Seit mehr als zwei Jahren täglich im Einsatz: Wie ein 73-Jähriger in Koblenz hilft

Er ist in Koblenz mittlerweile eine kleine Berühmtheit: Günter Kohrt (73) fährt jeden Tag mit seinem Rad los, um Wohnungslose mit selbstgekochtem, abwechslungsreichem Essen zu versorgen. Was hinter seiner Geschichte steckt.

Seit mehr als zwei Jahren täglich im Einsatz: Wie ein 73-Jähriger in Koblenz hilft

Es ist 16:30 Uhr am Koblenzer Hauptbahnhof: Wie jeden Tag steht Günter Kohrt mit seinem Fahrrad auf dem Bahnhofsplatz und hat sein selbstgekochtes Essen im Gepäck. Seit Mitte August 2024 versorgt der 73-Jährige täglich wohnungslose und bedürftige Menschen am Hauptbahnhof und Zentralplatz mit warmen Mahlzeiten. Mit seinem auffälligen Pampasgras am Fahrrad ist er mittlerweile zu einer kleinen lokalen Berühmtheit geworden, viele Koblenzer reagieren positiv auf ihn.

Jeden Tag ein anderes Gericht

Die Idee zu seiner Aktion entstand, als Kohrt bemerkte, dass viele wohnungslose Menschen häufig nur Fast Food wie Pizza oder Döner aßen. Weil sie der Eintönigkeit überdrüssig seien, landeten Reste des Fast Foods seinen Beobachtungen zufolge nicht selten sogar im Müll. Er wollte deshalb für mehr Abwechslung und vor allem mehr Gemüse auf dem Speiseplan sorgen.

Heute freuen sich täglich rund 10 bis 14 Menschen auf die abwechslungsreichen Mahlzeiten wie Gemüsepaella mit Rosmarinkartoffeln und Parmesan. Mit einem Augenzwinkern behauptet Kohrt gegenüber Merkurist sogar, seit Beginn seiner Aktion am 17. August 2024 noch kein einziges Gericht zweimal gekocht zu haben. Sein Ziel ist dabei ganz einfach: „Wenn ich am Abend heimkomme, dass der Topf dann leer ist.“

Der gebürtige Norddeutsche hat schon früh seine Leidenschaft fürs Kochen entdeckt. Eine besondere Rolle spielte dabei das Restaurant seiner Eltern und ein handgeschriebenes Kochbuch seiner Urgroßmutter, das er einst erbte.

Günter Kohrt sucht dringend neuen Ort zum Kochen

Finanziert wird seine Aktion durch Spenden und das Leergut, das ihm vier Koblenzer Bars zur Verfügung stellen. Unterstützung erhält er zudem von der Tafel, die ihn zweimal wöchentlich mit Lebensmitteln versorgt, sowie von einem Restaurant, das ihm Nudeln spendet. Ein weiterer Gastronomiebetrieb übernimmt sogar das Spülen seines Geschirrs.

Doch nun steht die Hilfsaktion vor einer Herausforderung: Im Zusammenhang mit dem Abriss des „Maxims“ wird auch der Imbiss „Balduinbrücke“ betroffen sein, der Kohrt bislang kostenlos seine Küche zur Verfügung stellt. Günter Kohrt ist daher dringend auf der Suche nach einem neuen Ort, an dem er für die Bedürftigen kochen kann.

Wer Günter eine neue Kochmöglichkeit anbieten kann, wird gebeten, sich ausschließlich per SMS unter der Nummer 0160-99624022 zu melden. Finanzielle Unterstützung ist über sein Spendenkonto bei der Sparkasse Koblenz möglich (IBAN: DE86 5705 0120 0102 5699 28).