Idar-Obersteiner meistert Elite-Universität in Stanford

Ayush Jain hat im Juni seinen Abschluss an der berühmten Stanford University in Kalifornien absolviert. In diesem Interview berichtet er über seine Zeit an der Westküste der USA und seine Jugend in der Region, die ihn bis heute geprägt hat.

Idar-Obersteiner meistert Elite-Universität in Stanford

Was hat Dich zum Umzug ins Silicon Valley und nach Stanford bewegt?
„Mir wurde während meiner Schulzeit und des Studiums schon früh bewusst, dass digitale Technologien unsere Gesellschaft und unsere Industrie maßgeblich verändern werden. Ich wollte gerne aktiv an diesem Wandel mitwirken, anstatt nur in den Nachrichten darüber zu lesen. Viele Produkte, die wir heute in unserem Alltag verwenden, haben ihren Ursprung in Stanford. Google, Nike, Instagram, WhatsApp, YouTube, Netflix, LinkedIn und Expedia wurden alle von Stanford-Studenten gegründet. Für mich war es daher schon lange ein Ziel, an dieser Universität zu studieren.“

Vor kurzem hast du dein Masterabschluss in Business Administration hinter dich gebracht. Was macht das Studium in Stanford so besonders?
„Das MBA-Studienprogramm war beeindruckend. Meine Kommilitonen hatte alle ca. 3-6 Jahre Berufserfahrung und waren bereits äußerst erfolgreich. Sie kamen aus über 70 Ländern und ganz unterschiedlichen Berufsfeldern. Plötzlich schien mir die Welt viel kleiner und zugänglicher. Wann immer ich etwas Neues über ein Land oder eine Industrie lernen wollte, rief ich einfach einen meiner Kommilitonen an. In Stanford hatte ich zudem die Gelegenheit, an Kursen der weltbesten Professoren teilzunehmen. Hier kommen auch häufig ehemalige Studenten zu Wort, die heute große Unternehmen leiten. Die Technologie-Welt aus der Perspektive dieser Vordenker zu verstehen war faszinierend und hat auch mein professionelles Netzwerk sehr bereichert.“

Mit einer Annahmequote von knapp 5% und ca. 2-3 Studierenden aus Deutschland jedes Jahr hat die Stanford Business School die schwierigsten Zulassungskriterien weltweit. Wie hast Du es geschafft, angenommen zu werden?
„Ich habe als Investment Banker viele ambitionierte und intelligente Kollegen kennengelernt. Mein Empfehlungsschreiben für Stanford wurde schließlich von meinen Mentoren bei J.P. Morgen geschrieben. Neben den Empfehlungen, musste ich auch Mathe- und Logik-Tests ablegen, mehrere Bewerbungs-Essays schreiben und durch Bewerbungsgespräche gehen. Es war ein langer Prozess und ich werde den Tag nie vergessen, als ich in meinem Büro in Frankfurt saß und den Anruf aus Stanford erhielt. Mein Traum wurde Realität.“

Du hast alle diese Technologie-Unternehmen erwähnt, die in Silicon Valley gegründet wurden. Was macht diesen Ort so besonders?
„Ich hatte das Glück in den zwei Jahren viele von diesen Gründern zu treffen und zu verstehen, was das Silicon Valley so besonders macht. Da ist zum einen das Technologie-Talent. Die Dichte von jungen und intelligenten Menschen ist in San Francisco und dem angrenzenden Silicon Valley sehr hoch. Viele Studenten der hier ansässigen Elite-Universitäten bleiben hier und werden von großen Tech-Unternehmen wie Google und Facebook übernommen und weitergebildet. Auf der anderen Seite ist da die Denkweise dieses Talents. Hier gibt es unzählige hochmotivierte Menschen, die nicht nur Probleme für ihre Stadt oder ihr Land lösen möchten, sondern die ganze Welt verändern wollen. Manche möchten die Auto-Industrie durch autonomes Fahren neu erfinden, andere arbeiten an 3D-gedruckten Fingernägeln um die Kosmetikbranche zu verändern. Wieder andere erfinden neue Methoden um den Security Check am Flughafen zu verbessern. All dies ist nur möglich, weil die Kultur es hier erlaubt, zu scheitern und es wieder und wieder zu versuchen. Das alles ist natürlich nicht ohne Kapital möglich, was im Silicon Valley durch die unzähligen Technologie-Investoren bereit gestellt wird.“

