Fakten und Geschichten zu Idar-Oberstein

Idar-Oberstein kann auf eine traditionsreiche Stadtgeschichte zurückblicken. Da sammeln sich in der jüngeren Vergangenheit schon zahlreiche Fakten und Anekdoten an.

Fakten und Geschichten zu Idar-Oberstein

Nonstop IO

Unser schönes Städtchen ist auch in der Luft vertreten. 1985 wurde eine Lufthansa-Boeing 737 auf den Namen Idar-Oberstein getauft. Zahlreiche Bürger durften der Taufe am Frankfurter Flughafen beiwohnen und anschließend in 500 Meter Höhe über die Schmuckstadt zu fliegen. Über eine Zwischenlandung am Göttschieder Flugplatz ist nichts bekannt.

Goldrausch in der Schmuckstadt

Rom, 1960: Der Tiefensteiner Bernd Cullmann läuft mit Armin Hary, Walter Mahlendorf und Martin Lauer in der 4 x 100-Meter-Staffel bei den Olympischen Spielen in Rom zu Gold. Bei seiner Rückkehr nach Idar-Oberstein gaben die Schulen dem Nachwuchs frei, um ihren Helden zu bejubeln. In offenem Auto wurde er von der Felsenkirche zu seinem Heimatstadion hofiert, Tausende jubelten ihm am Straßenrand zu und erinnerten an einen Empfang, der in der jungen Bundesrepublik bisher nur den Fußballweltmeistern von Bern beschert wurde.

Nach der sportlichen Karriere arbeitete Cullmann - wie es in seiner Familie Tradition war - als Edelsteinschleifer.

Ein unerkannter Hauch von Hollywood

Keine Fakten über Idar-Oberstein ohne Bruce Willis. 1955 wurde der Weltstar als Sohn eines amerikanischen Soldaten und Mutter Marlene in Idar geboren. Zwei Jahre später zog die junge Willis-Familie nach Amerika, wo Bruce später mit den Actionklassikern „Stirb langsam“ (engl. Die hard) Weltruhm erlangte. Der Sonderbotschafter der Schmuckstadt (ein eher repräsentatives Amt) hat es sich zum 50. auch nicht nehmen lassen, zusammen mit Daddy Willis seiner alten Heimat in der Idarer Keltenstraße einen Besuch abzustatten. Er wird die Beschaulichkeit unseres Städtchens genossen haben – beim Pils in der Tiefensteiner Kneipe Kanthack‘s Pilseck blieb er unerkannt. Doch ganz ohne Notiz schaffte er es nicht wieder nachhause, denn die Obersteiner Liedermacher-Legende Martin Weller verewigte seinen Besuch im „Willise Bruus Blues“. Yippiyayeah, Spissbrorebäckche!

BER? Polizei IO!

Idar-Oberstein hat Bruce Willis und ist damit in den L.A. und Hollywood verewigt. Aber auch der deutschen Hauptstadt und Bohéme-Metropole romantischer Großstadtneurotiker Berlin steht unser Örtchen in nichts nach. Die Berliner haben ihren Flughafen, wir unser Polizeigebäude. „Kleine, örtlich sehr begrenzte Eingriffe“ waren dort geplant, so erklärte es zumindest der rheinland-pfälzische Landesbetrieb Liegenschaft- und Baubetreuung. Fertig im Herbst 2016, Kosten 3,1 Millionen Euro. Doch relativ schnell wurde klar, wie schlecht der Zustand des Gebäudes wirklich ist und dass die Renovierung frühestens im Sommer 2019 abgeschlossen wird und mindestens 6,9 Millionen Euro verschlingen wird – Miet- und Umbaukosten für das Ausweichquartier nicht eingerechnet. Damit hat es das Bauprojekt sogar ins Schwarzbuch der Steuerzahler geschafft.

Gut, mehr als das doppelte kann man schon einmal einplanen, nichts Ungewöhnliches. Inzwischen belaufen sich die Kosten aber laut SWR auf mehr als 16 Millionen Euro, ein Neubau wäre sieben Millionen billiger gewesen.

Beim Berliner Flughafen schätzen Prognosen, dass das Projekt erst 2021 fertig sein wird. Erste Wetten laufen, welches Projekt früher abgeschlossen ist.

„Konsequenteste Verschandelung eines historischen Stadtbilds“

Wir sind schlecht angebunden! Die B41 muss ausgebaut werden! Wo bleibt die Hunsrückspange?! Eine bessere Infrastruktur würde die Stadt attraktiver machen!

