Historischer Ortskern Herrstein muss gerettet werden

Die Mantelkragen sind hochgeschlagen, die Hände tief in den Taschen vergraben. Es ist schon etwas ungemütlich an diesem nebligen, diesigen Herbstmorgen.

Historischer Ortskern Herrstein muss gerettet werden

Zunächst sind außer der kleinen Besuchergruppe keine Menschen unterwegs, bis ein Anwohner samt Hund eines der Fachwerkhäuser verlässt. Zu erkennen ist die Person nicht, das Gesicht ist unter einer Kapuze verborgen. Der Hund schaut neugierig zu den fremden Passanten. Diese Szene hätte sich in ähnlicher Weise schon einige hundert Jahre früher abspielen können. Hinter den Fenstern und Türen hat sich einiges getan, auf den Straßen davor kaum. Im historischen Kern von Herrstein fühlt man sich um etliche Dekaden zurückversetzt.

Ein idyllisch historisches Kleinod ist dieser Ortsmittelpunkt. Fachwerk, Schleifsteine, Brunnen, alles stimmig, nichts wirkt gekünstelt oder aufgesetzt. Die oben angesprochenen Herren schauen genau hin. Was auf den ersten Blick zeitgeschichtlichen Charme und altertümliches Flair versprüht ist in akuter Gefahr. Die Herren, das sind Wolfgang Hey, Vorsitzender des Fördervereins Historischer Ortskern Herrstein e.V. und die Vereinsmitglieder Klaus Beck und Dr. Jürgen Vesper. Begleitet werden Sie durch den Vorstand der Kreissparkasse Birkenfeld, Direktor Thomas Späth und Direktor Torsten Rothfuchs sowie den Geschäftsstellenleiter der Herrsteiner KSK Niederlassung, Artur Wenzel. Wolfgang Hey, Landrat a.D. war sozusagen der Urheber und Ideengeber der bauhistorischen Restaurierung, die in den siebziger Jahren begann und eine bis in die achtziger Jahre andauernde Mammutaufgabe für alle Beteiligten darstellte. Lohn war dieser einzigartige geschichtsträchtige Ort, der seither Abertausende Touristen nach Herrstein lockte.

Doch es ist kein Freilichtmuseum, wie in Bad Sobernheim, hier wohnen und Leben Leute. Oft Ältere, die nicht die Mittel haben, die Schäden fachgerecht zu beheben. Frost und Wasser haben in den vergangen vierzig Jahren ihre Spuren hinterlassen. Jetzt heißt es zu handeln, sonst ist die Substanz unwiederbringlich in Gefahr. Doch das kostet Geld. Hier hat sich der Förderverein das Ziel gesetzt, Spendenmittel zu generieren und Unterstützer zu finden. Die Kreissparkasse war einer der ersten Geldgeber, die schnell und unbürokratisch eine Spende tätigten.

Beim Ortstermin konnten die Sparkassenvorstände Späth und Rothfuchs sehen, dass es fünf vor zwölf ist. Tragende Balken sind marode, Risse im Mauerwerk verursachen Feuchtigkeit und Zersetzung. „Wir fühlen uns ja auch verantwortlich für unsere Heimat," so Vorstandsvorsitzender Späth. Mit Wolfgang Hey weiß man auch einen noch immer energiegeladenen Mann an der Spitze, der das Ziel, also den Erhalt des historischen Ortsmittelpunktes, nicht aus den Augen verliert. Da ist viel Herzblut im Spiel, das spürt man spätestens bei Heys ausführlichen und bildhaften Erklärungen über Bauwerke und deren Historie. Wolfgang Hey, Klaus Beck und Dr. Jürgen Vesper bedankten sich ausdrücklich bei den Sparkassenvertretern, die für das kommende Jahr bereits weitere Unterstützung zugesagt haben.

Leonhard Stibitz

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