1. Regionales Forum „Hochbegabung“: Mehr Verständnis und individuelle Fördermöglichkeiten für hochbegabte Kinder

„Hochbegabte Kinder brauchen Erwachsene, die hochbegabte Kinder mögen!“ Frau Dr. Isabel Vöhringer-Trabitz, Vorstand und leitende Psychologin der Kleine Füchse Raule-Stiftung eröffnet das 1. Regionale Forum „Hochbegabung“.

1. Regionales Forum „Hochbegabung“: Mehr Verständnis und individuelle Fördermöglichkeiten für hochbegabte Kinder

Mit einem Appell an die rund 70 Teilnehmer ging es gleich in die Vollen: Die Förderung begabter und hochbegabter Kinder muss in unserer Gesellschaft einen höheren Stellenwert bekommen. Immerhin unterscheiden sich begabte und hochbegabte Kinder mit einem IQ von 120 und mehr genauso stark von Durschnitt ihrer Altersgenossen wie Kinder mit einer Lernbehinderung. „Hochbegabte Kinder haben besondere Bedürfnisse und Eigenheiten, denen wir mit einem geschulten Blick und individuellen Bildungsangeboten begegnen müssen“, sagt Vöhringer-Trabitz.

Begabungsgerechte Förderung – ein Plus für die Region Kirn

Wie wichtig die individuelle Förderung begabter und hochbegabter Jungen und Mädchen dabei nicht nur für das einzelne Kind und dessen Familie, sondern auch für die gesamte Region ist, betont Jürgen Pickel, Geschäftsführer der Dr. Wolfgang und Anita Bürkle Stiftung. Diese kooperiert seit 2012 mit der Stiftung Kleine Füchse und ermöglicht mit großem finanziellen Engagement die Fortbildung zahlreicher Erzieher und Erzieherinnen zu Experten für begabungsgerechte Förderung.

Unterstützt von der Dr. Wolfgang und Anita Bürkle Stiftung gehören Kirn und Bad Kreuznach zu den stärksten Standorten im Netzwerk der Kleinen Füchse. Mehr als 50 Einrichtungen arbeiten hier nach dem pädagogischen Modellkonzept der Stiftung, das in der Kita ansetzt. Dort, wo die Kinder zum ersten Mal mit dem Lernen in der Gruppe in Kontakt kommen. Hier fallen außergewöhnliche Fähigkeiten, aber auch Schwierigkeiten zum ersten Mal auf, hier braucht es professionelle Begleitung. „Mit gut aufgestellten Kitas, in denen jedes Kind entsprechend seiner Begabungen gefördert wird, steigern wir die Attraktivität der gesamten Region“, so Pickel.

Es sei eine große Herausforderung, im ohnehin oft schwierigen Kita-Alltag, jedem Kind die Förderung zukommen zu lassen, die es braucht, räumt Landrätin Bettina Dickes ein. Umso dankbarer sei man im Landkreis für die Zusammenarbeit mit der Stiftung Kleine Füchse. „Die hier vorhandene Expertise macht unsere pädagogischen Fachkräfte stark, die Verantwortung für begabte und hochbegabte Kinder zu übernehmen“, so Dickes. Aus ihrer Sicht ist es extrem wichtig, dass gerade Erzieher und Erzieherinnen Wissen und Erfahrung auf diesem Gebiet erwerben. „Immerhin sind sie es, zu denen die Eltern als erstes mit ihren Fragen und Unsicherheiten kommen.“

