Erwin Pauly: Unermüdlich engagiert

Wer nachvollziehen möchte, warum unsere Region faszinierend sein kann, der muss sich mit Erwin Pauly unterhalten. Bereits nach wenigen Minuten wird klar, was unsere Edelsteinregion und den Veitsrodter Markt so besonders macht.

Erwin Pauly: Unermüdlich engagiert

85 Jahre wurde er im Februar diesen Jahres, erzählt Erwin Pauly. Könnte man sich da nicht langsam mal zur Ruhe setzen? „Zur Ruhe setzen? Das kommt überhaupt nicht in Frage. Wie soll das denn gehen?“, entgegnet Pauly etwas ungläubig. Und so tut er heute noch immer das, was er schon seit über 60 Jahren begeistert tut: aus Edelsteinen kunstvolle Gravuren anfertigen und sich ehrenamtlich engagieren. Dieser Text ist das Porträt eines unermüdlich Engagierten.

„Jeder, der etwas bewegen will und dabei nicht nur an sich denkt, muss sich engagieren“, sagt Pauly über das Ehrenamt. Paulys Engagement wird auf mehreren Ebenen sichtbar: im Edelsteingewerbe, aber vor allem auch in seiner Heimat. Heimat - das bedeutet für Pauly schon immer Veitsrodt und damit einhergehend natürlich auch Veitsrodter Markt.

Sitzt man Erwin Pauly gegenüber, muss man sich dies wie eine spannende Museumsreise vorstellen. Gäbe es ein Edelsteingraveur- und Maad-Botschafter-Amt, Pauly wäre ein heißer Kandidat. Die Begeisterung für all die Dinge, die unsere Region besonders machen, vereint wohl kaum jemand so treffend in seiner Person wie der Graveur aus Veitsrodt.

Seine ersten Erinnerungen an den Veitsrodter Markt reichen zurück bis vor den zweiten Weltkrieg. Damals - noch als kleiner Junge - ist ihm vor allem ein Bild im Kopf geblieben. Seinerzeit gab es unter den Eichen eine Mutprobe. Junge Männer wurden mit einem Geschirr vom Zeltdach abgeseilt. In dieser Montur mussten sie frei stehend auf dem Rücken eines Pferdes eine Runde durchs Zelt drehen. Es ist eine der Erinnerungen, die Pauly so lebhaft schildert, dass man als Zuhörer denken könnte, man sei selbst dabei gewesen.

Was nach einer lustigen Anekdote klingt, hat allerdings einen traurigen Hintergrund. Letztlich gingen viele dieser jungen Männer anschließend in den Krieg. „Viele kamen nicht zurück. Die Gemeinde musste im Anschluss wieder in Stand gesetzt werden“, berichtet Pauly. „Es waren dann vor allem die Leute, die zurückkamen. Die, die den Markt einfach in denen Genen hatten.“

Den Markt in den Genen hat auch Pauly - genau wie das Gravieren, das sein Urgroßvater schon beherrschte. So verwundert es nicht, dass Pauly 1957 mit dabei war. In diesem Jahr wurde die IVP gegründet. Der Verein, der noch heute hinter dem Maad steht. Wenn Pauly über diese Zeit spricht, wird er nicht müde, die Leistung anderer hervorzuheben. „Was beispielsweise ein Günter Franzmann geleistet hat, ist gar nicht nachvollziehbar“, sagt er.

Auch damals war der Roarer Maad schon ein absolutes Erfolgsprojekt. So viel hat sich bis heute gar nicht geändert. Wenn früher als Hauptgewinn noch ein Kalb für Jubel bei einem glücklichen Loskäufer sorgte, ist es heute eben ein Neuwagen. „Der Markt wurde jedes Jahr etwas größer und besser“, meint Pauly. Schon vor über 50 Jahren hatten die Roarer halt einfach „den Dreh raus“, wie Pauly es nennt und „wenn montags die Prämierung stattfand, standen ohnehin alle Schleifräder still“.

Der Geschichte Erwin Paulys in einem solchen Text gerecht zu werden, ist nicht möglich. Zu viel hat dieser Mann erlebt. Auffällig ist jedoch eines: Seine Geschichte ist unmittelbar mit alldem verbunden, was unsere Region einmalig macht. Als begnadeter Edelsteingraveur überall in der Welt unterwegs, zog es ihn nie endgültig weg aus Veitsrodt. Es ist diese Macht des Marktes, diese Tradition, die Jung und Alt scheinbar magisch an dieses Dorf bindet - das funktioniert bis heute. „Interessant ist ja auch, dass junge Leute mittlerweile die Funktion des Großvaters übernehmen“, bemerkt Pauly mit einem gewissen Stolz. Aber was macht Veitsrodt eigentlich so besonders? „Bei uns geht die Sonne auf, da ist in Idar noch Nebel“, lächelt Pauly. Das ist allerdings bestimmt nur ein kleiner Teil der Wahrheit.

Will man Erwin Pauly in Empörung versetzen, muss man nur eine Frage stellen: Gehen Sie mit 85 Jahren eigentlich noch auf den Markt? „Natürlich! Was ist das bitte für eine Frage?“, antwortet er spürbar empört. Auf den ersten Blick könnte man ja meinen, dass ein unermüdlicher Graveur, der noch heute Delegationen aus Japan empfängt und zig Projekte in der Pipeline hat, mal kürzer tritt.

Aber eigentlich ist diese Frage wirklich Quatsch, wenn man Pauly etwas kennengelernt hat.

Spricht er über die IVP und den Markt, ist immer wieder auffällig, wie sehr er seine Rolle herunterspielt und den Wert der Gemeinschaft betont. Wahrscheinlich ist es das, was den Maad so besonders macht. „Ich bin total stolz auf den Markt, egal wo die Leute hin sind, am Freitagabend sind sie wieder da“, lobt Pauly.

Das gilt übrigens auch für ihn. Wenn jemand zwischen Geschäftsleuten in den USA, Museen in Moskau oder Monarchen aus den Niederlanden beruflich pendelt, könnte man ja schon meinen, dass so jemand mal den Veitsrodter Markt verpasst. Ist das denn schon mal passiert? Pauly muss lange überlegen. „Ja, einmal habe ich den Maad verpasst. Das war vor drei oder vier Jahren, da war ich total krank“, sagt er. „Dafür haben wir dann aber den Herbstmarkt richtig gehalten.“

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