Nach Anschlag auf Tschernobyl-Reaktor: Koblenzer Firma vor Reparatur-Auftrag?

Die Schutzhülle des Tschernobyl-Reaktors wurde durch eine Drohne beschädigt. Eine Koblenzer Firma, die schon die Hülle lieferte, hofft nun auf den Reparatur-Auftrag.

Nach Anschlag auf Tschernobyl-Reaktor: Koblenzer Firma vor Reparatur-Auftrag?

Beim Schutz vor radioaktiven Partikeln in Tschernobyl könnte erneut Technik aus Rheinland-Pfalz zum Einsatz kommen. Das Koblenzer Unternehmen Kalzip ist in die Vorbereitungen für die Reparatur der beschädigten Schutzhülle eingebunden.

Wie Vertriebsleiter Christoph Schmidt der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sagte, habe die Firma der zuständigen Projektgesellschaft bereits mögliche Lösungen vorgestellt und ein Angebot abgegeben. Kalzip rechnet damit, in den kommenden Monaten einen Auftrag zu erhalten.

Das Koblenzer Unternehmen hatte 2016 bereits die große Edelstahlhülle geliefert, die seit rund zehn Jahren den zerstörten Reaktor überdeckt. Kalzip hatte damals direkt an der Baustelle produziert. Das ist heute nicht mehr möglich, da der Sarkophag nicht mehr zurückgeschoben werden kann.

Sofern der Auftrag Kalzip nun erneut erteilt wird, muss von Koblenz aus abgewickelt. Die gesamte Reparatur dürfte bis zu fünf Jahre in Anspruch nehmen. Die Schutzhülle wurde Anfang des vergangenen Jahres durch einen Drohneneinschlag beschädigt. Laut dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj handelte es sich dabei um eine russische Drohne.

Reparatur soll in zwei Stufen laufen

Nach Angaben von Schmidt soll die Reparatur in zwei Phasen ablaufen. Zuerst sei eine Übergangslösung geplant, um zu verhindern, dass Wasser in die Schutzhülle eindringt. Außerdem müssten zahlreiche kleinere Löcher geschlossen werden, die bei einem Feuerwehreinsatz entstanden sind. In einer zweiten, deutlich umfangreicheren Phase soll die radioaktiv beständige Membran ersetzt und die Konstruktion erneuert werden. „Die Lösung wird in den nächsten Jahren erarbeitet“, sagte Schmidt. Die Kraftwerksleitung schätzt die Kosten für eine umfassende Sanierung auf rund 500 Millionen Euro.

Ob das Projekt vorankommt, hängt laut Schmidt auch von der Finanzierung ab. Bundesumweltminister Carsten Schneider hatte 50 Millionen Euro aus Deutschland angekündigt. Schmidt sieht diese Summe zurückhaltend. „Aus meiner Sicht sind 50 Millionen Euro für die erste Stufe zu viel und für die zweite Stufe nicht ausreichend“, sagte der Kalzip-Vertriebsleiter der dpa. Schneider hatte bei einem Besuch am Reaktor erklärt, Deutschland werde Teil einer notwendigen internationalen Lösung sein und zeigte sich zuversichtlich, dass der Bundestag die Mittel bewilligt.