Mehr Tiefschläge als Lichtblicke

Eine turbulente Saison im Fußballkreis Birkenfeld ist mit dem verpassten Aufstieg des VfR Baumholder gegen Basara Mainz zu Ende gegangen. Schaut man sich die Bilanz unserer Vereine an, muss man ein negatives Fazit fällen.

Mehr Tiefschläge als Lichtblicke

Oberliga

Ein Verein wie der SC Idar-Oberstein darf aus der Oberliga absteigen. Das ist keine Schande. Die Art und Weise wie das Aushängeschild des Kreises sich jedoch in dieser Saison präsentiert und letztlich sang- und klanglos aus dieser Liga verabschiedet hat, sollte bedenklich stimmen. Die nackten Zahlen reichen allein um zu verdeutlichen, welch sportliche Misere sich im Haag in dieser Saison abgespielt hat. 18 Punkte aus 34 Spielen, lediglich viermal verließ man als Sieger den Platz. Aufstiegstrainer Murat Yasar musste kurz vor der Winterpause mit einem Punkteschnitt von 0,75 seinen Hut nehmen, Uwe Hartenberger übernahm, um den Verein irgendwie in der Klasse zu halten. Daraus wurde nichts, in 18 Spielen gab es lediglich einen Sieg, im Jahr 2019 keinen einzigen. 0,33 Punkte bewegen sich beispielsweise in einer Kategorie mit dem schlechtesten Bundesliga-Absteiger aller Zeiten, Tasmania Berlin, der in der Saison 65/66 auf die Drei-Punkte-Regel umgerechnet 0,29 Punkte pro Spiel holte.

Noch nachdenklicher als das sportliche Auftreten sollte die Vereinsverantwortlichen stimmen, dass unzählige Spieler den SC verlassen, die den Verein über Jahre hinweg geprägt haben (Thom, Forster, Kaucher, Gonscharik,...) sowie dass junge Talente wie Marius Gedratis ihm den Rücken kehren oder noch kehren wollen (Danny Lutz). Dass die Mehrzahl der Abgänge - teils öffentlich, teils hinter vorgehaltener Hand - Kritik an den Verantwortlichen äußert, sollte sich jeden hinterfragen lassen.

Im Haag steht ein gigantischer Umbruch bevor, den es gut zu moderieren gilt – dabei als Ziel den direkten Wiederaufstieg auszurufen, wäre vermessen.

Landesliga

In der Landesliga haben ausnahmslos alle Vereine des Kreises Lob verdient. Der VfR Baumholder hat eine bockstarke Saison gespielt und ist in der Liga hinter der unerreichten SG Meisenheim souverän als Zweiter ins Ziel eingelaufen. In den Aufstiegsspielen war Basara Mainz eine Nummer zu ausgefuchst, doch wer die Entwicklung dieser Mannschaft über die letzten Jahre verfolgt hat, kann sich sicher sein, dass sie nächste Saison wieder angreifen wird. Trainer Sascha Schnell hat über die Jahre eine Einheit geformt, die spielerisch zu überzeugen weiß und einzelne Ausfälle und Wechsel jederzeit kompensieren kann. Die verpasste Chance in den Aufstiegsspielen wird irgendwann als notwendige Negativ-Erfahrung auf dem Weg in die Verbandsliga verbucht werden können.

Mit einem sagenhaften Endspurt mit fünf Siegen in den letzten fünf Spielen hat sich die SG Hoppstädten/Weiersbach noch auf Platz sieben in der Tabelle katapultiert und in einer starken Rückrunde sowohl den Dritten als auch Fünftplatzierten der Landesliga geschlagen. Eine Saison-Leistung, die für den Aufsteiger noch höher einzuordnen ist als die letztjährige Meisterschaft in der Bezirksliga. Mit diesen Steher-Qualitäten wird die SG noch länger ein Bestandteil der Liga bleiben.

Dass der SC II unbescholten die Klasse hält, ist angesichts der desaströsen Saison der 1. Mannschaft umso höher einzuschätzen. Wie Tomasz Kakala Woche für Woche einen sich ständig wechselnden Kader auf die Gegner eingestellt und dabei noch spielerisch guten Fußball geboten hat, ist bemerkenswert. Mit der Teilnahme an der Deutschen-Futsal-Meisterschaft hat sich die Mannschaft dabei eigens ein außergewöhnliches Highlight erarbeitet. Aber auch dort verlassen mit Schupp, Wenzel und Norvell langjährige Bestandteile die Mannschaften. Spielerisch haben die jungen Nachrücker schon gezeigt, dass sie die Landesliga drauf haben, jetzt müssen sie auf dem Platz auch vermehrt Führungsrollen übernehmen.

Bezirksliga

Der Abstieg des Bollenbacher SV wurde durch das Scheitern des VfR Baumholder in den Aufstiegsspielen zur Verbandsliga besiegelt und geriet damit fast zur Randnotiz. Die Talfahrt in der Rückrunde wurde am letzten Spieltag vollendet, als der Verein erstmals in der Saison auf den 16. Platz rutschte, der nicht mehr für den Klassenerhalt reichen sollte. So bitter der Verlauf war, sollte man nicht den Fehler machen, den Abstieg als unglücklichen Betriebsunfall abzustempeln, da es auch in einer starken A-Klasse schwer werden dürfte, diesen direkt zu korrigieren.

Mit dem BSV geht auch der FC Hohl eine Etage tiefer, während sich der TuS Mörschied am Ende souverän aus der Affäre Abstiegskampf gezogen hat. Lichtblick FC Brücken auf Platz drei kann auch nicht kaschieren, dass selbst der stärkste Birkenfelder Verein in einer von Kreuznacher Mannschaften dominierten Liga nie wirklich dauerhaft im Rennen um die ersten zwei Plätze mitmischen konnte. Zwischen einer in der kommenden Saison von Derbys gespickten A-Klasse und einer Landesliga, in der alle Birkenfelder Vertreter Spaß machen, wird die Bezirksliga noch mehr an Attraktivität verlieren und immer mehr zur besseren Kreuznacher Kreisliga.

A-Klasse

Neben dem 100-jährigen Vereinsjubiläum hat der SC Birkenfeld auch die Meisterschaft feiern dürfen und ist damit aufgestiegen – in eine Liga des sportlich höheren Reizes, nun aber auch ohne die besonderen A-Klasse Derbys und wenig Kreisvertretern. Die Mannschaft muss zeigen, dass sie aus der missglückten Abstiegs-Saison 17/18 gelernt hat und nun wirklich bezirksligatauglich ist. Auf Platz zwei bestätigte der SV Niederwörresbach die Regel, dass Vertreter des Kreises in Aufstiegsspielen meistens den Kürzeren ziehen. Gegen Veldenzland war man über weite Strecken chancenlos. Auch dadurch mussten gleich vier Mannschaften aus der A-Klasse den Gang in die B-Klasse antreten, darunter der TuS Tiefenstein um Timmy Lorenz, der es am letzten Spieltag nicht geschafft hat, bei der schon abgestiegenen Spvgg Hochwald zu punkten.

Fazit:

Für die A-Klasse sind die Abstiege des FC Hohl und des BSV ein Mehrwert, darf man sich nächste Saison auf noch mehr spannende Derbys freuen. Aus rein sportlicher Sicht sollte man jedoch so viele Vereine wie möglich eine Etage höher etablieren, um auf Dauer mit den Teams aus dem Kreis Bad Kreuznach konkurrenzfähig zu bleiben.

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