10 Jahre unter der Mainzer Neustadt

Ein Katalonier, eine Engländerin und zwei Südeuropäerinnen treffen sich in einem Keller: Sie alle sind Künstler und sind nach Mainz gereist, um Geburtstag zu feiern. Das Performance Art Depot in der Neustadt wird nämlich 10 Jahre alt.

10 Jahre unter der Mainzer Neustadt

Menschen zu Statuen erstarrt: Mit diesem Bild hat das Performance Art Depot am Donnerstag sein Geburtstagsprogramm eröffnet. Zehn Jahre gibt es das pad schon in der Mainzer Neustadt - oder wohl eher: darunter. Ist man einmal durch das kleine Zimmerchen an der Oberfläche hindurch, tut sich ein rund 600 Quadratmeter großer Keller auf. Alte Lagerräume wurden hier umfunktioniert und bieten Raum für ein großes Foyer und einen noch größeren Bühnenbereich.

Leichtsinn der Kindheit zurückholen

Bevor es los geht, sammeln sich am Donnerstag zunächst alle Gäste im Foyer. Es wird geplaudert und gelacht; die Stimmung wirkt ausgelassen. Besonders die Installation von Marie Brenneis im hinteren Teil des Raums zieht sofort viel Aufmerksamkeit auch sich: Ein Fenster in der Wand gibt den Blick auf eine blau gestrichene Kammer frei. Darin steht ein junger Mann mit Kopfhörern und tanzt zu der Musik, die nur er hören kann. Neben dem Fenster steht die englische Künstlerin selbst und unterhält sich mit der Freundin des Tänzers. Sie sind beide selbst nur Gäste und der Raum ist für jeden da, der Lust hat, sich den Leichtsinn seiner Kindheit zurückzuholen, sagt die Künstlerin.

Neben dem blauen Kämmerchen steht eine kleine Bühne. Auf ihr sind zwei Mikrofone bereitgestellt und zehn Minuten später stehen dahinter auch zwei Menschen. Nicht nur Nic und Peter strahlen von hier der Menge entgegen, auch ihre Outfits funkeln wild im Scheinwerferlicht. „Zehn Jahre, das hätten wir uns nie träumen lassen“, sagt Nic zur Einführung. Sie zeigen Bilder, wie die Lagerhallen damals noch ausgesehen haben: Kahle Wände und nackte Betonböden. Das hat kaum mehr Ähnlichkeit mit dem warmen Schein der Stehlampen, den Sofas, Hockern, Liegen und Sesseln, auf denen sich nun die Besucher fläzen. „Und wir haben uns damals jeweils nur 1000 Euro von unseren Müttern geliehen“, fügt Peter hinzu.

„Wir wissen selbst nicht, was uns die Künstler alles mitbringen.“ - Peter Schulz, pad

Alleine hätten sie es nie so weit geschafft und ein Großteil der Rede ist Ausdruck ihrer Dankbarkeit gegenüber allen freiwilligen und unfreiwilligen Helfern, den Kollegen und den Förderern. Außerdem stellen sie das Programm der nächsten Tage vor, soweit es geht: „Wir wissen selbst nicht, was uns die Künstler alles mitbringen. Das wird also nicht nur für die Zuschauer eine Überraschung“, erklärt Peter. „Bisher war aber alles von diesen Künstlern ausnahmslos ausgezeichnet.“

„Eins ist es hier nämlich nie: langweilig.“ - Marianne Grosse, Kulturdezernentin

Auch Kulturdezernentin Marianne Grosse ist zu Gast und hält eine kleine Rede. Sie ist froh, dass sich das pad in Mainz gehalten hat: „Eins ist es hier nämlich nie: langweilig.“ Danach verabschieden sich die Betreiber, um ein letztes Mal vor der Premiere mit den Darstellern zu proben. „Falls ihr Schreie und Rufe von nebenan hört, keine Sorge, das soll so“, scherzt Nic, bevor sie durch den Vorhang schlüpft.

„Falls ihr Schreie und Rufe von nebenan hört, keine Sorge, das soll so.“ - Nic Schmitt, pad

Die Show dauert anschließend ungefähr eine Stunde und was in eingefrorener Stille beginn, endet in heillosem Chaos. Die Zuschauer reagieren begeistert und ein zu Beginn noch skeptisch wirkender Mann lehnt sich sogar zu seiner Frau und murmelt: „Das war wirklich sehr gut!“ Sobald die Leute wieder im Foyer sind, rücken auch die Helfer an und fangen an die Bühne aufzuräumen. Denn für den ersten Abend wollen Schmitt&Schulz auch selbst noch vors Publikum. Hier erklären sich auch die funkelnden Outfits, denn zur Feier des Tages erstrahlt die Bühne (dank vielen Notdecken) in schillerndem Gold.

Am Samstag eröffnet der Abend um 19 Uhr, wieder mit be-have. Im Foyer ist auch die Installation der englischen Künstlerin Marie Brenneis über alle drei Abende aufgebaut. Am Samstag treten nach Schmitt&Schulz die Gastkünstler aus London, Portugal, Athen und Barcelona auf - allerdings mit einem Überraschungsprogramm. Der Einlass kostet an allen Abenden 10 Euro, ermäßigt immer 5 Euro. Samstag wird nach der letzten Veranstaltung außerdem die Bühne zur Tanzfläche und es soll bis in die frühen Morgenstunden gemeinsam gefeiert werden.

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