30 Jahre alter Mordfall in Koblenz: Das ist das „Zauberwort“ der LKA-Ermittler

Mehr als 30 Jahre nach dem Mord an Amy Lopez in Koblenz führt eine winzige DNA-Spur zu einem Tatverdächtigen. Ein Experte erklärt, wie moderne Technik alte Fälle lösen kann.

30 Jahre alter Mordfall in Koblenz: Das ist das „Zauberwort“ der LKA-Ermittler

Mehr als 30 Jahre nach dem Mord an der US-Touristin Amy Lopez in Koblenz hat eine DNA-Spur die Polizei zu einem Tatverdächtigen geführt (Merkurist berichtete). Spezialisten des Landeskriminalamtes (LKA) Hessen sind auf die Analyse winzigster Spuren spezialisiert und verhelfen so auch bei alten Fällen, sogenannten „Cold Cases“, zum Durchbruch. Wie auch im Fall Amy Lopez.

Im Fall der 1994 in Koblenz getöteten Amy Lopez war laut Staatsanwaltschaft eine DNA-Spur vom Hosenbund der damals 24-Jährigen entscheidend. Sie stimmte mit einer Probe überein, die ein heute 81-jähriger Mann erst vor Kurzem freiwillig abgegeben hatte, was zu seiner Festnahme führte. Der Beschuldigte hat sich zu den Vorwürfen bisher nicht geäußert (Merkurist berichtete).

Der Koblenzer Oberstaatsanwalt Mario Mannweiler zeigte sich nach dem DNA-Treffer erleichtert. „Ich war, das muss ich zugeben, nach Überwindung einer ersten Ungläubigkeit noch selten in meinem Berufsleben so erleichtert wie in dem Moment“, sagte er bei einer Pressekonferenz. Ein so lange ungeklärtes Verbrechen sei für Ermittler wie eine offene Wunde.

„Selektive Hautschuppenanalyse“ als Schlüssel zum Erfolg

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der sogenannten selektiven Hautschuppenanalyse, die so etwas wie ein Zauberwort der Ermittler ist. Harald Schneider, Molekularbiologe beim LKA Hessen, erklärt, dass dabei aus winzigen Hautpartikeln, die an Kleidung oder Tatwaffen haften, DNA isoliert werden kann. Diese Spuren sichern Ermittler an Tatorten oft mit speziellen Klebefolien. Lange Zeit war eine Auswertung unmöglich, doch die Technik hat enorme Fortschritte gemacht.

Die Auswertung ist eine „Fleißarbeit“, erläutert Schneider. Auf einer Klebefolie können sich hunderte Hautpartikel befinden, nicht nur vom Täter. Jedes einzelne Partikel muss per Hand unter dem Mikroskop für die Analyse vorbereitet werden. Dieser immense Aufwand wird nur betrieben, wenn die Aussicht auf Erfolg besteht und klassische Spuren wie Blut oder Haare fehlen.

Auch Fall Lübcke mit Methode aufgeklärt

Das Team um Harald Schneider war auch maßgeblich an der Aufklärung des Mordes am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke beteiligt. Damals wurde die Kleidung des Politikers aus dem Krankenhausabfall geholt und untersucht. Unter mehr als 2.000 Spuren fand sich eine einzige, die die DNA des späteren verurteilten Rechtsextremisten Stephan Ernst enthielt. Für Schneider war dies das „Aha-Erlebnis seiner Berufslaufbahn“. Er betont jedoch, dass eine DNA-Spur allein keinen Täter überführt, sondern zunächst nur ein Ermittlungshinweis ist.

Ein Problem für die Ermittler sind die Löschfristen in der seit 1998 existierenden DNA-Analyse-Datei. In der Regel werden Profile nach zehn Jahren gelöscht. „Für uns viel zu früh“, sagt Schneider. Im Fall Lübcke wäre die DNA des Täters nur ein Jahr später aus der Datenbank getilgt worden. Ohne die selektive Hautschuppenanalyse hätten hunderte Fälle nicht aufgeklärt werden können. Biologische Spuren können oft auch nach 40 oder 50 Jahren noch für eine Analyse geeignet sein, solange sie nicht verunreinigt sind.