71 Stunden auf dem Sattel: In 14 Tagen von Koblenz nach Barcelona

Unser Fotograf Marius Franzmann ist gemeinsam mit seinem Kumpel Jonas nach Barcelona gefahren. Mit dem Fahrrad. 1600 Kilometer in zwei Wochen: Das war für die beiden ungeübten Radler dann doch eine besondere Herausforderung.

71 Stunden auf dem Sattel: In 14 Tagen von Koblenz nach Barcelona

Was macht man, wenn man den Urlaub etwas herausfordernder gestalten möchte und dem Strom der Pauschaltouristen und Kreuzfahrtreisenden entgehen will? Man fährt einfach mit dem Fahrrad von Koblenz bis nach Barcelona. Dachten sich zumindest Marius und Jonas. Wird schon nicht so schwer sein, Fahrradfahren verlernt man ja schließlich nie. So grob 100 Kilometer pro Tag werden ja bestimmt drin sein, dachten die beiden. Ein Blick auf Google Maps genügte: Damit kommt man in zwei Wochen bis nach Barcelona. Abfahrt also.

Los ging es - etwas verunsichert, ob das tatsächlich alles so einfach wird - an einem Montagmorgen in Richtung Süden. Nach zwei Stopps in Mainz und Germersheim bei Speyer war es dann Marius, der es bereute, nach drei Jahren seine dritte Fremdsprache in der Schule abgewählt zu haben. In Frankreich angekommen, kamen die beiden mit Deutsch oder Englisch nämlich nicht allzu weit.

Dafür lief es auf dem Rad ganz gut. Das Team war eingespielt. Führungswechsel nach drei Kilometern, um den Windschatten ausnutzen zu können und Pausen nach ungefähr 35 Kilometern ermöglichten es, die Etappen trotz der steigenden Temperaturen noch vor dem Zeitplan zu absolvieren.

Kurz vor Basel ließen die beiden den Rhein dann hinter sich. Es ging nun vorbei am Rhein-Rhône-Kanal und später quer durch die Bourgogne in Tournus. Hier erreichte das Thermometer am Nachmittag fast die 40 Grad Marke.

Nun stieß die Streckenplanung an erste Grenzen. Für den Folgetag war es ziemlich schwer, eine Unterkunft in den wie verlassen erscheinenden kleinen französischen Ortschaften zu finden. Besonders in Montreux Chateau nach 130 km war es Glück, dass in der einzigen bereits ausgebuchten Übernachtungsmöglichkeit noch ein Zimmer frei war, welches ein deutsches Ehepaar Jonas und Marius zur Verfügung stellte.

Im Schnitt schafften es die beiden bis dahin die Etappen in ca. fünf Stunden effektiver Fahrzeit zu absolvieren. Dabei verbrauchten die beiden jeweils rund sechs bis acht Liter Wasser. Auf dem Weg zur Küste war es dann Zufall, dass nur zehn Kilometer entfernt der Start der 17. Etappe der Tour de France lag.

An der Küste angekommen, war es dann so weit: Die erste große Panne – ein platter Reifen in Kombination mit einem Riss im Mantel. Zu Genüge mit Ersatzschläuchen bewaffnet, wurde im dritten Supermarkt schließlich ein neuer Mantel gefunden und es konnte weitergehen.

Die salzige Luft und die Möglichkeit, zwischendurch einfach mal ins Meer springen zu können, entschädige indes für die bisherigen Strapazen. Denn die Kilometer auf staubigem Schotter oder heißem Asphalt zerrten so langsam doch. Kurz hinter Montpellier wurde dann endgültig klar, dass die Planung im Vorfeld etwas leichtsinnig war. Die Pyrenäen konnte man nämlich doch nicht so einfach umfahren.

Folglich stellte sich die 13. Etappe mit über 800 Höhenmetern als echte Bergetappe heraus. Mit dem Überqueren der Bergkette waren die beiden endlich in Spanien angekommen. Barcelona war also nicht mehr in allzu weiter Ferne. Anders als bei der Tour de France konnten die Tagesetappen nicht kurzerhand verkürzt werden, was bedeutete, dass zu den Höhenmetern noch der ein oder andere Regenschauer erschwerend hinzukam. Mit schweren Beinen machten die Jonas und Marius sich dann von Girona aus auf zu ihrem Ziel.

Nach fast exakt 1600 km und 71 Stunden auf dem Sattel standen die Jungs dann endlich vor der Sagrada Familia, einer der größten Sehenswürdigkeiten in Barcelona. Auch wenn die beiden letztlich selbst ihre Zweifel hatten. Es hat geklappt: In 14 Tagen mit dem Rad von Koblenz nach Barcelona. Das war sicherlich kein entspannter Urlaub, aber dennoch eine einzigartige Herausforderung und Erfahrung.

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