E-Bike-Klau in Koblenz: So reagieren Polizei und Stadt auf die Diebstähle

Die Zahl der Fahrraddiebstähle in Koblenz hat sich fast verdoppelt. Radfahrer sind frustriert und machen sich Sorgen um die Sicherheit. Was Polizei und Stadt zu der Diebstahl-Serie sagen.

E-Bike-Klau in Koblenz: So reagieren Polizei und Stadt auf die Diebstähle

Eine Merkurist-Leserin meldete sich mit einem ernsten Anliegen an uns. Ihr wurden innerhalb von nur drei Monaten gleich zwei E-Bikes in Koblenz gestohlen – einmal an der Rhein-Mosel-Halle, einmal in der Löhrstraße. Trotz hochwertiger Schlösser. Ihr Fall steht beispielhaft für eine Entwicklung, die wahrscheinlich viele Radfahrer in der Stadt verunsichert. Für die Betroffene ist die Sorge vor weiteren Diebstählen so groß, dass sie sogar überlegt, wieder auf das Auto umzusteigen. „Wie soll Koblenz' Innenstadt autofrei werden, wenn man sich nicht mehr traut, das E-Bike irgendwo anzuschließen?“, fragt die Leserin.

Wie eine Anfrage beim Polizeipräsidium Koblenz bestätigt, ist die Zahl der schweren Fahrraddiebstähle massiv angestiegen. Laut Kriminalstatistik hat sich die Zahl der gemeldeten Fälle in Koblenz von 200 im Jahr 2024 auf 370 im Jahr 2025 fast verdoppelt. Gleichzeitig sank die Aufklärungsquote von 6 auf nur noch 2,7 Prozent. Die Polizei erklärt diesen Anstieg unter anderem mit der wachsenden Beliebtheit von E-Bikes. Es seien einfach mehr und vor allem teurere Räder im Umlauf, was mehr Tatgelegenheiten und größere Anreize für Diebe schaffe. Die durchschnittliche Schadenssumme pro Diebstahl ist in den letzten fünf Jahren von 1.492 Euro auf 2.426 Euro gestiegen.

Die Polizei relativiert den drastischen Anstieg jedoch: Die Fallzahlen des Jahres 2024 seien außergewöhnlich niedrig gewesen. Das Niveau von 2025 entspreche eher dem der Jahre 2015 bis 2018. Für das laufende Jahr sei bisher kein weiterer Anstieg zu erkennen, wobei die Zahlen witterungsbedingt im Sommer höher sind als im Winter.

Hotspots und Vorgehen der Täter

Die betroffene Leserin berichtet, dass besonders die Fahrradständer an der Rhein-Mosel-Halle ein beliebter Tatort zu sein scheinen. Dort gebe es Beobachtungen, wonach junge E-Scooter-Fahrer gezielt Fahrradständer umkreisen, mutmaßlich um sie auszuspähen.

Die Polizei teilt mit, dass ein solches Vorgehen aus kriminalistischer Sicht „wahrscheinlich“ sei, konkrete Hinweise auf organisierte Banden aber nicht vorlägen. Im Gegensatz zur Wahrnehmung der Leserin sei die Rhein-Mosel-Halle in diesem Jahr jedoch kein Kriminalitätsschwerpunkt, hier sei bislang nur ein schwerer Fahrraddiebstahl gemeldet worden. Die Polizei betont in diesem Zusammenhang die immense Wichtigkeit von Hinweisen aus der Bevölkerung.

Was tun bei Diebstahl? Polizei und Stadt reagieren

Um der Diebstahl-Serie entgegenzuwirken, will die Polizei ihre Präsenz im öffentlichen Raum, etwa durch Fußstreifen, erhöhen und gezielte Schwerpunktkontrollen bei Radfahrern durchführen. Dabei sollen auch die Individualnummern der Räder mit dem Fahndungsbestand abgeglichen werden. Zudem sind Informationsstände im Stadtgebiet geplant, wie etwa bei der Verkehrssicherheitsaktion „sicher.mobil.leben“ am 28. April mit dem Sicherheitsmobil des Polizeipräsidiums. Im Falle eines Diebstahls rät die Polizei, umgehend den Notruf zu wählen, damit eine sofortige Fahndung eingeleitet und die Anzeige direkt vor Ort aufgenommen werden kann.

Die Stadt Koblenz verweist auf ihre Zuständigkeit für die Infrastruktur. So wurde im März 2023 ein videoüberwachtes Fahrradparkhaus am Hauptbahnhof mit rund 220 Stellplätzen und 22 Einzelboxen eröffnet. Zudem habe man in den letzten vier Jahren rund 500 neue, vom ADFC zertifizierte Fahrradanlehnbügel für 1.000 Fahrräder im Stadtgebiet installiert. Weitere gesicherte Abstellanlagen im Rahmen sogenannter Mobilstationen seien in Planung, die Standortsuche im Zentrum gestalte sich jedoch aufgrund vielfältiger Interessenlagen schwierig.

Als Schutzmaßnahme empfiehlt die Polizei, mindestens zwei verschiedene, hochwertige Schlösser zu verwenden und das Rad immer an einem festen, stabilen Gegenstand anzuschließen. Mittlerweile gebe es sogar Schlösser, die gegen Winkelschleifer resistent seien, allerdings über 250 Euro kosten. Auch Alarmanlagen oder GPS-Chips können helfen. In Mehrfamilienhäusern sollten teure Räder nicht im Hausflur, sondern mit guten Schlössern gesichert im Keller abgestellt werden, wobei auch die Kellertür zusätzlich gesichert werden kann.

Auf der Seite polizei.rlp.de gibt die Polizei weitere Tipps zum Diebstahlschutz.