Der Modepark, die Skepsis und ich

Der Modepark Röther hat in der Fußgängerzone endlich seine Pforten geöffnet. Unser Reporter Tim-Julian Schneider hat sich am Eröffnungstag einen Eindruck verschafft und wurde positiv überrascht.

Der Modepark, die Skepsis und ich

Als Journalist gehört es zum Beruf, mit einer gesunden Portion Skepsis seine Themen anzugehen. Das gilt auch für den klassischen Uwastehner, der erst einmal mit Vorbehalte Neuerungen in seinem Städtchen entgegensieht. Jetzt bin ich sogar Journalist und Uwastehner in einem, weshalb ich mich mit gemischten Gefühlen zur Eröffnung des Modepark Röthers am Platz auf der Idar in der Obersteiner Fußgängerzone aufmache. Das Projekt ist so heißersehnt, dass es doch eigentlich nicht hochgesteckten Erwartungen in es erfüllen kann, denke ich. Einen Domino-Effekt mit anderen Geschäften und Investoren, erhofft sich beispielsweise Oberbürgermeister Frank Frühauf. Als „Meilenstein und der entscheidende Edelstein unserer Innenstadt“, betitelte er ihn bei seiner Rede zur Eröffnung. Endlich wieder in Oberstein ein bisschen Shopping, ein bisschen Großstadt-Flair, wünschen sich die Nutzer in den sozialen Netzwerken. Sind diese Hoffnungen realistisch? Ich beschließe dem ganzen erst einmal unvoreingenommen gegenüberzutreten.

Doch schon als ich den leichten Anstieg der Fußgängerzone bei angenehmen Temperaturen am Morgen geschafft habe, fällt mir der erste Unterschied auf. Der Platz auf der Idar wirkt elementar anders, an seinem Ende wartet nicht wie in den vergangenen Jahren mit dem Hertie-Gebäude ein Mahnmal des Leerstands, demographischen Rückzugs und der Perspektivlosigkeit, sondern in roten Lettern steht dort in Sonnenlicht getaucht Modepark Röther an einer schmuck wirkenden Fassade. Passanten flanieren am Platz, essen auf einer der Bänke Laugenteile oder trinken in der naheliegenden Bäckerei einen Kaffee.

Ich trete in das Geschäft und muss erst einmal feststellen, dass nicht nur ich an diesem Donnerstagmorgen auf die Idee gekommen bin, mir ein Bild vom Modepark zu machen. In den Gängen herrscht reges Gewusel, an jeder der fünf Kassen haben sich schon fünf meterlange Schlangen gebildet. Von der Treppe ins zweite Geschoss kommt mir Ralf Schiefbahn entgegen, der mit seiner Frau gerade das Geschäft besucht hat. „Ich bin begeistert“, erklärt er mir sichtlich zufrieden. „Man muss endlich nicht mehr wegfahren, um shoppen zu gehen“, erklärt er und hält zum Beweis eine volle Röther-Tüte hoch, in der jeder Kunde im Markt seine Teile zur Anprobe und Kasse transportieren kann. „Meine Dame hat sich schon eingedeckt“, zwinkert er. „Früher mussten wir 30 Euro für ein Zugticket nach Saarbrücken ausgeben, die gesparten Fahrtkosten können wir jetzt halt hier investieren.“

Als ich mir ein Bild von dem Laden mache, beginne ich, Schiefbahns Zufriedenheit zu teilen. Der Modepark ist auf zwei Stockwerken sehr ansprechend gestaltet, dunkle Böden werden durch Holzelemente ergänzt, jeder Markenbereich hat seine eigene individuelle Note. Die weitläufigen Auslagen sind im Loft-Stil gehalten, man spürt an jeder Ecke, dass in jedes Element viel Mühe gesteckt wurde. Ein Umstand, der auch schon für ein Teamgefühl bei den Verkäufern gesorgt hat. „Wir haben im letzten Monat richtig hart gearbeitet“, verrät Renate Walter-Faig, bei der ich meine Kundenkarte erhalte. „Das hat das Team richtig zusammengeschweißt und wir freuen uns, dass jetzt so viel los ist“, zeigt sie sich sichtlich zufrieden.

Auch eine jüngere Zielgruppe will der Modepark wieder ansprechen. Ob das gelungen ist, frage ich Marie Schöpfer und Laura Ebbinghaus, beide Anfang zwanzig, die mir auf dem unteren Stockwerk schon mit vollen Taschen entgegenkommen. „Es sind gute Marken da und es ist für jede Altersklasse was dabei“, findet Marie und Laura stimmt ihr zu: „Wir haben viele moderne Sachen gefunden und auch junge Mode.“ Beide werden dem Geschäft nun wohl häufiger einen Besuch abstatten und verbinden damit auch eine Hoffnung: „Vielleicht ist dadurch ja jetzt wieder mehr in der Stadt los.“

Im Bereich der Männermode habe ich dann einen eigenen selbstlosen Versuch gewagt und auf Anhieb zwei T-Shirts und zwei Pullis gefunden, die ich mich nach einer kurzen Anprobe entschlossen habe zu kaufen. Jack&Jones, s.Oliver, Tom Tailor - das sind auch die Geschäfte, die ich in meiner Wahlheimat Mainz aufsuche, wenn der Kleiderschrank mal wieder aufgefüllt werden muss, hier gibt es die Auswahl unter einem Dach. Jetzt muss ich nur noch abklären, ob ich die Teile meinem Chef in Rechnung stellen darf, schließlich geschah das alles im Dienste dieses Artikels.

Im Gespräch mit anderen männlichen Besuchern ist das Fazit überwiegend positiv, lediglich das Fehlen von Sportklamotten für Herren wird ein wenig moniert. „Insgesamt ist die Auswahl sehr gut“, bestätigt Michael Stützel aus Oberstein. „Der Modepark ist schön aufgebaut und hat viele hochwertige Marken zu einem fairen Preis im Sortiment.“

Ich kämpfe mich zurück zur Kasse, wo sich in fünf Reihen meterlange Schlangen gebildet haben. Sage und schreibe zwanzig Minuten stehe ich dort an und freue mich irgendwie darüber. Es ist für die Eröffnung kein schlechtes Zeichen. Vor mir poltert ein älterer Herr beim Bezahlen los: „Das war das letzte Mal, dass ich bei euch war! So viel los, da kriegt man ja den Kollaps.“ Ich muss schmunzeln. Es gibt ihn also doch noch, den nörgelnden Uwastehner. Auf diesen Kunden wird der Modepark in Zukunft vielleicht verzichten müssen. Auf mich muss er das nicht nicht. Meine Skepsis ist verflogen.

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