Uwe Hartenberger beim SC Idar-Oberstein: Sechs Monate zum Vergessen

„Ich bin mir sicher, dass wir im Jahr 2019 eine andere Mannschaft erleben werden. Dafür werde ich meine Hand ins Feuer legen.“

Uwe Hartenberger beim SC Idar-Oberstein: Sechs Monate zum Vergessen

Mit diesen Worten verabschiedete Uwe Hartenberger die Fans des SC Idar-Oberstein nach dem 4:2-Erfolg gegen den FV Engers in die Winterpause.

Eine Kampfansage, die den Verein für einen langen und schwierigen Abstiegskampf einschwören sollte, aber durch die vergangenen sechs Monate einen beißenden Nachgeschmack bekommen hat. Tatsächlich sollte dieser Sieg gegen Engers der einzige in der bisherigen Amtszeit Hartenbergers bleiben. Der Verein wird in die Verbandsliga absteigen und die Bilanz des Trainers ist auf mehreren Ebenen zu hinterfragen.

Die sportliche Bilanz

Hartenberger gelang in 15 Spielen als Trainer nur ein einziger Sieg. Die Mannschaft ging insgesamt elfmal als Verlierer vom Platz und sammelte unter seiner Führung sechs Punkte. Das macht einen Schnitt von 0,4 Punkten. Eine desaströse Bilanz für den hauptamtlichen Trainer und Sportlichen Leiter. Zum Vergleich: Selbst Hartenbergers Vorgänger Murat Yasar, der aufgrund der anhaltenden Erfolglosigkeit gehen musste, kam auf einen Punkteschnitt von 0,75.

Das sagt Uwe Hartenberger: „Wir hätten 12 bis 15 Punkte mehr holen müssen. Ich habe natürlich auch schuld an der Bilanz, aber es sind Dinge gelaufen, die ich nicht erzählen darf. Gleichwohl habe ich die Situation unterschätzt: Ich hatte die Mannschaft vorher fünfmal gesehen und dachte, es sei leichter das Ruder rumzureißen.“

Das Wintertransferfenster

Viel Wirbel gab es um den Wechsel von Justus Klein im Winter zur zweiten Mannschaft des 1. FC Kaiserslautern. Hartenberger hatte dem Wechsel des besten Idarer Torschützen eine klare Absage erteilt. Klein verließ den Verein trotzdem. Hartenberger kritisierte darauf öffentlich die Entscheidung des Vorstands: „Der Verein hat das gegen meinen sportlichen Willen entschieden. Eigentlich kommt es einem sportlichen Selbstmord gleich, wenn man seinen wichtigsten Stürmer in der Winterpause abgibt.“

Klein sollte nicht der einzige Winter-Abgang bleiben. Hartenberger versuchte, gegenzusteuern. In Heroid Gjoshi, Filip Krchnak, Valentin Jäkel und Patrik Ondra verpflichtete er gleich vier neue Spieler, doch keiner von den Neuen konnte dem Verein wirklich weiterhelfen. Ondra und Krchnak waren – trotz Vertrags bis Saisonende – nach wenigen Wochen schon wieder weg. Jäkel und Gjoshi sind zwar noch da, die Abgänge auffangen konnten sie allerdings nicht.

Das sagt Hartenberger: „Der Abgang von Justus Klein und die Verletzung von Christian Henn waren Hiobsbotschaften. Ich musste handeln und tat das gegen meine Prinzipien, Spieler aus der Region zu verpflichten. Die Spieler, die kamen, waren vorbelastet, weil sie vorher kaum spielten. Diese Wechsel sind aber auch durch mein Kontaktnetz zustande gekommen.“

Kommentar von Max Storr zum SC Idar-Oberstein

Die Abgänge

Apropos Abgänge: Der SC steht vor einem kolossalen Umbruch. Zahlreiche Spieler mit Stallgeruch werden den Verein am Saisonende verlassen. Manche von ihnen auch aufgrund des Trainers. Öffentlich sprechen darüber zwei Spieler.

