Was macht Deutschlands größtes Fachmarktzentrum so besonders? Von kleinen Handwerksbetrieben bis hin zu internationalen Konzernen, vom pulsierenden Stadtkern bis zu grenzenlosen Freizeit- und Kulturangeboten: Der Gewerbe- und Innovationpark Mülheim-Kärlich vereint Wirtschaftskraft und Lebensqualität.
Im Interview mit dem Vorsitzenden der Projektgemeinschaft, Axel Kargl sprechen wir über die Erfolgsgeschichte, die einzigartige Vielfalt und die Visionen für die Zukunft des Parks – und was ihn zu einem Magneten für die gesamte Region macht.
Sie sind Vorsitzender der Projektgemeinschaft des Gewerbeparks in Mülheim-Kärlich sowie Geschäftsführer der Kargl Büro- und Datentechnik GmbH, die ebenfalls hier ansässig ist. Gemeinsam mit dem gesamten Vorstand somit auch mitverantwortlich für die Entwicklung Parks. Geben Sie uns doch bitte zu Beginn ein kurzes Fazit zum Jahr 2024.
A. Kargl: Nach unseren Gesprächen innerhalb des Gewerbeparks mit Unternehmen und Entscheidern aus Einzelhandel, Dienstleistungen und Gewerbe war 2024 insgesamt positiv zu bewerten. Leider gibt es auch Branchen, die weniger positiv abschließen konnten, aber dennoch zufrieden sind. Unser Fazit hier in Mülheim-Kärlich ist jedoch insgesamt positiv.
Wie funktioniert die Struktur zwischen dem Vorstand und den Mitgliedern im Gewerbepark?
A. Kargl: Wir sind, wie Sie schon sagten, eine Projektgemeinschaft und verstehen uns daher nicht nur als Werbegemeinschaft, die Werbung für den Gewerbepark macht. Unser Ziel ist es, das Fachmarktzentrum zukunftsfähig weiterzuentwickeln – mit mehreren Ansätzen und auf verschiedenen Ebenen. Hierfür ist und war es immer wichtig, dass unser Vorstand eine Struktur beibehält, die aus Unternehmenspersönlichkeiten besteht, die im Gewerbeparkt ansässig sind. Diese Nähe zum Kunden fließt direkt in die zukünftige Entwicklung ein.
Der Gewerbepark spielt eine wichtige Rolle für die gesamte Region Mittelrhein sowie die Einzugsgebiete Mosel-Eifel, Westerwald, Nahe-Hunsrück und darüber hinaus. Wie definieren Sie Ihre Stellung für den Wirtschaftsraum im nördlichen Rheinland-Pfalz?
A. Kargl: Es ist uns wichtig, als Partner der Kommunen, Städte und Regionen in unserem Einzugsgebiet wahrgenommen zu werden. Das gemeinsame Ziel ist doch, die Region insgesamt zu stärken. Wir sind nur ein Rad in einem größeren Getriebe rund um das Gebiet Rhein-Mosel-Lahn-Ems. Natürlich sind wir ein attraktiver Anziehungspunkt und in unserer wunderschönen Region bekannt. Unsere Mit- und Wettbewerber befinden sich jedoch eher in der Rhein-Main-Region oder im Raum Köln, weniger in Koblenz, Andernach oder Neuwied. Diese Regionen stehen mit uns im Wettbewerb, sowohl im Bereich Tourismus als auch beim Einkaufserlebnis. Hier im nördlichen Rheinland-Pfalz bleibt uns gar nichts anderes übrig, als zusammenzuarbeiten und uns als kooperative Gemeinschaft zu positionieren.
Sie haben gerade schon eine kleine geografische Information gegeben. Wo wollen Sie noch stärker werden? Wo sind Ihre Kerngebiete, und in welchen Bereichen sehen Sie Potenzial zur Weiterentwicklung?
A. Kargl: Wie bereits festgestellt, sind wir eine Projektgemeinschaft, bei der der Einzelhandel und das Einkaufserlebnis der Besucher im Vordergrund stehen. In diesem Bereich sind wir sehr gut aufgestellt. Was jedoch die wenigsten wissen, ist, dass wir einige „Hidden Champions“ im Gewerbepark haben. So ist zum Beispiel I-Motion einer der größten Event-Veranstalter für elektronische Musik in Deutschland. Im Innovationspark finden sich Unternehmen wie die Hartkorn Gewürzmühle oder die Tomra Sorting GmbH, die weltweit Sortiermaschinen vermarktet, baut und installiert. Die Laserline GmbH fertigt Industrielaser, und auch Bier-Schneider, ein Getränkelogistiker und Großhändler, arbeitet vom Gewerbepark aus europaweit.
