Kritik an Mietpreisen für geplante Wohnungen in der Freiligrathstraße

Ende des kommenden Jahres beginnt die Nassauische Heimstätte mit dem Bau von 54 Wohnungen unweit der U-Bahn-Station Bornheim Mitte. Doch die geplante Kaltmiete von 13,50 Euro den Quadratmeter macht nicht jeden glücklich.

Kritik an Mietpreisen für geplante Wohnungen in der Freiligrathstraße

„Frankfurt, dein Wohnungsmarkt ist einfach nur abgefucked.“ Mit diesem Tweet vom 18. Januar beginnt Alexandra Pater, Wahl-Frankfurterin und Schatzmeisterin der Grünen Jugend, die unter @verdachtsmoment twittert, einen längeren Bericht über ihre Erfahrungen bei der Wohnungssuche. Begleitet von einem Foto, das zeigt, wie viele Leute bei dieser Besichtigung eingeladen wurden, kommentiert sie: „Eine Frau sollte dem Vormieter das gesamte Mobiliar abkaufen – inklusive Boden. Abschlag insgesamt: 15.000 Euro. Sie ist dann lieber erstmal durch Neuseeland gereist.“

Wohnungsmangel, Mietpreise, steigende Popularität der Stadt – es sind die altbekannten Themen in Frankfurt. Wohnungsgesellschaften wie die Nassauische Heimstätte sollen dafür sorgen, dass Menschen mit geringerem Einkommen bezahlbarer Wohnraum nicht verwehrt bleibt. Doch auch die Nassauische geht mit der Zeit.

13,50 Euro den Quadratmeter – angemessen oder zu hoch?

Die Wohnbaugesellschaft kündigte an, in einem leerstehenden Gebäude in der Freiligrathstraße 35-39 zwischen der Mainkurstraße und der Wittelsbacherallee, dem ehemaligen Sozialkaufhaus der Caritas und Diakonie, insgesamt 54 neue Wohnungen zu bauen. „Die Wohnungen werden zwei bis vier Zimmer haben und zwischen 61 und 115 Quadratmeter groß sein“, sagt Frederik Lang von der Nassauischen Heimstätte. Sie sollen außerdem mit Terrassen oder Balkons ausgestattet werden; die Kaltmiete wird 13,50 Euro den Quadratmeter betragen. Der Baubeginn, so Lang, sei für Ende 2019, die Fertigstellung zwei Jahre später geplant. „Ab wann Bewerbungen möglich sind, kann zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht gesagt werden“, fügt er hinzu.

13,50 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter ist für diese Wohngegend nicht ungewöhnlich. Kritik an der Nassauischen gibt es dennoch. Im Dezember 2013 wurde die Nachbarschaftsinitiative NBO (Nordend/Bornheim/Ostend) gegründet, die zum Ziel hat, sich gegenseitig zu unterstützen, wenn es um die Vertreibung von Mietern und die Umwandlung in Eigentumswohnungen geht. Michael Boedecker, langjähriges Mitglied der NBO, steht den geplanten Wohnungen in der Freiligrathstraße skeptisch gegenüber. „Die Frage ist doch, für wen da gebaut wird“, so Boedecker. „Die Nassauische ist ein Unternehmen in öffentlicher Hand und hat einen sozialen Auftrag. Ich persönlich habe kein Verständnis dafür, dass kein geförderter Wohnraum gebaut wird.“

Michael Boedecker rechnet vor: Mit Inanspruchnahme zusätzlicher Fördermittel würde die Miete auf 10,50 Euro pro Quadratmeter sinken, bei richtigen Sozialwohnungen sogar darunterliegen. „Im Vergleich zu den neuen Gebäuden im Ostend, die 15, 16 Euro kosten, ist das natürlich günstiger. Die Mehrheit der Frankfurter kann sich diese Miete, die ja nur die Kaltmiete ist, trotzdem nicht leisten.“ Gerade in dieser Gegend, in der hochpreisig gebaut wird, sei ein Kontrapunkt seitens eines öffentlichen Trägers besonders sinnvoll.

Die Nassauische Heimstätte begründet den Quadratmeterpreis damit, dass der Eigentümer des Areals, der Evangelische Regionalverband, einen hohen Erbbauzins verlangt habe. „Wenn das stimmt, ist das ein Skandal“, sagt Michael Boedecker mit Nachdruck. „Dann hätten wir zwei Träger, die ihrem eigentlich sozialen Auftrag nicht nachkommen.“

Gelassenheit beim Ortsvorsteher

Der Vorsteher des Ortsbeirats 4, Hermann Steib von den Grünen, sieht dies gelassener. „Ich möchte erstmal vorausschicken, dass es schade ist, dass der Kleider- und Möbelmarkt nach Enkheim umziehen musste. Ich bin ein Freund von Nutzmischung im Stadtteil und deswegen ist es bedauerlich, wenn sich die Gegend zu einem reinen Wohngebiet entwickelt. Aber so ist das jetzt nun mal.“ Generell sei es zu begrüßen, dass Wohnungen gebaut werden. „Wenn ich die Lage richtig einschätze, hätte man den Mietpreis kaum billiger setzen können; er ist immer noch am Markt orientiert und gemessen an dem, was man sonst in der Zeitung liest, nicht absurd hoch“, so Steib. „Man hofft doch immer auf mehr Wohnungen – und hier werden welche errichtet, die nicht völlig überteuert sind.“

Um die Quote des geförderten Wohnraums zu erfüllen, baue die Nassauische schließlich Sozialwohnungen in Griesheim. Den Kritikpunkten einiger Bürger und Politiker, die geplanten Wohnungen seien nicht behindertengerecht und ohne Passivhausstandard, hält der Ortsvorsteher entgegen, dass die in Deutschland gängigen baulichen Richtlinien zum Energiesparen umgesetzt werden. „Außerdem muss man bedenken: Der Mietpreis würde durch solche Maßnahmen weiter steigen.“

Samstag: Infostand zur Nassauischen Heimstätte im Ostend

Die Initiative NBO hat für diesen Samstag, den 03. Februar, von 11 bis 13 Uhr im Nachbarschaftszentrum Ost in der Waldschmidtstraße 39 einen Infostand organisiert, bei dem auch die Kandidaten der Oberbürgermeisterwahl erwartet werden. Mieter der Wohnungen in der Thüringer Straße und Wittelsbacherallee beklagen sich über die Mietpreiserhöhungen durch die Nassauische Heimstätte und fordern, diese auf maximal ein Prozent pro Jahr zu begrenzen. Michael Boedecker lädt zudem alle Anwohner ein, zum wöchentlichen Treffen der NBO, das jeden Montag ab 18 Uhr im Pavillon der Seniorenwohnanlage Burgblock in der Eichwaldstraße 71 abgehalten wird, zu kommen.

Die Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte/Wohnstadt hat derzeit rund 60.000 Wohnungen in ihrem Bestand, davon 16.000 in Frankfurt. In den nächsten fünf Jahren werden 4.900 Wohnungen dazukommen, im Frankfurter Stadtgebiet selbst entstehen ungefähr 2.000 Wohneinheiten. Das ist leider nicht viel mehr als der sprichwörtliche Tropfen auf dem heißen Stein: Allein die Deutsche Bank plant, weitere 4.000 Mitarbeiter nach Frankfurt abzuziehen. In drei Wochen ist OB-Wahl. Ob die Politik an dem katastrophalen Wohnungsmarkt in der Stadt grundlegend etwas ändern kann, bleibt allerdings abzuwarten.

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