Das klingt alles sehr spannend. Gibt es etwas, was Dir am Silicon Valley nicht gefällt?
„Das grundsätzliche Ziel von Digitalisierung sollte sein, die Arbeit in Unternehmen zu vereinfachen und auch die Gesellschaft zu verbessern. Von den Vorteilen der Digitalisierung profitieren jedoch meist nur diejenigen, die das Geld haben, in die neuen Technologien zu investieren. Konzerne wachsen dadurch schneller und kleinere Unternehmen bleiben auf der Strecke. Dadurch kommt es immer häufiger zu flexiblen Beschäftigungsmodellen wie bei Uber, das seine Fahrer lediglich pro Fahrt bezahlt und auf eine umfängliche Sozialversicherung verzichtet. Da muss die Politik zusammen mit den Unternehmen eine Lösung finden. Hinzu kommt, dass Künstliche Intelligenz in Zukunft immer mehr Prozesse von menschlichen Arbeitskräften übernehmen wird. In solchen Fällen müssen wir vorsichtig sein, dass niemand um seine Arbeit bangen muss. Im Silicon Valley wird hierauf noch nicht viel Wert gelegt. Tim Cook, CEO von Apple, hat es in seiner Absolventen-Rede an meine Stanford-Klasse auf den Punkt gebracht: `Bevor ihr Verdienste in Anspruch nehmt, stellt sicher, dass ihr euch euren Verantwortungen bewusst seid.´ Und noch etwas: Viele Menschen, die nicht in der Tech-Branche arbeiten, können sich das Leben hier in der Gegend aufgrund der hohen Mietpreise nicht leisten. Palo Alto ist von der Einwohnerzahl vergleichbar mit Idar-Oberstein und Umgebung, jedoch sind die Mietpreise 20 mal höher. Ich wünschte die Kluft zwischen Arm und Reich wäre nicht so extrem.“

Was würdest Du jungen Menschen in unserer Region nach so vielen Jahren im Ausland und vielen interessanten Erfahrungen empfehlen?
„Mein erster Rat ist, dass sie die Bereitschaft und den Willen zeigen müssen, fleißig zu sein. Richtig gescheitert ist man erst, wenn man die Dinge erst gar nicht anpackt. Viele Vorteile unserer Region sind mir erst bewusst geworden als ich schon ausgezogen war. Wir haben gebührenfreie Schulen und Universitäten. Wir haben kurze Verkehrswege innerhalb unserer Region und einen guten Anschluss zu Großstädten in Deutschland und Europa. Wir lernen sehr früh Englisch als erste Fremdsprache. Wenn jemand von uns etwas Großes erreichen möchte, dann ist es absolut möglich. Zudem ist es wichtig, Mentoren zu haben, die durch ihre Erfahrung gute Ratschläge geben können. Ich habe mein erstes Finanz-Praktikum machen können, weil mir jemand in Idar-Oberstein geholfen hat, mich mit jemanden in Frankfurt zu verbinden. Bei meiner Stanford Bewerbung habe ich sehr viele Ratschläge von meinen Schwestern erhalten, die auch im Silicon Valley wohnen und arbeiten. Mentoren zu haben ist sehr wichtig und ich bin jedem meiner Mentoren sehr dankbar.“

Vermisst Du Idar-Oberstein manchmal?
„Ja, ich vermisse es sehr oft, weshalb ich versuche, ab und zu nach Hause zu fliegen. Ich freue mich immer, von meinen Eltern bekocht zu werden, mit meinen Freunden über alte Schulzeiten zu sprechen oder einfach ein wenig zu entspannen. Wann immer ich in Idar-Oberstein bin wird mir klar, dass ich zwar viele akademische Dinge im Ausland gelernt habe, aber dass ein Großteil der Charakterbildung in der Kindheit und Jugend stattfindet. Daher trage ich meine Heimat immer mit mir und fühle mich ihr noch immer sehr verbunden. Am Tag unseres MBA-Abschlusses, veröffentlichte die Universität eine Liste aller Absolventen mit dem Namen ihrer Heimatstadt. Ich war besonders stolz Idar-Oberstein zwischen all den Großstädten der Welt - New York, Los Angeles, Shanghai, Sao Paulo, Tokyo - zu sehen!“

Was sind Deine Pläne nach dem Studium?
„Ich bin immer noch am Anfang meiner Karriere und habe mir viele Ziele gesetzt. In den nächsten Jahren werde ich als Technologie-Investor in schnell wachsende, ehrgeizige und spannende Startups in Europa und USA investieren. Es macht mir unglaublich viel Spaßmit Gründern an ihrer Mission zu arbeiten, vor allem wenn sie versuchen die Welt positiv zu verändern. Langfristig möchte ich mich dafür einsetzen, dass die Digitalisierung mit Verantwortung gegenüber unserer Gesellschaft vorangetrieben wird und dass wir weiterhin in einer vielfältigen Gesellschaft zusammenleben können, um Erfolge gemeinsam zu feiern und Probleme gemeinsam zu lösen.“

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