Droht in Koblenz das nächste große Verkehrschaos? Gerüchte über eine bevorstehende Sanierung der Europabrücke, womöglich zeitgleich zur Baustelle an der Pfaffendorfer Brücke, verunsichern viele Autofahrer. In einem Video klärt Dr.-Ing. Kai Mifka, Leiter des Koblenzer Tiefbauamts, nun über die tatsächlichen Pläne für die wichtige Verkehrsader auf.
Die Europabrücke und die anschließende B9 sind mit rund 100.000 Fahrzeugen täglich eine der wichtigsten Verkehrsachsen in Koblenz. Zuletzt verbreiteten sich Informationen über angebliche Baumaßnahmen, die für Verwirrung sorgten. „Hier ist es nun mal an der Zeit, die Fakten von den Gerüchten zu trennen“, stellt Mifka klar. Die wichtigste Nachricht für alle Pendler: Eine große Baustelle auf der Europabrücke zeitgleich zur Sanierung der Pfaffendorfer Brücke wird es nicht geben. „Das ist definitiv nicht der Fall“, sagt der Amtsleiter.
Zukunft der Brückenteile ist unterschiedlich
Um die Pläne für das Bauwerk zu verstehen, muss man wissen, dass die Europabrücke eigentlich aus zwei Teilen besteht. Der neuere Teil von 1974, der den Verkehr stadtauswärts leitet, ist laut Mifka in einem recht guten Zustand. Dennoch soll er für die nächsten 30 bis 40 Jahre fit gemacht werden. Dazu sind eine grundlegende Sanierung und eine statische Verstärkung nötig. Aktuell wird die Brücke neu berechnet, was etwa ein Jahr dauert. Die eigentlichen Bauarbeiten werden aber voraussichtlich erst nach der Bundesgartenschau 2029 beginnen. Die Kosten dafür schätzt die Stadt auf 15 bis 20 Millionen Euro.
Deutlich aufwendiger gestaltet sich die Lage beim älteren Brückenteil aus dem Jahr 1954, der den Verkehr stadteinwärts führt. Dieser sei der „statisch herausforderndere Teil“. Hier steht die Stadt vor einer grundlegenden Entscheidung: Kann die Brücke für weitere 20 Jahre saniert werden oder muss sie komplett neu gebaut werden?
Keine Baumaßnahmen in den nächsten Jahren
Um diese Frage zu klären, wird eine sehr aufwendige und teure Berechnung vorbereitet, die ebenfalls rund ein Jahr in Anspruch nehmen wird. Erst danach fällt die Entscheidung über das weitere Vorgehen. Für Autofahrer bedeutet das, erklärt Mifka, dass sich „erstmal ganz lange überhaupt nichts“ ändert. Selbst im Falle eines Neubaus würde allein die Planung Jahre dauern, sodass mit Bauaktivitäten frühestens in acht bis neun Jahren zu rechnen wäre.
Auch die ebenfalls notwendige Sanierung der Bundesstraße 9 zwischen der Europabrücke und dem Bauhaus steht nicht unmittelbar bevor. Die Planungen für das millionenschwere Projekt laufen zwar, mit einer Umsetzung rechnet das Tiefbauamt aber frühestens 2028. Wahrscheinlicher sei jedoch ein Termin nach der Buga 2029.
Hier geht es zum Video der Stadt Koblenz.