Gedränge auf Gleis 1 in Koblenz: Bahn reagiert auf Kritik

„Gedränge und Geschubse“ auf Gleis 1 in Koblenz: Ein Rollstuhlfahrer warnt vor gefährlichen Zuständen am Hauptbahnhof. Nun hat die Bahn reagiert.

Gedränge auf Gleis 1 in Koblenz: Bahn reagiert auf Kritik

„Gedränge und Geschubse“ und „sagenhafte“ Zustände: Mit diesen Worten beschreibt ein Leser, der auf einen Rollstuhl angewiesen ist, die Situation auf Gleis 1 am Koblenzer Hauptbahnhof. Er hat sich an die Redaktion von Merkurist gewandt, weil er die Situation vor allem für mobilitätseingeschränkte Menschen als großes Sicherheitsrisiko ansieht.

Das Problem tritt seinen Schilderungen zufolge regelmäßig beim Fahrgastwechsel des Regional-Express 2 (RE 2) in Richtung Frankfurt auf. Der Zug sei oft überfüllt und komme mit nur wenigen Minuten Wendezeit am Bahnsteig an. Dadurch würden aussteigende und wartende Fahrgäste gleichzeitig auf dem schmalen Bahnsteig aufeinandertreffen, was zu gefährlichem Gedränge führe. Der Leser fragt sich, ob es für diese Situation keine andere Lösung gibt. Sein Vorschlag: Der RE 2 könnte an einem größeren Bahnsteig halten, während Gleis 1 von einem Zug mit längerer Standzeit genutzt wird, etwa dem RE 5.

Bahn verweist auf Umsteigezeiten und bestehende Maßnahmen

Auf Anfrage von Merkurist bestätigt eine Sprecherin der Deutschen Bahn (DB) das hohe Reisendenaufkommen. Die Länge und Breite des Bahnsteigs würden jedoch „prinzipiell eine sinnvolle Verteilung der Reisenden“ zulassen. Die Bahn verweist auf verschiedene Maßnahmen, die bereits zur Entzerrung der Passagierströme beitragen sollen. So weisen Anzeigen darauf hin, die gesamte Bahnsteiglänge zu nutzen. Plakate machen zudem auf den zusätzlichen Ausgang an der Kaisertreppe aufmerksam, der im vergangenen Jahr geöffnet wurde.

Eine Verlegung des RE 2 auf ein anderes Gleis lehnt die Bahn ab. Die Zuweisung der Gleise erfolge nach betrieblichen Kriterien, bei denen vor allem Umsteigezeiten und Wegebeziehungen entscheidend seien. „Der Halt des RE 2 an Gleis 1 ist vor dem Hintergrund des an Gleis 2 haltenden RE 5 sowie von Anschlussbeziehungen zum Fernverkehr geprägt“, sagte die Sprecherin. Eine Verlegung an eine andere Bahnsteigkante sei geprüft, aber verworfen worden, da sich dadurch die Umsteigebeziehungen verschlechtern würden.

Besserung erst 2028 in Aussicht?

Kurzfristig sind laut der Bahnsprecherin keine weiteren Maßnahmen zur Entschärfung der Lage denkbar. Für mobilitätseingeschränkte Reisende stehe ein Aufzug zum weniger frequentierten Posttunnel als barrierefreier Zugang zur Verfügung. Die geschilderte Problematik lasse sich aber nur durch eine weitere Entzerrung der Reisendenströme lösen.

Eine mögliche Verbesserung könnte es erst in einigen Jahren geben. Im Jahr 2028 seien voraussichtlich Bauarbeiten am Gleis 1 geplant. Dies könne „gegebenenfalls zu einer weiteren Entschärfung der Situation führen“. Bis dahin stehe man weiter im Austausch mit dem zuständigen Zweckverband SPNV-Nord und dem Land Rheinland-Pfalz.