie um Polch. In diesem Gebiet wolle man achtsam weiter expandieren: „Wir werden bis zum Jahresende und auch in den nächsten Jahren weitere Orte mit Lohners-Fachgeschäften bereichern, um noch mehr Kunden mit unseren erstklassigen Backwaren glücklich machen zu können. Zudem kommen Kollegen auf uns zu, die ihre Bäckerei in gute Hände abgeben wollen.“ Konkrete Angaben hierzu machte Kütscher im Merkurist-Gespräch aber nicht.