So gelingt begabungsgerechte Förderung im Kita-Alltag

Einen Erfahrungsbericht zur begabungsgerechten Förderung im Kita-Alltag bringt das Team der Kita Kirn-Sulzbach mit. Sie sei vor 20 Jahren zum ersten Mal mit einem hochbegabten Kind konfrontiert gewesen, berichtet Leiterin Alexandra Ulrich-Uebel. „Damals waren wir alleine und wussten nicht, wie wir adäquat reagieren sollten.“ Dank der Fortbildung bei den Kleine Füchsen wisse sie nun, wie sie als Leiterin einen Rahmen schaffen kann, in dem begabungsgerechte Förderung möglich ist. Zum einen gehe es darum, den Kollegen Zeit für hochbegabte Kinder zu geben: für die Fortbildung, aber auch für Elterngespräche und die Begleitung der Familien zur Intelligenzdiagnostik in der Begabungspsychologischen Beratungsstelle der Stiftung Kleine Füchse. Zum anderen prüfe sie mit ihrem Team immer wieder die Spiel- und Lernmaterialien sowie Raumangebote und stelle sicher, dass es genügend Zeit und Raum gibt für individuelle Beziehungsangebote. Beeindruckend sind die Fotos, die Ulrich-Uebel etwa vom kitaeigenen Naturkundemuseum mitgebracht hat. „Wir dürfen begabte und hochbegabte Kinder nicht in ihrer Neugier stoppen, nur weil sie vermeintlich noch nicht alt genug für ein Thema oder eine Aufgabe sind“, meint Ulrich-Uebel.

„Da ist die Seele noch so klein, und die Gedanken sind so groß“ – eine betroffene Mutter berichtet

Welche Schwierigkeiten entstehen können, wenn hochbegabte Kinder auf Unverständnis stoßen, schildert Nadine Fuhr in einem sehr persönlichen und emotionalen Bericht über ihre Söhne. Beide hätten früh gesprochen, immer eine hohe Auffassungsgabe gehabt und seien eigentlich in der Kita ganz gut zurechtgekommen. Als sie die Jungen aber jeweils vor ihrem sechsten Geburtstag einschulen lassen wollte, weil der Große beispielsweise nach dem Aufstehen noch schlaftrunken anfing, im Hunderterbereich zu rechnen, wollten die Erzieherinnen davon nichts wissen. „Wir mussten uns regelrecht dafür rechtfertigen, dass wir die Kinder in die Schule geschickt haben“, erinnert sich Fuhr. Sicherheit, das richtige zu tun, habe ihr die Beratung und die Intelligenzdiagnostik bei den Kleinen Füchsen gegeben, in der beide Jungen einen weit überdurchschnittlichen IQ zeigten.

In der Schule selbst hatte es vor allem Fuhrs jüngerer Sohn schwer. Wegen seiner ungewöhnlichen Interessen wurde er ausgegrenzt und sagte Dinge wie: „Wenn ich schon keine Freunde finde, wie soll ich denn dann eine Frau finden? Ich will doch mal Kinder haben.“ Es habe ihr das Herz zerrissen, als Mutter daneben zu stehen und nichts tun zu können, meint Fuhr. „Da ist die Seele noch so klein, und die Gedanken sind so groß.“ Die Familie nahm den Jungen schließlich für ein halbes Jahr aus der Schule, lernte zuhause mit ihm. Mithilfe der Stiftung Kleine Füchse suchte sie nach Alternativen wie Internaten für Hochbegabte. Doch dafür fehlte das Geld. „Ich hätte mir hier mehr Unterstützung von den Ämtern und offiziellen Stellen gewünscht“, sagt Fuhr, deren Sohn nach einer schweren Schulzeit heute glücklich eine Lehre absolviert.

Begabungsgerechte Förderung ist gesellschaftliche Verantwortung!

Die Kleine Füchse Raule Stiftung ist angetreten aufzuklären und das Bewusstsein für die Chancen, aber auch die Problematiken rund um das Thema Hochbegabung weiter zu stärken. Wir danken allen Teilnehmern des 1. Regionalen Forums „Hochbegabung“ für das rege Interesse und die zielgerichteten Diskussionen. Wir laden alle Kita-Träger, die Fachebenen in den Kommunen und die Politik ausdrücklich zum weiteren Austausch ein. Es ist unser aller Pflicht, Kindern die Bildung zu ermöglichen, die sie zu starken und zufriedenen Persönlichkeiten macht!

Logo