Millionenschaden: Zoll und Polizei Koblenz zerschlagen Schleuserring

Bundesweite Razzia auch in Hessen: Zoll und Polizei Koblenz heben eine Schleuserbande aus, die Arbeiter ausgebeutet haben soll. Der Schaden geht in die Millionen.

Millionenschaden: Zoll und Polizei Koblenz zerschlagen Schleuserring

Mit einem Großeinsatz sind Bundespolizei und Zoll am Mittwoch gegen eine mutmaßliche Schleuserbande vorgegangen. Wie die Bundespolizeidirektion Koblenz mitteilt, fanden bundesweit Durchsuchungen statt, unter anderem in Hessen. Die Bande soll Arbeiter nach Deutschland geschleust und im Reinigungsgewerbe ausgebeutet haben.

Rund 2.200 Einsatzkräfte von Bundespolizei und der Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zolls durchsuchten am Mittwoch insgesamt 104 Wohnungen, Firmen und Hotels in acht Bundesländern. Dabei vollstreckten sie auch zehn Haftbefehle.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Berlin richten sich gegen 23 Beschuldigte im Alter von 31 bis 59 Jahren. Sie sollen seit 2022 banden- und gewerbsmäßig Ausländer eingeschleust, Urkunden gefälscht und Sozialabgaben hinterzogen haben. Für die Untersuchung wurde die gemeinsame Ermittlungsgruppe „Purgatio“ (Anm. d. Red.: lateinisch „Reinigung/Säuberung“) gegründet.

Ausbeutung und gefälschte Papiere

Als Kopf der Bande gilt ein 50-jähriger Hauptbeschuldigter. Er soll gezielt Arbeitnehmer, unter anderem aus der Ukraine und Georgien, nach Deutschland geholt und sie bundesweit im Reinigungsgewerbe eingesetzt haben.

Dabei soll die Bande den Ermittlungen zufolge auch gefälschte Ausweise und Urkunden genutzt haben, um den illegalen Aufenthalt der Menschen zu ermöglichen. Die gezahlten Löhne sollen in einem „auffallenden Missverhältnis“ zur geleisteten Arbeit gestanden haben. Zudem sollen die Arbeitsbedingungen deutlich schlechter gewesen sein als bei deutschen Angestellten.

Millionenschaden und umfangreiche Beweise

Um die Taten zu verschleiern, nutzten die Beschuldigten offenbar ein komplexes System aus Scheinrechnungen und Subunternehmen. Firmen wurden mutmaßlich in kurzen Abständen gegründet und wieder aufgelöst oder verlegt, um Prüfungen durch Behörden zu umgehen. Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten ordnete die Sicherung von Vermögenswerten in Höhe von 106 Millionen Euro an.

Bei den Durchsuchungen stellten die Einsatzkräfte umfangreiches Beweismaterial wie Dokumente und Speichermedien sicher, das nun ausgewertet wird. Carsten Glade, Präsident der Bundespolizeidirektion Berlin, sprach von einem „Schlag gegen die mit Schleusungen verbundene banden- und gewerbsmäßige Arbeitsausbeutung“. Der Einsatz setze „ein klares Zeichen gegen die skrupellose Ausnutzung von Menschen in finanzieller Notlage.“ Die zehn festgenommenen Beschuldigten werden nun einem Haftrichter vorgeführt.