Grill: „Früher oder später wird mein Zeitpunkt kommen

Lennart Grill aus Mittelbollenbach ist beim 1. FC Kaiserslautern mit der Chance in die Vorbereitung gegangen, die Nummer 1 im Kasten der Roten Teufel zu werden.

Grill: „Früher oder später wird mein Zeitpunkt kommen

Dass er den offenen Kampf gegen Jan-Ole Sievers verloren hat, liegt seiner Meinung nach vor allem an der mangelnden Erfahrung.

„Er ist vier Jahre älter und hat auch vorher schon ein paar Profispiele gemacht“, erklärte der Nachwuchskeeper die Entscheidung. „Es ist schon einmal ein großer Schritt, im ersten Jahr nach der Jugend direkt im Profikader zu stehen. Die Zeit in der ich spiele, wird sicherlich noch kommen“, kündigt er selbstbewusst an, gibt jedoch zu auch ein wenig enttäuscht zu sein. „Wenn ich nicht enttäuscht wäre, hätte ich mir den falschen Beruf ausgesucht.“ Fußball sei ein Mannschaftssport, aber Grill wolle natürlich im Kasten stehen. Eine neue Herausforderung sei für ihn nach der Entscheidung für Sievers kein Thema gewesen, seine Zukunft liege auf jeden Fall beim FCK. „Ich habe bewusst für drei Jahre unterschrieben, das war nicht einfach so“, macht der Idar-Obersteiner deutlich.

„Natürlich ist es mein Ziel bei Lautern weiterzukommen, aber auch für den Verein aufzusteigen. Das hat oberste Priorität.“ Am liebsten natürlich mit ihm im Kasten und nicht auf der Bank. „Es gilt sich ranzukämpfen und sich zu zeigen“, gibt er die Maßgabe vor. Luft nach oben habe er noch in jedem Bereich. „Das ist eigentlich eine typische Floskel, aber man kann sich immer verbessern“, sieht er noch viel Steigerungspotenzial. „Was Sprungkraft und Spielverständnis angeht, ist es bei den Profis noch einmal deutlich schneller. Allein das mitzunehmen, bringt mich diese Saison extrem weiter.“

Um seinen jungen Torhütern Erfahrung zu vermitteln, haben die Pfälzer auch bewusst einen alten Haudegen verpflichtet. Wolfgang Hesl bringt einiges an Erfahrung im Profibereich mit, hat zahlreiche Erst- und Zweitligaspiele auf dem Buckel. „Das merkt man ihm auf jeden Fall an“, schmunzelt Grill. „Er hat eine Abgezocktheit, die du erst mit einiger Erfahrung kriegst und die er an uns weitergibt.“ Davon profitiere jeder, nicht nur die Torhüter. „Es ist richtig geil, dass Leute im Team hast, die dir was mitgeben können und auch als Typen hervorragend sind.“

Typen sind auch gefragt in der derzeitigen Situation des Vereins. Die Roten Teufel sind vor 40.000 Zuschauern auf dem Betzenberg mit einem Sieg in die Saison gestartet, die Euphorie war groß. „Wir wissen ja, dass die Lautrer Fans ein bisschen anders ticken, aber das war wirklich krass“, erinnert sich Grill. „Das haben ja die meisten Vereine nicht einmal in der Bundesliga und wir haben es in der Dritten.“ Die Bilanz mit einem Punkt aus den folgenden drei Spielen war jedoch ernüchternd, besonders der Auftritt in Halle hat dem ein oder anderen Fan Sorgenfalten auf die Stirn getrieben. Die Stimmung ist angespannt, wie Grill zugibt. „Dafür ist jeder Profi und weiß, was das bedeutet mit unseren Ambitionen. Wir müssen die nächsten Spiele liefern.“ Verantwortlich für den holprigen Start sei vor allem der Umbruch im Kader, der Zeit brauche; am Charakter des Teams liege es nicht. „Wir sind eine brutale Mentalitätsmannschaft, auch wenn uns das nach dem Spiel in Halle abgeschrieben wurde“, macht Grill deutlich.

Das klare Ziel sei nach wie vor der Wiederaufstieg. Bevor es in der Liga mit dem wichtigen Derby gegen den Karlsruher SC weitergeht, wartet jedoch erst einmal noch ein schweres Pokalspiel bei Champions-League-Teilnehmer TSG Hoffenheim. „In allererster Linie geht es in diesem Spiel darum, besser aufzutreten als in Halle“, gibt Grill die Marschrichtung für den Pokal vor. Das elektrisierende Derby gegen den KSC sei dann ein Schlüsselspiel. „Das bedeutet jedem im Verein unglaublich viel, in so einer Partie kann man die Wende einleiten und die Dinge wieder in die richtige Richtung schieben.“

Beide Partien wird er wohl von der Bank aus begutachten, ein Zustand der auf Dauer nicht die optimale Lösung für einen jungen Torhüter darstellt, der sich entwickeln muss. Eine Option Spielpraxis zu sammeln, sind Einsätze bei der U23 der Lautrer, die in der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar am Start ist. „Natürlich nimmt man es gerne mit, bei den Profis auf der Bank zu sitzen, aber gerade als Torwart braucht man Spielpraxis“, erklärt er seine Bereitschaft, sich auch in der Oberliga in den Kasten zu stellen. Dabei sein guter Mix entscheidend. Am liebsten wäre er zum Saisonauftakt im Haag gegen die Mannschaft aufgelaufen, für die er neben seinen Stationen beim Bollenbacher SV und Mainz 05 auch in der Jugend aktiv war. „Idar zum Auftakt wäre natürlich schon stark gewesen“, lacht Grill. Vielleicht gibt es ja in einer kommenden Verbandspokal-Runde die Möglichkeit im Trikot der Roten Teufel gegen die Schmuckstädter anzutreten.

Grill, der noch immer jeden freien Tag nutzt, um seiner Heimat einen Besuch abzustatten, hat sich wegen der langfristigen Perspektive bewusst für den FCK entschieden, da ändert auch die vorübergehende Position als Nummer zwei nichts für ihn. „Wenn der Weg weiter stimmt, dann wird früher oder später mein Zeitpunkt kommen“, ist sich der 19-Jährige sicher. „In meinem Alter muss ich mir noch keinen Stress machen“, erklärt er aufgeräumt und vertraut auch auf Torwarttrainer-Legende Ehrmann. „Gerry hat sich noch nie gescheut, junge Torhüter reinzuwerfen. Ich hab noch ein paar Jahre Karriere vor mir.“ Davon kann man überzeugt sein.

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