Dennis Lukas' Kraftpotenzial „noch lange nicht ausgeschöpft“

Der Idar-Obersteiner Kugelstoßer Dennis Lukas hat bei der Deutschen Meisterschaft mit einem sechsten Platz (19,03 Meter) aufhorchen lassen.

Dennis Lukas' Kraftpotenzial „noch lange nicht ausgeschöpft“

Wir haben mit ihm über seinen Auftritt beim „Highlight“ Deutsche Meisterschaften gesprochen, der unvergleichlichen Atmosphäre im Olympiastadion, wie sein Alltag als Leistungssportler aussieht und welche magische Weite er gerne noch erreichen würde. Der Leichtathlet der LG Idar-Oberstein sieht sich dabei noch lange nicht am Maximum.

SLN: Dennis, Sechster bei der Deutschen Meisterschaft - damit kann man zufrieden sein, oder?

Dennis Lukas: Ja, ich bin auf jeden Fall zufrieden. Der Wettkampf war zwar ein bisschen durchwachsen, aber alles in allem bin ich mit dem sechsten Platz sehr zufrieden.

SLN: Bei den Deutschen Hochschulmeisterschaften hast du es noch einen halben Meter (19,46 Meter) weiter geschafft. Was hat dazu bei den Deutschen Meisterschaften gefehlt?

Lukas: Ich sag mal so: Bei den Hochschulmeisterschaften war die Atmosphäre schon echt gut, aber im Olympiastadion war alles um Weiten noch einmal größer. Es waren 26.000 Zuschauer am Samstag dort, da ist man natürlich ein bisschen aufgeregt und will sicher in den Endkampf kommen und eigentlich an die Bestweite ranzustoßen. Woran es jetzt genau gelegen hat, kann ich schwer sagen. Man kann auch nicht in jedem Wettkampf eine Bestweite stoßen, das geht einfach nicht. Ich hätte mich natürlich gefreut, wenn es an die Bestweite oder weiter gegangen wäre, aber mit den 19,03 die am Ende gestanden haben, war ich eigentlich zufrieden. Das war auch ein kleines internes Ziel bei den Deutschen Meisterschaften, auf jeden Fall 19 Meter zu stoßen. Von daher war es eigentlich gut.

SLN: Wo gibt es noch Punkte, wo du ansetzen willst? Gab es da nach den Meisterschaften schon eine Analyse?

Lukas: Dadurch dass ich die Drehstoßtechnik jetzt gerade einmal zwei Jahre mache, nachdem ich von der Angleittechnik umgestellt habe, braucht das noch einen viel längeren Zeitraum bis man da konstant und technisch richtig gut stößt. Da gibt es natürlich technisch noch so viele Feinheiten, Parameter und Stellschrauben, an denen man drehen und die optimieren kann. Woran man auch immer noch weiter optimieren kann sind die Kraftwerte, die ich als Ziel habe, im Winter nochmal ein bisschen hochzuschrauben. Damit könnte ich dann noch ein bisschen athletischer und kräftiger in die nächste Saison gehen.

SLN: Die Deutsche Meisterschaft war ja schon ein Highlight. Bereitet man sich auf so ein Großereignis noch einmal anders vor, als auf einen „normalen“ Wettkampf?

Lukas: Natürlich. Die Deutschen Meisterschaften sind für mich auf jeden Fall immer das Saisonhighlight. Groß anders bereitet man sich aber eigentlich nicht vor. Ich versuche meine Standardroutine beizubehalten, aber natürlich ist man ehrgeiziger. Dennoch versuche ich meinen Trainingsrhythmus beizubehalten, keine großen Experimente zu machen. Ich hab mich an dem Training für die Deutschen Hochschulemisterschaften orientiert, gerade ein zwei Wochen vorher die maximale Schnellkraft und Explosivität trainiert und die versucht rauszukitzeln. So habe ich ja auch meine Bestweite geworfen.

