Letzte Rettung: Neues Schutzhaus für Mädchen in Not im Raum Koblenz eröffnet

Im Raum Koblenz bietet ein neues Schutzhaus Zuflucht für junge Frauen, die von Gewalt oder Zwangsheirat bedroht sind. Der Standort ist geheim, drei der acht Plätze sind bereits belegt.

Letzte Rettung: Neues Schutzhaus für Mädchen in Not im Raum Koblenz eröffnet

Im Raum Koblenz hat eine neue Schutzeinrichtung für junge Frauen eröffnet. Das teilt der Verein SOLWODI mit, der das Haus betreibt. Die Einrichtung richtet sich an Mädchen und junge Frauen im Alter von 16 bis 18 Jahren, die aufgrund von Gewalt, drohender Zwangsverheiratung, Menschenhandel oder sexueller Ausbeutung einen sicheren Ort benötigen.

Seit der Eröffnung am 1. September wurden bereits drei der insgesamt acht Plätze belegt. Das Haus bietet den Bewohnerinnen einen anonymen und sicheren Aufenthaltsort. „Der anonyme Schutzort ist entscheidend, weil die Bekanntgabe des Aufenthaltsorts meist zu einer erneuten Gefährdung führt. Gewalt gegen Frauen und Mädchen dabei ist kein Randphänomen“, sagt die Gesamtleiterin des SOLWODI-Standorts in Koblenz.

Ankommen und zur Ruhe finden

Die Aufnahme in das Schutzhaus erfolgt über die Jugendämter, die auch die Kosten übernehmen. Um die Sicherheit zu erhöhen, werden bewusst keine Mädchen aus der Region über das Jugendamt Koblenz aufgenommen. Zwar dürfen die Bewohnerinnen ihre Mobiltelefone behalten und zur Schule gehen, es gelten jedoch klare Regeln: Der Aufenthaltsort darf in sozialen Medien nicht erkennbar sein, Besuch ist nicht erlaubt.

Nach der Aufnahme steht zunächst die Stabilisierung im Mittelpunkt. Die ausschließlich weiblichen Mitarbeiterinnen klären, ob ärztliche oder therapeutische Hilfe notwendig ist. „Die Mädchen dürfen bei uns erst einmal ankommen. Sie haben alle ihre eigene, oft traumatische Geschichte“, erklärt die Hausleitung. „In den ersten Wochen geht es deshalb vor allem darum, dass sie Ruhe und Frieden finden und sich erholen können.“

Hohe Nachfrage nach Schutzplätzen

Ziel ist es, den jungen Frauen ein selbstständiges Leben zu ermöglichen. Eine Hauswirtschafterin unterstützt sie dabei, mit Geld umzugehen sowie beim Einkaufen, Kochen und Putzen. Die Nachfrage nach Schutzplätzen ist hoch. In den kommenden Wochen sollen weitere Mädchen einziehen. „Wir können keine Warteliste erstellen, weil es immer um Notfälle geht“, sagt die Gesamtleiterin. Für die Mädchen, die jedoch einen Platz erhalten können, ist das Haus ein wichtiger Schritt in eine sichere Zukunft.

Die Organisation „SOLWODI“ („SOLidarity with WOmen in DIstress/Solidarität mit Frauen in Not). wurde 1987 in Deutschland gegründet und setzt sich für Frauen mit Migrations- oder Fluchthintergrund ein, die Not und Gewalt erfahren haben. Bundesweit ist die Organisation an 18 Standorten vertreten. Sie bieten den Frauen psychosoziale Betreuung, organisieren medizinische und juristische Unterstützung und helfen bei der Wohnungs- und Arbeitssuche.