Inkasso-Betrüger auch in Frankfurt aktiv

Mit Anrufen und Briefen versuchen Inkasso-Betrüger die Empfänger zum Zahlen zu bewegen. Auch einer Merkurist-Leserin ist das passiert. Was Betroffene in solchen Fällen tun können.

Inkasso-Betrüger auch in Frankfurt aktiv

Als Merkurist-Leserin Beate vor zwei Wochen ans Telefon geht, meldet sich ein Inkasso-Unternehmen. Mit unterdrückter Nummer wird sie von einem Mann aufgefordert, Schulden von einem Gewinnspiel nachzuzahlen. „Ich habe ihn nicht weiter reden lassen, weil ich mir schon dachte, dass das wieder eine Betrugsmasche ist“, sagt sie. Sie legt auf.

Am nächsten Tag bekommt sie ein Mahnschreiben per Post, ebenfalls von einem Inkasso-Unternehmen. Dem Brief von „Finance Inkasso“, der mit Schreib- und Kommafehlern gespickt ist, hängt ein Überweisungsträger an ein litauisches Konto des „Finance Shopcenters“ an.

Bekannte Masche der Inkasso-Betrüger

290 Euro soll Beate innerhalb der kommenden drei Tage zahlen, als Sonderangebot bei angeblichen 760 Euro Schulden. Danach werde sie aus „allen Online-Systemen gelöscht“ und könne nicht mehr „von Gewinnspielverbänden oder Unternehmen mit Werbekampagnen kontaktiert werden“. Beate zahlt nicht, im Netz hat sie bereits eine Warnung vor den immer unter anderen Namen auftretenden Betrügern gefunden. Doch die Anrufe hören nicht auf.

„Diese Masche ist seit Jahren bekannt.“ - Chantal Emch, Sprecherin der Polizei Frankfurt

Chantal Emch, Pressesprecherin der Frankfurter Polizei, kennt solche Fälle. „Diese Masche ist seit Jahren bekannt“, sagt sie. „Indem sich die Täter als Inkasso-Unternehmen ausgeben, erhöht sich der Druck auf die Opfer, sodass diese nicht selten der Zahlungsaufforderung nachkommen.“ Das Vorgehen unterscheide sich allerdings immer wieder. So geben sich manche Täter beispielsweise als Anwälte aus, um seriös zu wirken.

So sollen sich Betroffene verhalten

Wie Beate erzählt, habe die Polizei ihr gegenüber gesagt, dass es wenig Sinn mache, die Täter zu verfolgen, da das Konto im Ausland läge. „Der Ermittlungserfolg ist grundsätzlich von verschiedenen Parametern abhängig und ist in jedem Einzelfall neu zu bewerten“, sagt Emch dazu. Wenn die Täter aus dem Ausland heraus agierten, sei eine Verfolgung gegebenenfalls nur unter erschwerten Bedingungen möglich. „Dies kann beispielsweise dann gegeben sein, wenn zwischen dem anderen Land und Deutschland kein Rechtshilfeabkommen besteht“, erklärt Emch.

Trotzdem rät die Frankfurter Polizei Betroffenen, schnell Anzeige zu erstatten, wenn ihnen sowas passiert. „So können umgehend Ermittlungen eingeleitet werden und mögliche weitere Opfer rechtzeitig gewarnt werden, sodass im besten Fall weitere Straftaten verhindert werden können“, sagt Emch.

„Die Täter erhöhen den Druck in der Regel, indem sie wiederkehrend Schreiben versenden.“ - Chantal Emch, Sprecherin der Polizei Frankfurt

Und: Wer solche Zahlungsaufforderungen erhält, sollte auf keinen Fall bezahlen. „Die Täter erhöhen den Druck in der Regel, indem sie wiederkehrend Schreiben versenden und sich das vermeintlich drohende Übel bei einer Nichtzahlung mit jedem Brief und mit jeder E-Mail steigert“, so Emch.

Oft würden die Opfer dann nachgeben, um Ruhe zu haben. „Davon raten wir jedoch dringend ab“, sagt die Sprecherin. „Denn nicht selten werden die Gelder auf ausländische Konten überwiesen, sodass eine Sicherstellung im Nachhinein nur unter erschwerten Bedingungen möglich oder nicht mehr möglich ist.“ (nm)

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