Neben Marius Gedratis betont auch SC-Eigengewächs Stanislaw Gonscharik, dass er den Verein wegen Hartenberger verlässt. „Ich musste mich in der Vorbereitung einer Operation an der Nase unterziehen und konnte deshalb zwei Wochen nicht mehr trainieren. Uwe Hartenberger hatte das nicht akzeptiert und wollte, dass ich den Eingriff zu einem anderen Zeitpunkt machen lasse. Im Anschluss hat er mich dann nicht mehr berücksichtigt. Ich habe mich daraufhin entschieden, nur noch für die zweite Mannschaft zu spielen und den Verein am Saisonende zu verlassen“, sagt Gonscharik.

Das sagt Hartenberger: „Es ist doch nachvollziehbar, dass Spieler, die bei mir nicht zum Einsatz kamen, den Verein verlassen werden.“

Die Neuzugänge

Hartenbergers Netzwerk ist offenbar nahezu auf den SV Morbach beschränkt. In Martin Schultheis, Yannik Kerzan, Marius Botiseriu, Pascal Zurgheisel und Lukas Gibbert wechseln fünf Spieler des aktuellen Kaders nach Idar-Oberstein. Die drei Erstgenannten sind Stammspieler beim Rheinlandliga-Spitzenteam, Zurgheisel ist Ergänzungspieler und Gibbert hat in dieser Spielzeit noch kein Spiel für die Morbacher Erste bestritten. Neuzugang Niklas Baus ist A-Junior beim zehntplatzierten Regionalligsten FC Homburg und André Spengler kommt aus der Kreisliga B.

Gleichzeitig verliert der SC Idar-Oberstein namenhafte Akteure wie Christoph Schunck, André Thom oder Andreas Forster, die hunderte Oberligaspiele absolvierten. Auch einige Eigengewächse werden gehen. Mittlerweile steht wohl auch Dennis Schörder vor dem Absprung. Christian Henn wird zwar bleiben, ob der Routinier aber überhaupt noch einmal auf das Feld zurückkehren kann, ist offen. Zu schwer wiegen seine Verletzungen.

Die Idarer dürften es mit dem derzeitigen Personal schwer haben, in der kommenden Saison eine gewichtige Rolle in der Verbandsliga zu spielen.

Das sagt Hartenberger: „Es werden noch zwei bis drei Spieler für die Defensive gesucht, ansonsten sind die Planungen abgeschlossen. Wir werden eine hochtalentierte Mannschaft mit regionalen Spielern stellen.“

Der Fall Marius Gedratis

Auch Marius Gedratis verlässt den Verein und geht zur SG Meisenheim zurück. Auslöser war die Bitte von Gedratis, am Junggesellenabschied seines Cousins teilnehmen zu dürfen. Gedratis stellte die Anfrage bei seinem Trainer noch vor Beginn der Vorbereitung auf die Rückrunde. Hartenberger willigte laut Gedratis ein.

Der Junggesellenabschied fand an einem Wochenende statt, an dem der SC Idar-Oberstein ein Vorbereitungsspiel austrug. Gedratis nahm wie abgesprochen am Junggesellenabschied teil. Hartenberger suspendierte Gedratis daraufhin für das kommende Testspiel und das erste Pflichtspiel gegen Arminia Ludwigshafen und sagte gegenüber der Nahe-Zeitung, dass Gedratis sich „eine Dummheit“ geleistet hätte. Der Fall landete sogar beim Vorstand. Einige Wochen später verkündete Gedratis seinen Wechsel nach Meisenheim und nannte Trainer Hartenberger ausdrücklich als Grund für seinen Abgang.

Das sagt Hartenberger: „Er hatte mich das im Dezember gefragt, ich sagte: Er müsse das selber wissen. Dass ein Spieler in dieser Situation einen Junggesellenabschied vorzieht, sagt alles über die Einstellung des Spielers. Deshalb war es auch legitim, ihn zu suspendieren.“

Wie geht’s weiter?

Selbstbewusst. Zumindest, wenn man Hartenberger zuhört, der ankündigt: „In zwei Jahren steigen wir wieder in die Oberliga auf.“

Max Storr und Jan Schüßler

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