Mehr als 30 Jahre nach dem Mord an der US-Touristin Amy Lopez in Koblenz haben die Ermittler einen Tatverdächtigen festgenommen. Auf einer Pressekonferenz und in einer Mitteilung nannten Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch Details zu dem Durchbruch.
Bei dem Festgenommenen handelt es sich um einen 81-jährigen Deutschen, der am Montag in einem Seniorenheim im Raum Koblenz festgenommen wurde. Er befindet sich wegen des dringenden Tatverdachts eines heimtückischen Mordes zur Befriedigung des Geschlechtstriebs in Untersuchungshaft. Bei der Vorführung vor der Haftrichterin machte er von seinem Schweigerecht Gebrauch. Laut Staatsanwaltschaft ist der Mann bereits mehrfach einschlägig vorbestraft (1968, 1974, 1999) und verbüßte wegen einer Verurteilung eine siebenjährige Haftstrafe.
Zufällige Begegnung mit tödlichem Ausgang
Dem Mann wird vorgeworfen, am 26. September 1994 die 24-jährige Amy Lopez ermordet zu haben. Die junge Frau war auf Europareise und wollte an jenem Morgen die Festung Ehrenbreitstein besichtigen. Sie fuhr mit dem Stadtbus und wollte den Fußweg im Steilhang zur Festung nehmen. Dort traf sie vermutlich zwischen 9 und 10 Uhr zufällig auf den Täter. Im sogenannten General-von-Aster-Zimmer wurde sie sexuell missbraucht, stranguliert, mit einem Stein gegen den Kopf geschlagen und mit mehreren Messerstichen getötet.
1.600 Proben und eine freiwillige Speichelprobe
Der Durchbruch gelang der „Cold-Case“-Einheit der Polizei. Experten des hessischen Landeskriminalamtes untersuchten erneut die Kleidung des Opfers sowie Spurensicherungsfolien von damals. Dabei wurden rund 1.600 Proben präpariert und ausgewertet. An Hautschuppenfragmenten konnten schließlich DNA-Spuren gesichert werden, die vom Täter stammen mussten.
Der nun Beschuldigte war bereits 1999 wegen einer Sexualstraftat verurteilt worden und deshalb in den Fokus geraten. Ein Abgleich war damals aber nicht möglich, da es noch keine geeignete DNA-Spur aus dem Fall Lopez gab. Eine 1999 genommene DNA-Probe des Mannes war zudem zwischenzeitlich aufgrund gesetzlicher Fristen gelöscht worden. Im Januar 2026 wurde bei dem Mann auf freiwilliger Basis eine neue Speichelprobe entnommen. Diese führte zur eindeutigen Übereinstimmung. „Er hat sich nicht gemeldet, aber die Speichelprobe hat er freiwillig abgegeben. Warum er das gemacht hat, müssten Sie ihn persönlich fragen“, sagte Ermittlungsleiterin Simone Roeder. Der Verdächtige ist nicht die Person, die damals per Phantombild gesucht wurde.
„Solche Fälle werden nicht vergessen“
Leitender Oberstaatsanwalt Mario Mannweiler zeigte sich erleichtert: „Ich war in meinem Berufsleben selten so erleichtert.“ Er betonte: „Die unermüdliche Ermittlungsarbeit der Koblenzer Polizei dürfte einen wesentlichen Schritt zur Tataufklärung erbracht haben. Der Fall sollte allen deutlich machen, dass die Strafverfolgungsbehörden nicht ruhen, solange ein schweres Verbrechen unaufgeklärt ist. Solche Fälle werden nicht vergessen. Auch nach 32 Jahren nicht.“
Der Vater von Amy Lopez wurde per Videokonferenz über die Festnahme informiert. Die Ermittlungen dauern an, um die Tat zu rekonstruieren und schnell ein Strafverfahren einleiten zu können.