Von Elektroautos und (keinen) Zügen

Personennahverkehr extrem: So fühlte sich der vergangene Mittwoch zumindest für mich an. Dabei wollte ich eigentlich nur mit dem Zug nach Idar-Oberstein fahren, um dann mit einem Elektroauto ein paar Termine zu erledigen. Hat so mittel geklappt.

Von Elektroautos und (keinen) Zügen

Dabei war mein Plan ziemlich gut: Auf meiner Arbeit in Mainz habe ich mir einen Tag frei genommen. Ich hatte mit der OIE im Rahmen unserer Partnerschaft vereinbart, mal das ECar Sharing zu testen. Bisschen Elektroauto durch die Stadt fahren und dann noch auf der Vernissage zu 120 Jahre OIE vorbeischauen, klang eigentlich easy.

Da es immer superschwierig für mich ist unter der Woche Termine im Kreis Birkenfeld wahrzunehmen, dachte ich, ich sei clever und verbinde das Ganze mit einem Besuch bei der Wirtschaftsförderung des Landkreis Birkenfeld. Auch dort hatte ich noch einiges zu besprechen.

Soweit so gut: Ich fand den Plan nicht schlecht. Die einzige Variable, die diesen sehr effizienten Nachmittag gefährden konnte, war die Zugverbindung Mainz - Idar-Oberstein. Ich hatte mich vorab auf der (sehr guten) Seite Merkurist Idar-Oberstein und in der App der Deutschen Bahn informiert. Okay, die Baustelle in Staudernheim wurde verlängert und ja, es gibt einen Schienenersatzverkehr. Aber an sich klang das alles so, als sei das Problem für (naive) Pendler (wie mich) überschaubar.

Also stieg ich mit einem (im Nachhinein) doch relativ knapp bemessenen Zeitpuffer in die vlexx am Mainzer Hauptbahnhof ein. In der Bahn stand ein sehr netter Mitarbeiter Rede und Antwort. Die Gäste bekamen super erklärt, dass wir in Bad Münster einfach in einen Bus steigen müssen. Dieser fahre uns nach Staudernheim und da käme dann auch der Ersatzzug nach Idar-Oberstein. Klang ziemlich gut. Dachte ich.

Das lief dann auch soweit und ich war der festen Überzeugung, dass mein Zeitpuffer doch extrem souverän geplant war. Als wir dann im Bus nach Staudernheim saßen und dieser plötzlich durch Dörfer fuhr, deren Existenz mir vorher nicht bekannt war, wurde ich zum ersten Mal etwas nervös. Aber der Zug in Staudernheim kommt ja dann relativ zügig, dann passt das alles noch. Dachte ich.

Unsere zwei Busse umfassende Reisegruppe kam dann - so zumindest mein Eindruck - einigermaßen gut gelaunt am Bahnsteig in Staudernheim an. Jetzt wartet da ein vlexx-Mitarbeiter, der das wieder gut erklärt und dann gehts auch schon weiter. Dachte ich.

Einen vlexx-Mitarbeiter gab es nicht. Dafür einen schriftlichten Fahrplan, der allerdings von der elektronischen Anzeige, die irgendetwas von „Zug fällt aus“ erzählte, konterkariert wurde. Ja, okay die Anzeige funktioniert nicht, das hatte ich vorher auch gelesen, dass das so sein könnte. Aber der Zug kommt ja gleich oder zumindest in der nächsten halben Stunde. Dachte ich.

So ca. 20 Minuten später war wahrscheinlich jedem (außer den besonders naiven Pendlern wie mir) klar, dass das noch etwas länger dauert. Ich rief also zum ersten Mal in bei der Wirtschaftsförderung an. Wird später bei mir. Keine Ahnung wie viel später. Aber ich komme auf jeden Fall noch. Habe mir ja extra frei genommen. Wird schon irgendwie trotzdem hinhauen mit unserem Termin. Dachte ich.

Weitere rund 30 Minuten später saß ich dann tatsächlich in einem Zug. Eigentlich hätte ich in zehn Minuten in Birkenfeld sitzen sollen, um wirklich wichtige Gespräche zu führen. Ich war aber immer noch in Staudernheim. Der Zug fuhr los. Hielt allerdings wirklich überall. Diese Information war der (sehr guten) Seite Merkurist Idar-Oberstein zu entnehmen gewesen. Habe ich überlesen. Ich Idiot. Dachte ich.

Naja, um 16.30 Uhr war ich dann am Bahnhof in Idar-Oberstein (vor einer halben Stunde hätte ich eigentlich in Birkenfeld sein sollen). Nach gefühlten 17 Telefonaten hatte ich ausgemacht einfach trotzdem noch vorbeizukommen. Jetzt nur noch schnell ins Elektroauto der OIE. Das ist bestimmt ganz einfach. Dachte ich.

Und es war wirklich einfach. Ein erstes kleines Erfolgserlebnis an diesem Tag. Auto mit meiner Karte freigeschaltet, Schlüssel geschnappt, Ladekabel von der Säule getrennt, verstaut und Abfahrt. Ich fuhr los und hatte Spaß. Das Auto ließ sich super fahren. Aber ist diese Warnanzeige im Cockpit normal? Wahrscheinlich nicht. Befürchtete ich.

Also mal lieber rechts ranfahren - ich war ja erst viel zu spät. Ah, war nur die Tankkappe, nochmal richtig verschließen und weiter gehts. In Birkenfeld angekommen, wars dann fast schon dunkel. Schöne Scheiße, das wären wichtige Gespräche gewesen. Voll verkackt. Dachte ich leicht panisch.

So war es aber nicht. Michael Dietz hatte dennoch noch lange Zeit für mich und unser Gespräch lief super. Glück gehabt. Und die Rückfahrt mit dem Elektroauto zur Vernissage der OIE lief auch super. Selbst das Zurückgeben des Autos am Bahnhof an der Ladesäule war super einfach. Mit meiner Insta-Story und dem Video für Facebook war ich auch einigermaßen zufrieden. Und jetzt werde ich sogar mit dem Auto nach Bad Kreuznach gefahren, um dann von dort ganz entspannt und störungsfrei mit dem Zug nach Mainz zu düsen. Am Ende war das ja doch alles ziemlich cool. Dachte ich.

Der Zug in Bad Kreuznach kam pünktlich. Fuhr planmäßig ab und nach Mainz waren es ja auch nur zwei Stationen. Alles easy. Dachte ich.

Dann kam die Durchsage, dass wir in Gau Algesheim (oder so) außerplanmäßig halten und erstmal nicht weiterfahren werden. Warum? Weiß niemand. Wie lange? Haha, woher soll das denn irgendjemand wissen. Zumindest waren wieder sehr nette Mitarbeiter im Zug, die uns auf dem Laufenden hielten. Allerdings hatten die genauso wenig Infos wie wir alle. Und so standen wir. 10 Minuten, 20 Minuten, 30 Minuten, 45 Minuten. Und dann ging es weiter. Freude.

Ich brauchte also doch nur etwas mehr als eine Stunde von Bad Kreuznach nach Mainz. Dieser Personennahverkehr ist dann doch manchmal ein Abenteuer. Aber an sich hat das mit den Terminen ja ganz gut geklappt. Dachte ich.

Jan Schüßler

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