Leyser: Sensibilisierung der Bevölkerung in Klimadebatte erforderlich

Der aus Idar-Oberstein stammende Adrian Leyser ist Diplom-Meteorologe in der Vorhersagezentrale des Deutschen-Wetterdienstes. Im zweiten Teil unseres großen Porträts haben wir mit ihm über den Klimawandel gesprochen.

Leyser: Sensibilisierung der Bevölkerung in Klimadebatte erforderlich

In Deutschland erleben wir den zweiten „Hitzesommer“ in Folge, Temperaturrekorde wurden geknackt. Von diesen „Wetter-Einzelereignissen“ könne man nicht zwangsläufig auf den Klimawandel schließen, so Diplom-Meteorologe Adrian Leyser. Es sei jedoch sehr wahrscheinlich, dass es sich um ein kleines Puzzlestück des Gesamtbildes Klimawandel handele. Um diesen Prozess zu verstehen müsste man das Wetter Jahrzehnte lang beobachten und aufzeichnen, bis man Rückschlüsse auf die Klimaveränderungen ziehen könne. „Mit Beweisen ist es in der Natur, beim Wetter und auch beim Klima immer so eine Sache“, gibt der auf der Lay in Idar aufgewachsene Diplom-Meteorologe zu. Forscher seien zu keinem Zeitpunkt in der Lage, sowohl den aktuellen als auch den vergangenen Zustand der Erde vollumfänglich zu erfassen. „Beweisen kann man Theorien rund um den Klimawandel also nie“, konstatiert er.

Leyser: Menschgemachter Klimawandel ist Fakt

Das heiße aber nicht, dass der menschgemachte Klimawandel auf Grundlage von verlässlichen Messdaten und in Konsens der überwältigenden Mehrheit der Wissenschaftler nicht erwiesen sei. „Der menschgemachte Klimawandel, oder besser: Die vom menschlichen Handeln forcierte globale Klimaerwärmung ist ein Fakt“, betont Leyser. Klimaskeptiker betonen dagegen, dass Klima auf der Erde habe sich schon immer gewandelt, was Leyser erst einmal so bestätigen kann. „Ja, das Klima hat sich auf der Erde schon immer verändert, mal hat es sich erwärmt, mal abgekühlt“, erklärt er. Die seit der Industrialisierung stattfindende Erwärmung könne man aber nicht mehr alleine mit natürlichen Faktoren erklären, da sie sich zum einen so schnell und zum anderen auch global nahezu lückenlos wie noch nie zuvor in der Erdgeschichte vollziehe. „Der Zusammenhang mit der Zunahme des CO2-Gehalts in der Atmosphäre durch Emissionen und der Erwärmung ist erwiesen“, macht der Wettermoderator des DWD deutlich. Es wäre vermessen zu argumentieren, dass das umfängliche menschliche Handeln folgenlos für die Atmosphäre sei.

Beim Klima geht es nur noch um Schadensbegrenzung

Maßnahmen könnten nur dazu dienen, den Erwärmungstrend im Zaum zu halten, ihn zu stoppen sei erst einmal unmöglich. Dabei helfen könne die Reduktion klimarelevanter Treibhausgase wie CO2, bei gleichzeitigem Ausbau oder Erhalt natürlicher Senken. Leyser nennt da beispielsweise Naturbestandteile wie Pflanzen und Meere, die Treibhausgase binden und aufnehmen. Zudem sollte in allen Bereichen an der Energieffizienz gearbeitet werden, insbesondere bei Gebäuden, in der industriellen Produktion, bei Haushaltsgeräten und „natürlich auch bei Kraftfahrzeugen“. In der Forst- und Landwirtschaft müsse nach Möglichkeit auf Abholzung und Brandrodung verzichtet sowie auf bodenschonende Bewirtschaftung geachtet werden.

„Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, von denen jedoch viele ökonomisch problematisch sind“, analysiert Leyser die komplizierte Lage. Er könne die Skepsis gegenüber vielen Maßnahmen im Zuge des Klimaschutzes nachvollziehen. „Aber“, ergänzt er: „Die Auswirkungen des Klimawandels werden uns auf lange Sicht betrachtet sicherlich teurer zu stehen kommen, als die Maßnahmen gegen eben jenen.“ Er verlangt, Strategien zu entwickeln, die das Volk in Bezug auf den Klimawandel und dessen Gefahrenpotenzial aufklären und für die Dringlichkeit der Gegenmaßnahmen sensibilisieren. „Das ist mindestens genau so wichtig, wie das eigentliche Forschen nach Gegenmaßnahmen“, findet Leyser.

Es gibt laut dem Meteorologen jedoch jetzt schon einfache Maßnahmen, die jeder ergreifen könne, um das Klima zu schonen:

- Energiesparende Geräte kaufen

- Energiesparlampen verwenden

- Dusche statt Vollbad

- Raumtemperatur um ein Grad senken (spart mindestens 4% Energie)

- Kochen mit Topfdeckel

- Im Winter nur Stoßlüften

Auch beim Konsumverhalten lässt sich mit diesen Maßnahmen das Klima schonen:

- Saisonale und regionale Produkte kaufen (Transport und Lagerung exotischer Produkte verursacht große Treibhausgas-Emissionen)

- Konsum tierischer Produkte reduzieren

- Öffentliche Verkehrsmittel nutzen

- Flugreisen minimieren

- Carsharing

Lest im ersten Teil unseres großen Porträts mit Wettermoderator Adrian Leyser, wie sein Job im Ernstfall Leben retten kann, warum er schon im Kindergarten "der kleine Wetterfrosch“ war und ob er auch die Moderation bei einem größeren Fernsehsender in Erwägung zieht:

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