SLN: Die Deutschen Meisterschaften waren auch ein großes Medienevent. Wie hast du die gesteigerte Aufmerksamkeit erlebt?

Lukas: Also ich wurde jetzt nicht von Medien interviewt vor Ort, aber was man gemerkt hat, ist dass in der Stadt viel los war, was positiv war. Neben dem Olympiastadion waren ja auch die Bogenschützen und auf dem Platz vor dem Olympiastadion waren die Zieleinläufe der Triathleten und vom Modernen Fünfkampf. Man hat dadurch gemerkt, dass allgemein viel mehr los war und es war auch war interessant den Ablauf von anderen Wettkämpfen von außen zu sehen. Natürlich hatte ich keine Zeit mich damit spezifisch auseinanderzusetzen, aber es war definitiv interessant mehrere Sportarten auf einem Platz parallel stattfinden zu sehen.

SLN: Du hast ja eben schon die besondere Atmosphäre im Olympiastadion angesprochen. Was macht diese spezielle Sportstätte aus?

Lukas: Wenn man da schon einmal war: es ist mit die beste Leichathletik-Anlage für Gorßveranstaltungen in Deutschland. Durch die Einlassung in den Boden entsteht ein unfassbares Stadionflair und wenn die ganze Menge einen beklatscht, ist das schon bombastisch. Die ganze Anlage ist sehr weitläufig, optimal für den Wettkampf und auch das Drumherum ist sehr aufregend. Jeder Wettkampf wurde einzeln aufgerufen, aus einem dunklen Tunnel wurden die Athleten eingerufen und einzeln vorgestellt. Das hatte ich so noch nie, das war etwas ganz Besonderes. Es war echt schön, wie auf dem Niveau von Großereignissen wie WM, EM oder Olympia das Flair vom Veranstalter rübergebracht wurde.

SLN: Profi-Niveau ist ein gutes Stichwort. Du gehörst zweifellos zur deutschen Kugelstoß-Elite, bist in dem Sinne aber kein „Profi“. Wie sieht da so eine normale Trainingswoche aus?

Lukas: Genau, ich bezeichne mich selbst als Leistungssportler, nicht als Profisportler, weil ich damit kein Geld verdiene. Natürlich investiere ich aber viel Zeit ins Kugelstoßen und bin mindestens sechs mal die Woche eineinhalb bis zwei Stunden am Trainieren. Nebenbei hab ich meine Vorlesungen und meine Klausuren an der Universität und dann auch noch seit zwei Monaten eine Hiwi-Stelle. Damit hab ich schon einen relativ vollen Tagesplan. Aber gerade beim Lernen ist der Sport eine gute Ablenkung, um den Kopf ein bisschen freizubekommen.

SLN: Wie sind deine weiteren Ziele für die Zukunft? Was ist noch drin?

Lukas: Ziel ist es immer, die nächste Metermarke zu erreichen. Letztes Jahr bin ich von der 18-Meter-Marke direkt auf die 19-Meter-Marke gesprungen. Dieses Jahr habe ich die Bestweite noch einmal um einen halben Meter nach oben geschraubt. Das Non-Plus-Ultra wäre dann die Schallmauer, die magischen 20 Meter, noch einmal zu knacken. Natürlich ist ab jetzt jeder weitere Meter, eigentlich jede weiteren Zehn-Zentimer, ein hartes Stück Arbeit. Aber ich bin da eigentlich zuversichtlich, weil ich weiß, dass mein Kraftpotenzial noch lange nicht ausgeschöpft ist. Auch wie vorhin angesprochen gibt es in der Technik noch viele Feinheiten, die ich anpassen kann, um noch viel Distanz herauszuholen. Ich werde weiter an mir trainieren und weiter dann die Deutschen Meisterschaft als Highlight bestreiten. Wenn man irgendwann zwanzig Meter stößt, wäre das der nächste Meilenstein. Ich nehme mir das aber nicht spezifisch vor, wenn es kommt dann kommt es. Aber ich bin gewillt den nächsten Meter-Schritt zu machen.

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