In einer Vorlage für die Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses des Stadtrates hatte die Verwaltung bisher vier Personen genannt, die für die Wahl zur Nachfolge von Bürgermeisterin Ulrike Mohrs zugelassen sind. Das waren neben der aussichtsreichen CDU-Bewerberin Dagmar Kranz und dem Stadtratsmitglied Stephan Wefelscheid von den Freien Wählern zwei bisher in der Koblenzer Politik völlig Unbekannte. Zum einen der Koblenzer IT-Unternehmer Ralf Devant und zum anderen der iranische Staatsbürger Arian Tavasoli. In der ersten amtlichen Vorlage für den Stadtrat wurde Tavasoli noch als zugelassener Bewerber genannt.
Inzwischen muss die Stadt kleinlaut einräumen: Es sind nur noch drei Bewerber zugelassen – Tavasoli taucht in der Liste nicht mehr auf. Es heißt, bei einem Bewerber hätten die Wählbarkeitsvoraussetzungen der rheinland-pfälzischen Gemeindeordnung nicht vorgelegen. Klartext: Als Bürgermeister wählbar ist nur, wer Deutscher ist oder die Staatsangehörigkeit eines EU-Staates hat. Aber Tavasoli ist immer noch Iraner und damit unwählbar. Warum das der Stadt nicht aufgefallen ist, obwohl die Kandidaten die „üblichen Bewerbungsunterlagen“ vorlegen mussten, bleibt ein Rätsel.
Merkwürdige Bewerbung und abgelehnte Mitgliedschaft
Dazu kommt: Die Bewerbung Tavasolis müsste eigentlich zu Nachfragen beim Kandidaten geführt haben. Der Iraner hatte sich nach eigenen Angaben beworben, weil er drei Jahre als Paketzusteller in Koblenz gearbeitet hat. Deshalb empfinde er „alle Koblenzer als meine eigene Familie“. Zudem fühlte er sich irgendwie der AfD und gleichzeitig der CDU zugehörig. Die CDU im Kreis Koblenz hat inzwischen darauf hingewiesen, dass der Iraner zwar Ende Februar einen Mitgliedsantrag gestellt hatte. Dieser sei aber abgelehnt worden.
Seine Äußerungen klangen zudem ziemlich merkwürdig – um nicht zu sagen abstrus. Auf Merkurist-Anfrage hatte er unter anderem behauptet, bald „knapp 1 Million Euro“ zu erhalten. Das Geld wolle er AfD-Mitgliedern, den Koblenzern und Rentnern spenden.
Drei Kandidaten bleiben im Rennen
Bleibt abzuwarten, ob vor der Wahl am 26. März auch noch der zweite Unbekannte das Handtuch wirft. Der IT-Unternehmer Ralf Devant, der nach eigenen Angaben schwerbehindert ist, bezeichnet sich ebenfalls als CDU-Mitglied, fühlt sich aber eher der SPD zugehörig. „Meine politische Haltung ist geprägt von Pragmatismus und Lösungsorientierung“, sagte er auf Merkurist-Anfrage.
Er wolle „Verwaltungsprozesse nicht nur digitaler, sondern vor allem effizienter und bürgernäher“ gestalten. Vielleicht erkennt der selbsternannte Kandidat noch rechtzeitig, dass seine Wahlaussichten gleich Null sind.
Viel größer sind allerdings die Aussichten, dass die Verwaltung dem Stadtrat noch Rede und Antwort zur peinlichen Kandidatenposse bei der Bürgermeisterwahl stehen muss.