Wenn Max Storr versucht, zu streamen

Unser Autor Max Storr schildert seine Erlebnisse vom Landesliga-Topspiel zwischen dem VfR Baumholder und dem VfR Kirn. Und wie der vermutliche letzte Livestream ordentlich in die Hose ging.

Wenn Max Storr versucht, zu streamen

Bekanntlich ist ja bald Schluss mit Merkurist Idar-Oberstein. Doch bevor wir unsere Pforten endgültig schließen, wollten wir unbedingt noch einen Fußball-Stream machen, diese Liveübertragungen sind in den letzten Jahren schließlich so etwas wie unser Markenzeichen geworden. „Wir machen ihn am besten möglichst früh, es wird schließlich immer kälter“, sagte unser Chef Jan in weiser Voraussicht und wir einigten uns schließlich darauf, die Begegnung zwischen dem VfR Baumholder und dem VfR Kirn als unser letztes Spiel auszutragen. Schließlich sei da Chance auf gutes Wetter immerhin noch theoretisch vorhanden, waren die Worte die mir jetzt noch in den Ohren hallen.

Da ich erst am Freitag aus dem warmen Süden aus dem Urlaub komme, habe ich den Wetterbericht in Deutschland nicht wirklich verfolgt. Ein wohl kalkulierter Schachzug unseres Chefs, mich auf dieses Spiel anzusetzen. Deshalb verzieht sich meine Miene, als ich am Sonntagmittag aus dem Fenster schaue – Regen. Nun gut, ist halt so, denke ich mir und mache ich mit meinem Kameramann, der übrigens am Wochenende sein Debüt gegeben hat, überpünktlich auf den Weg nach Baumholder. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass wir nur überpünktlich waren, weil ich fälschlicherweise gedachte habe, dass die Partie um 15 Uhr und nicht um 15.15 Uhr beginnt. Dennoch: es ist immerhin vorerst unser letzter Stream, da will man noch einmal im Rahmen seiner bescheidenen Möglichkeiten abliefern.

Halbwegs zufrieden bauen wir das Equipment auf, aber meine Stimmung verdunkelt sich schlagartig, weil ich merke, dass ich mit meinem neuen Handy überhaupt nicht zurechtkomme. Das Ding hat sich aus irgendeinem Grund verselbstständig und ist in irgendeinen komischen Modus gewechselt. Zeitweise verliere ich sogar den Glauben daran, dass unser letzter Stream überhaupt stattfinden kann. Unser Experte Florian Meigen, der dann auch irgendwann eintrifft quittiert das mit einem kurzen „Amateure.“ Ein Wort, dass ich den letzten Jahren nicht selten von dem einstigen Assistenten von Fritz von Thurn und Taxis gehört habe. Nunja, die Wahrheit tut halt manchmal weh. Irgendwie schaffen wir es dann doch unsere technischen Probleme zu überwinden und starten unseren Stream ziemlich pünktlich fünf Minuten nach Spielbeginn.

Während mein Ärger über diese dämliche Technik allmählich verfliegt, beginne ich langsam zu spüren, wie toll das Wetter heute wirklich ist - und wie sensationell gut ich mich darauf vorbereitet habe. Bei strömendem Regen und sibirischer Kälte stehe ich in dünnen Schuhen und einer Übergangsjacke am Baumholderer Sportplatz. Obwohl Florian Meigen einen schützenden Regenschirm über uns hält, bin ich schon nach zehn Minuten klatschnass. Während ich also am jammern bin, spielt der VfR Baumholder einen mehr als ansehnlichen Fußball. Allen voran Alex Bambach, der seine Mannschaft mit zwei sensationellen Treffern in Führung schießt.

Meine Laune schießt trotzdem kurz vor der Pause in den Keller, weil unser Stream einfach so abschmiert. Kaum bringe ich den Stream nochmal zum Laufen, schreibt mir Jan, dass der Stream auf dem Kopf steht. Super. Während sich Flo Meigen und mein Kameramann in der Halbzeit im Sportlerheim aufwärmen gehen, verbringe ich die Zeit mit der mittlerweile dritten technischen Inventur an diesem Tag.

Und wieder schaffe ich es, den Stream pünktlich NACH Anpfiff der zweiten Halbzeit zum Laufen zu bringen. Auch, weil meine mittlerweile halb eingefrorenen Finger sich gegen das Tippen wehren. Aber dann läuft es besser - zumindest für den VfR Kirn, der nach kurzer Zeit auf 1:2 verkürzt und das Spiel wieder eine Grundspannung verleiht. Ein großer Dank gilt an dieser Stelle den Jungs von Flo Galle, schließlich lenken spannende Spielverläufe besser von arktischen Temperaturen ab.

Als Retter in letzter Not dient in der zweiten Hälfte Experte Meigen dann nicht nur in Sachen Fußballkompetenz, nein, der Mann hat sogar noch zwei Handschuhe in seiner Tasche, die er selbstlos an mich und meinen Kameramann verteilt. Da stehen wir also, jeder mit einem Handschuh ausgestattet und sehen wie der VfR Kirn zwar weiter bemüht ist, aber im Endeffekt doch keinen Punkt mehr holen kann. 2:1 für den VfR.

Also fehlen nur noch die Trainerinterviews. In der Nachbetrachtung des Videos stelle ich zufrieden fest, dass die zitternde Kameraführung meines durchgefrorenen Kollegen mein eigenes Zittern eindrucksvoll kaschiert. Am Ende freuen sich Baumholders Trainer Sascha Schnell und ich darüber, dass der VfR Baumholder nach anfänglich drei Heimspielniederlagen zum Tabellenführer aufgeschlossen hat. Noch wärmer als dieser Gedanke ist, ist nur noch das von innen beseelende Kirner Stubbi, das ich mir nach dieser Odyssee im Sportlerheim genehmige. Vielleicht mag das jetzt auch alles ein wenig übertrieben klingen- der letzte Merkurist Livestream wird mir trotzdem wohl noch lange in Erinnerung bleiben.

Max Storr

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