„Die reine Faszination der unbändigen Naturgewalten“

Der aus Idar-Oberstein stammende Adrian Leyser moderiert beim Deutschen Wetterdienst als „Wetterfrosch“ die Vorhersage. Im ersten Teil unseres Porträts haben wir mit ihm über seinen Werdegang und die Herausforderungen als Meteorologe gesprochen.

„Die reine Faszination der unbändigen Naturgewalten“

Adrian Leyser kommt aus einer „klassischen“ Idar-Obersteiner Familie. Sowohl sein Vater Albert als auch seine Mutter Carla erlernten in der in der Stadt gut bekannten Edelsteinbranche den Beruf des Edelsteinkaufmanns/frau. In die Fußstapfen seiner Eltern wollte der auf der Lay aufgewachsene Adrian dann aber doch nicht treten.

„Der Wunsch Meteorologe zu werden, ist so alt wie meine ältesten Kindheitserinnerungen“, erinnert sich Leyser. Schon im Kindergarten „Flachsspreite“ wurde er von seinen Erzieherinnen „der kleine Wetterfrosch“ getauft und versuchte sich zu Grundschulzeiten, an - wie er selbst zugibt - damals noch wenig fundierten Wettervorhersagen. „Am Anfang war es die reine Faszination der unbändigen Naturgewalten“, beschreibt der Diplom-Meteorologe seine Leidenschaft. Naturphänomene wie das Wetter seien einige der wenigen Dinge, auf die der Mensch - der sich sonst herausnehme, alles nach seinen Vorstellungen zu verändern - keinen Einfluss habe. „Das ist es, was mich ungemein fasziniert.“

Psychisch wie physisch fordernde Arbeit

Im Laufe der Zeit entwickelte sich dieses Interesse auch in den wissenschaftlichen Bereich hinein. „Ich wollte wissen, warum es stürmt oder schneit“, erklärt Leyser, „und warum die Gewitter bevorzugt über dem Hunsrückkamm entstehen und nicht über meinem damaligen Wohnhaus in Idar, wie ich es mir oft gewünscht habe.“ Er verhehlt nicht, dass auch praktische Gründe eine Rolle gespielt haben, der Beruf habe Zukunft, da die Wettervorhersage wohl immer ein Forschungsgegenstand bleibe. „Sie ist weder so präzise, wie es gerade der nach Perfektion sehnende Deutsche fordert, noch kann sie durch Automaten vollends ersetzt werden“, beschreibt Leyser die Bedeutung der Vorhersage.

Nach seinem Studium in Karlsruhe, das der ehemalige Schüler des Heinzenwies-Gymnasiums mit Diplom abschloss, ging es für ihn zum Deutschen Wetterdienst. Dort arbeitet er nun als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Vorhersage- und Beratungszentrele im Nationalen Warnzentrum des DWD in Offenbach. „Auf den ersten Blick klingt das nach einem typischen Bürojob“, wirft Leyser mit einem Augenzwinkern einen Blick auf seine Berufsbezeichnung. „Bei genauerem Hinsehen stellt er sich aber als sehr vielfältige, sowohl psychisch als auch physisch fordernde Arbeit heraus.“

Entscheidungen können im Ernstfall Leben retten

Zu seinen Kernaufgaben zählt das Warnmanagement, bei dem er in einem 24-stündig besetzten Schichtbetrieb vor 10 Bildschirmen sitzt, die in pausenlos mit Daten aus der ganzen Welt überfluten. „Beim Wetter funktioniert der globale Austausch im Gegensatz zur Politik immer reibungslos“, lacht Leyser. Der Diplom-Meteorologe gleicht die Messungen mit den Berechnungen der Wettermodelle ab, fügt diese zu einem Bild zusammen und erstellt daraus die „wahrscheinlichste“ Vorhersage.

„Im Falle eines erwarteten, potenziell gefährlichen Ereignisses, gebe ich eine Warnung heraus“, so Leyser über den Ablauf im Falle eines bevorstehenden Unwetters. Dazu stehen neben seinen zehn Bildschirmen noch zwei Telefone parat, an denen er im Falle einer Extremwetterlage schon einmal pausenlos mit Mitarbeitern des Katastrophenschutzes oder der Feuerwehr in Kontakt steht. „Gerade im Unwetterfall heißt es kühlen Kopf bewahren“, schildert Leyser die Ausnahmesituation. Es sei immer wieder herausfordernd, in großen Drucksituationen verantwortungsbewusst Entscheidungen zu treffen, die im Ernstfall Leben retten könnten.

Zudem rückt beim ehemals für den ITV als Schwimmer und den TV Vollmersbach als Tennisspieler aktiven Leyser auch der Mediendienst in den Fokus. Dort gilt es Beispielswiese die komplexen Inhalte allgemeinverständlich in erläuternde Texte für die Deutsche-Presse-Agentur zu packen. „Darüber hinaus klinglen durchaus regelmäßig Radio- und Fernsehstationen für ein Interview durch“, erklärt Leyser die Gefragtheit eines Meteorologen. Ein O-Ton eines „Experten vom Wetterdienst“ werde immer gerne genommen, vor allem wenn ein Wetterthema mal wieder „en vogue“ sei oder irgendwo etwas Erwähnenswertes passiere. Zudem betreut er auch die Social-Media-Kanäle in Zusammenarbeit mit der Presseabteilung und erstellt in einzelnen Fällen eigene „Unwetterclips“ im eigenen Fernsehstudio. „Man merkt schon: Unwetter heißt viel Arbeit“, schließt Leyser ab, der Umkehrschluss „kein Unwetter - keine Arbeit“ treffe aber nicht zu, da alle seine Kollegen noch in diversen Forschungsgruppen unterwegs seien.

Nach kaltem TV-Wasser hat Leyser „Blut geleckt“

Oder er steht eben vor der Kamera und präsentiert für den DWD als klassischer „Wetterfrosch“ die Vorhersage. „Eigentlich habe ich mich eher als Meteorologe hinter der Kamera gesehen“, gesteht der ehemalige Heinzenwies-Schüler. Er sei sprichwörtlich ins kalte Wasser geworfen worden, habe aber mittlerweile in den „wahrlich rauen Gewässern der TV-Landschaft“ das Seepferdchen gemacht, indem er gute und „auch sehr schlechte“ Erfahrungen gesammelt und regelmäßig ein Moderationstraining bei der TV-Wetterfee Inge Niedeck absolviert habe. „Das allgemeine Unwohlsein vor der Kamera ist somit passé!“, so Leyser.

Bei einem größeren Fernsehsender sieht er sich deshalb aber vorerst nicht. „Ich habe beim DWD meinen absoluten Traumjob, gehe - fast immer - mit einem Lächeln zur Arbeit“, zeigt sich der Idarer zufrieden. Er sehe derzeit keinen Grund daran etwas zu ändern, auch wenn er - gerade nach den Erfahrungen der letzten Jahre vor der Kamera - ein klein wenig „Blut geleckt“ habe.

Lesen Sie hier im zweiten Teil des großen Porträts von Adrian Leyser, warum der menschengemachte Klimawandel erwiesen ist, wo der Unterschied zu vergangenen Änderungen des Klimas liegt und was wir als Einzelpersonen tun können, um unseren Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.

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