Wir sind also nicht nur auf den Einzelhandel beschränkt, sondern diversifizieren uns, um für innovative Unternehmen und Dienstleistungsunternehmen attraktiv zu bleiben. Diese Bereiche möchten wir weiter ausbauen, denn hier sehen wir Wachstumspotenziale.
Gibt es Förderprogramme oder Anreize für Unternehmen, die sich in Mülheim-Kärlich ansiedeln möchten?
A. Kargl: Wie bereits im Vorgespräch erwähnt, möchten wir den Gewerbepark sowohl in der Fläche als auch innerhalb der Bestandsimmobilien weiterentwickeln. Wir müssen eine gewisse Fluktuation von Unternehmen ausgleichen. Es gibt immer attraktive Förderprogramme von Bund und Land, und entsprechende Informationen geben wir an interessierte Unternehmen weiter. Die Umsetzung liegt jedoch bei den Unternehmen selbst.
Wir sind dankbar, dass die Verwaltung innerhalb der Verbandsgemeinde uns als Partner akzeptiert und unterstützt. Die Stadt Mülheim-Kärlich steht uns lösungsorientiert zur Seite, was nicht selbstverständlich ist.
Wie viele Arbeitsplätze werden durch die Unternehmen am Standort geschaffen, und spüren Sie den Fachkräftemangel?
A. Kargl: Der Fachkräftemangel ist ein großes Thema, sowohl im Einzelhandel als auch bei unseren „Hidden Champions“. Um dem entgegenzuwirken, veranstalten wir Job-Events, die sich zunächst auf unseren Standort und die dort ansässigen Unternehmen fokussiert. Wir heißen jedoch auch Unternehmen aus unserer direkten Nachbarschaft und darüber hinaus willkommen.
Rund 10.000 Angestellte arbeiten derzeit bei den etwa 600 Unternehmen am Standort Mülheim-Kärlich.
Welche Veranstaltungen sind für dieses Jahr geplant?
A. Kargl: Neben den verkaufsoffenen Sonntagen haben wir einige Überraschungen im Marketing- und Eventplan, die aktuell noch finalisiert werden. Natürlich veranstalten wir wieder die „Ladies Night“ und den „Herrenabend“, bei denen sich Teilnehmer anmelden können. Außerdem planen wir einen „Businessabend“, bei dem wir attraktive Speaker einladen oder namhafte Unternehmen besuchen. Letztes Jahr waren wir bei Tesla.
Welche Herausforderungen gibt es auf der Immobilienebene?
A. Kargl: Unsere Herausforderung ist es, die Bestandsimmobilien attraktiv für Investoren und Unternehmen zu halten. Ein gutes Beispiel ist der „Robert Ley Fashion Store“, der das gesamte Gebäude technisch und optisch auf den neuesten Stand gebracht hat.
Von der „grünen Wiese“ zum größten Gewerbe- und Innovationpark Deutschlands
Die Erfolgsgeschichte des Gewerbe- und Innovationparks Mülheim-Kärlich begann vor über 60 Jahren, als der damalige Bürgermeister Andreas Nickenig erstmals Industrieflächen im Bereich „Depot“ anbot. Was 1959 als kleines Industriegebiet geplant war, entwickelte sich durch visionäre Unternehmer wie Edmund und Arthur Pauken zu einem der bedeutendsten Wirtschaftsstandorte in Deutschland.
1967 legten die Brüder Pauken mit einer revolutionären Idee den Grundstein: Sie kombinierten Industrie und Handel und eröffneten mit dem Rhein-Mosel-Einkaufszentrum eines der ersten Shopping-Center in Rheinland-Pfalz. Die innovative Mischung aus Supermärkten, Warenhäusern und Fachmärkten setzte neue Maßstäbe und zog Menschen aus der gesamten Region an.
In den folgenden Jahrzehnten wuchs der Park stetig und entwickelte sich zu einer wirtschaftlichen Drehscheibe. Seit 1995 trägt er den Namen „Gewerbepark“, 2022 wurde er um den Zusatz „Innovationpark“ ergänzt. Heute ist der Standort Heimat für internationale Marktführer, innovative Start-ups und traditionelle Betriebe.
Doch der Gewerbe- und Innovationpark ist mehr als ein Wirtschaftsstandort: Mit regelmäßigen Veranstaltungen wie Gewerbepark-Festen und dem Martinsmarkt wurde er zu einem beliebten Anziehungspunkt für Familien und Freizeitliebhaber.
Die Zukunft des Parks bleibt vielversprechend: Neue Gewerbeflächen, moderne Infrastruktur und zukunftsorientierte Unternehmen sichern die Rolle des Gewerbe- und Innovationparks Mülheim-Kärlich als zentraler Motor für Wirtschaft und Innovation in der Region.
Die Fragen stellten Burkhard Hau und Marc Mutert