Wird das in Idar-Oberstein noch gebraucht oder kann das weg?

Diese Frage stellt man sich immer wieder in der Stadt Idar-Oberstein oder man bekommt diese Frage gestellt.

Wird das in Idar-Oberstein noch gebraucht oder kann das weg?

Ob es um einen wertvollen Natursteinbrunnen geht, der weggerissen wurde, um diesen durch seichte Wasserspiele zu ersetzen oder um Fußgängerverbindungswege am Modepark Röther, der Wasserlauf in der Idarer Fußgängerzone oder der Brunnen auf dem Europaplatz, um nur einige Beispiele zu nennen. Wie viele Brunnen und Anlagen, alte Fachwerk- und sonstigeerhaltenswerte Bausubstanz sind in den letzten drei Jahrzehnten in unserer Stadt verschwunden oder wegen Unterhaltungsstau stillgelegt worden?

Viele Dinge, die man zur Freude der Bürger*innen seinerzeit angeschafft hat, um die Schmuck- und Edelsteinstadt lebens- und liebenswerter zu machen. Allerdings kenne ich sonst keine Kommune im Land, die sich so kurze Haltbarkeitsdaten oder besser gesagt kurze Verfallsdaten für Bausubstanz und Baukultur leistet und das alles bei einer mittlerweile „hoch“-defizitären Haushaltskasse.

Statt auf einen guten und vernünftigen Unterhalt von Bausubstanz zu setzen, wird jahrelang selbst nichts oder viel zu wenig unternommen den bestehenden Wert der Anlagen ordentlich fach- und sachgerecht zu erhalten, um dann nach Jahren einen enormen Unterhaltungstau festzustellen, dem man dann mit einem Abriss begegnet. Mit Nachhaltigkeit hat das überhaupt nichts zu tun!

So etwas kann sich eine nachhaltig wirtschaftende Gesellschaft heute gar nicht mehr leisten und zwar nicht erst seit gestern. Weder unternehmerisch denkende Spitzenverdiener, aber noch weniger die arbeitende Bevölkerung mit ihren normalen Einkommen, also kurzum die „kleinen Leute“, wollen so etwas mit ihren Steuern finanzieren. Die Bürger*innen wollen etwas für ihr Geld sehen und nicht alle zwanzig oder dreißig Jahre etwas Neues wegen Abriss bezahlen, der durch vernachlässigte Pflege notwendig wurde. Dadurch werden lebenswichtige Ressourcen völlig unnötig verbraucht. Dies belastet nicht nur unseren Geldbeutel, sondern auch unser Klima.

Was so etwas kostet, wird derzeit heftig in Idar-Oberstein seit einigen Monaten am Beispiel der Fußgängerverbindung von der Mainzer Straße zum Platz auf der Idar diskutiert. Der von der Verwaltung und dem neu ansässigen Unternehmen bevorzugte Abriss der Verbindungsbrücke wurde von Anfang an kostenmäßig „schön gerechnet“. Der viel wichtigere Aspekt der städtebaulichen Notwendigkeit der Verbindung wurde vollkommen an den Rand gedrängt und mit dem Totschlagsargument der „leeren Kasse“ erst gar keine vernünftige Diskussion zugelassen.

Das erste Gutachten ermittelte fast 900.000 € Sanierungskosten, das zweite zusätzlich beauftragte Gutachten eines Sachverständigen sagt 523.400 € an zu erwartenden Kosten voraus. Allerdings liegt mittlerweile ein Pauschalangebot für die Sanierung vor, dass mit 190.000 € unterbreitet wurde. Die Kostenschätzung für einen Abriss belaufen sich auf geschätzt ca. 198.000 €.

Da sollte man doch alles möglich machen, das Pauschalangebot annehmen zu können, Unklarheiten zu beseitigen und ohne langwierige Ausschreibungsverfahren zu durchlaufen mit der Sanierung beginnen. Das wäre dann nachhaltiges und wirtschaftliches Handeln im Sinne der Bürger*innen, die kurze und barrierearme Wege brauchen.

Thomas Petry lebt in Idar-Oberstein und arbeitet als Architekt, seit 2004 ist er Fraktionsvorsitzender im Stadtrat von Idar-Oberstein für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.

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