Alles Sätze, die oft aus Idar-Obersteiner Mündern zu hören sind. Als in den 80ern die Infrastruktur in der Stadt verbessert und die B41 ausgebaut wurde, schmeckte das jedoch nicht allen – Ressentiments gegenüber der Nahe-Überbauung halten sich bis heute. 265 Millionen Euro kostete der vierspurige Ausbau der Straße, die – und das lässt sich nicht leugnen – die durch die Stadt fließende Nahe überbaut hat. Auch deshalb wohl belegte Idar-Oberstein den ersten Platz für die „konsequenteste Verschandelung eines historischen Stadtbildes“. Die Preisträgerin ist mit ihren 265 Millionen das teuerste Bauwerk der Stadtgeschichte, aber Obacht: Das Polizeigebäude ist ja noch nicht fertig.

Einzigartig in Europa

Die Edelsteinminen Steinkaulenberg sind europaweit die einzigen, die für Besucher zugänglich sind. Besucher können sich dort durch den Stollen führen lassen. Dort wird erklärt wie der Abbau vonstatten geht und wie Edelsteine letztlich verarbeitet werden.

Helmut Kohl, Europa und der Platz

Nach der Wiedervereinigung von BRD und DDR hielt Bundeskanzler Helmut Kohl eine Rede auf dem Platz auf der Idar. Im Landtagswahlkampf stattete er Idar-Oberstein einen Besuch ab begründete er seine Entscheidung, trotz anders lautender Zusicherungen Steuerhöhungen erlassen zu haben, um die Einheit zu finanzieren. Besondere Brisanz bekommt der Auftritt aber 18 Jahre später, als die CDU-Stadtratsfraktion nach dem Tod des ehemaligen Bundeskanzlers eine Umbenennung des Platzes auf der Idar in „Helmut-Kohl-Platz“ beantragt. Heftige Diskussionen entbrennen, schließlich wird ein Kompromiss gefunden. Der Platz auf der Idar behält seinen Namen, der Europaplatz wird nach dem Ehrenbürger Europas in „Helmut-Kohl-Europaplatz“ umgetauft.

1993 besuchte der Kanzler der Einheit übrigens noch einmal Idar-Oberstein, um die Edelsteinmesse INTERGEM zu besuchen. Eine Umbenennung in Helmut-Kohl-INTERGEM ist bisher jedoch nicht geplant.

Denkmal für Eisverkäufer

Die Idar-Obersteiner lieben Eis so sehr, dass sie dem berühmten Eis-Verkäufer Bedo Lorenzo eine Statue bauen ließen. „Bede“ verkaufte seinerzeit in der Fußgängerzone mit seinem Wagen im Sommer Eis und im Winter heiße Maronen. 1988 wurde seine Statue im Eingangsbereich der Obersteiner Fußgängerzone enthüllt. Seitdem hat sie aber schon einiges mitgemacht und musste nach zwei Kollisionen mit Fahrzeugen 2014 und 2015 restauriert werden. Daraufhin ist der Eisverkäufer, der das Eis immer in die Waffel spachtelte, umgezogen – sein neues zuhause ist der Marktplatz.

Kulinarisches Mekka

Idar-Oberstein kann nicht nur Edelsteine, sondern auch Kulinarik vom Feinsten. Egal ob der Klassiker Spießbraten, Gefillte Klees oder Krumbierewurscht – die Region ist für viele Spezialitäten bekannt und beneidet. Die Auswahl und Bedeutsamkeit der verschiedenen Gerichte ist uns sogar einen ganz eigenen Artikel wert. Den gibt’s hier zu lesen!

Pokalluft im Haag

4.450 Zuschauer verfolgten 1998 im noch nicht ausgebauten Idarer Haag-Stadion den Auftritt des SC im DFB-Pokal gegen DSC Arminia Bielefeld. Lange hielt eine legendäre SC-Mannschaft, auf deren Seiten Namen wie Sascha Nicolay, Krzysztof Maslanka, Dirk Schmell, Christian Schwinn, Thorsten Schäfer und Frank Vogt aufliefen, gegen die Arminia um Bruno Labbadia und Jörg Bohme gut mit. Thomas Stratos machte in der 69. Minute aber die Hoffnungen auf eine zweite DFB-Pokalrunde im Haag zunichte. Dass bald ein zweites DFB-Pokalspiel in Idar-Oberstein dazukommt, scheint unwahrscheinlich. Die Mannschaft des SC ist in der Oberliga akut abstiegsgefährdet.

Verwendete Quellen: Rauscher, Manfred & Redmer, Axel: Idar-Oberstein. Illustrierte Stadtgeschichte 1945 bis 2000. Sutton Verlag: Erfurt, 2015.

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