Vorbei an Fachwerkhäusern, über grüne Weiden und mitten in die Natur: Hier sind Manfred, Helmut, Anton und rund 14 weitere Lamas zu Hause. Knapp eine Viertelstunde Autofahrt von Koblenz entfernt hat sich Ana Perisa gemeinsam mit ihrem Partner Michael Eich ein Herzensprojekt verwirklicht: Glückslama in Brey. Als ausgebildete tierpädagogische Fachkraft bietet sie hier verschiedene Begegnungen mit den Tieren an, von Lamawanderungen bis hin zu Besuchen auf der Weide.
Für eine Gruppe Seniorinnen des AWO Seniorenzentrums in Bendorf war es ein besonderer Tag. Während einige sofort von den Filzbällen berichteten, die sie gemeinsam mit Ana bei ihrem letzten Besuch hergestellt haben, ist es für andere die erste Begegnung mit einem Lama.
Zu Besuch bei den Lamas
Zuerst stand ein Besuch bei Manfred auf dem Programm, einem hellbraunen, siebenjährigen Lama-Hengst. Typisch Lama ist Manfred auf keinen Fall. Entgegen dem in den sozialen Medien vertretenen Bild, sind die südamerikanischen Neuweltkamele keine Kuscheltiere. Als wachsame Fluchttiere reagieren sie sensibel auf hektische Bewegungen. Manfreds ruhiges Wesen macht ihn jedoch zu einer Ausnahme und erlaubt den vorsichtigen Kontakt. „ Ich bin zum ersten Mal hier und bin auch zum ersten Mal mit einem fremden Tieren so dicht zusammen. Ich finde es wunderschön,“ berichtet Frau Z. nachdem sie den Hengst unter Anleitung von Perisa berühren und füttern durfte.
Während Manfred frei in der Gruppe herumlief, ging es für die Besucherinnen ans Handwerk: An einem Tisch mit Küchenutensilien, Gemüse und Körnern bereiteten die Seniorinnen Futter für die Hühner, die ebenfalls neben den Glückslamas leben, zu.
Jedes Huhn bringt seine eigene, individuelle Geschichte mit sich. So wurde ein Teil von ihnen kurz vor dem Schlachten aus Legebatterien gerettet und war bei ihrer Ankunft in Brey noch kahl. Die Begegnung mit den Hühnern weckt bei den Damen sofort Erinnerungen. „Jeder hat früher sein Lieblingshuhn gehabt. Das haben wir dann gestreichelt und überall mit hingenommen. Das war immer schön“, blickt die 92-jährige Frau J. auf ihre Kindheit zurück.
Achtsamkeit und Entschleunigung für jeden
Solche Momente sind keine Seltenheit. Die ruhige Ausstrahlung der Tiere wirkt beruhigend und weckt positive Emotionen. Ana Perisa ist immer wieder fasziniert, welche Wirkung ihre Tiere auf die Besucher haben. „Oft plane ich etwas im Kopf und dann merke ich, dass die Tiere gezielt auf Menschen zugehen. Gerade wenn jemand in Trauer ist und sich nicht gut fühlt, dann sucht ein Tier gezielt die Nähe“, erzählt sie. „ Das macht mich jedes Mal glücklich.“
Das Angebot von Glückslama richtet sich dabei nicht nur an Seniorengruppen. Im Mittelpunkt steht, eine echte Begegnung und eine bewusste Auszeit mit den Tieren zu ermöglichen. Neben Lamawanderungen, Lama-Yoga und Besuchen auf der Weide gehören auch kreative Arbeiten wie das Filzen mit Lamawolle zum Programm. Laut Inhaberin Ana Perisa sind dabei alle Interessierten willkommen: „Es sind alle Altersgruppen erwünscht. Sowohl Jung, Alt und jeder, der Interesse hat, die Tiere kennenzulernen und eine besondere Begegnung zu erleben.“