Neue Pläne fürs Innovationsquartier

Das neue Viertel im Nordend ist seit mehreren Jahren in Planung. Nach massiver Kritik von Umweltschützern und Anwohnern wurden nun neue Bebauungspläne vorgestellt. Viele Fragen bleiben trotzdem offen.

Neue Pläne fürs Innovationsquartier

Das Innovationsviertel im Frankfurter Nordend ist bereits seit Jahren in Planung. Am vergangenen Donnerstag wurde im Rahmen der Sitzung des Ortsbeirates 3 (Nordend) bekanntgegeben, welche Änderungen das Planungsdezernat vorschlägt. „Das ist eine Vorabinformation“, betont die Ortsvorsteherin Karin Guder (Die Grünen). Beschlossen wurde an dem Abend noch nichts. Bis zu einer endgültigen Entscheidung wird es noch dauern.

Über die möglichen Änderungen sprach am Donnerstag Planungsdezernent Mike Josef (SPD). Der überarbeitete strategische Planungsansatz sehe vor, den Günthersburgpark langfristig zu erweitern. Dieser solle mittelfristig auch durch die Stadtgärtnerei vergrößert werden. Des Weiteren soll es ein „Klimaresilientes Quartier“ mit 1320 in sich abgeschlossenen Wohnungen geben. Zusätzlich kommen direkt unterhalb dieses Quartiers noch circa 190 Wohnungen dazu. Gleichzeitig sollen mehr Geschäfte entstehen und das Kleingewerbe in der Hunger Straße gesichert werden.

Kritik und Bedenken

Unter anderem die Mitglieder der „Bürgerinitiative für den Erhalt der Grünen Lunge am Günthersburgpark (BIEGL Günthersburgpark) e. V.“ kritisieren, dass das Innovationsquartier einen negativen Einfluss auf das Stadtklima haben wird, liegt es doch mitten in einer Kalt- und Frischluftschneise der Stadt.

„Die Grüne Lunge wirkt als Kältepuffer der zunehmenden Erwärmung der Stadt.“ - BIEGL Günthersburgpark

Die Grüne Lunge am Günthersburgpark wirkt laut der Bürgerinitiative „als Kältepuffer der zunehmenden Erwärmung der nördlichen Stadtteile und der Innenstadt“, wie es auf deren Webseite heißt, und müsse daher erhalten werden. Peter Beckmann, stellvertretender Vorsitzender der Bürgerinitiative war bei der Präsentation der neuen Pläne am vergangenen Donnerstag dabei. So neu seien die Pläne gar nicht. Einzig neu sei das „Zugeständnis der Verbindung zwischen Wasserpark und Günthersburgpark“, die 70 Meter breit ist. „Für diesen Grünstreifen werden bereits existierende Ökosysteme, bestehend aus Bäumen und Gärten, zerstört“, sagt Beckmann. Grundsätzlich sieht er es kritisch, dass sozialer Wohnungsbau gegen Umweltschutz und den Erhalt der Natur gegeneinander ausgespielt werden.

Stadt beteuert Notwendigkeit von Wohnungen

Die Stadt hält wiederum dagegen. „Wir brauchen diesen Raum für den Bau von Wohnungen“, sagt Mark Gellert, Sprecher des Planungsdezernats. Gegen eine Erwärmung des Stadtklimas und zusätzliche Hitzebelastung wollen die Verantwortlichen des Planungsdezernats mit der Änderung des Bebauungsplans und der Vergrößerung der Grünflächen vorgehen: Aktuell ist der Günthersburgpark zehn Hektar groß, der angrenzende Abenteuerspielplatz 0,6 Hektar. Dazu kommen laut dem Planungsdezernat die Erweiterung der Stadtgärtnerei um 2,1 Hektar, des Günthersburgparks um 1,5 Hektar, des Grünzuges südlich des geplanten Wohnquartiers um 1,3 Hektar und der Gartenflächen um 1,6 Hektar - das entspricht 80 Gärten à 200 Quadratmeter. Insgesamt komme man so auf eine Grünfläche von 17,1 Hektar, plus der langfristigen Parkerweiterung um drei Hektar. Hinsichtlich der Ausgestaltung und Dimensionierung dienten etwa der Grünzug Fechenheim, der Grünzug „Gartenpark“ in Bad Nauheim sowie das Licht- und Luftbad Niederrad als beispielhafte Projekte.

Laut Stadt entstehen nicht nur Luxuswohnungen

Manche Frankfurter befürchten, dass in dem Innovationsquartiers an der Friedberger Landstraße nur Luxuswohnungen entstünden. Auch hier argumentiert Gellert dagegen: „Wir haben eine Regelung, dass bei neuen Baugebieten 30 Prozent der Wohnfläche geförderter Wohnraum sein werden.“ Das bedeutet laut Gellert, dass Menschen, deren Einkommen bestimmte Grenzen nicht überschreitet, die Wohnungen vergünstigt mieten können. 15 Prozent sind sozialer Wohnungsbau in Form von Sozialwohnungen, weitere 15 Prozent für Menschen aus der Mittelschicht. Wenn die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG Holding GmbH die Wohnungen baut, soll der Anteil des geförderten Wohnraumes 40 Prozent betragen. Gellert betont: „Wir wollen gar keinen zu 100 Prozent geförderten Wohnraum.“ Vielmehr sollen sozial gemischte Quartiere entstehen. „Das ist doch der Idealfall“, ergänzt er.

„Wir wollen kein 08/15-Quartier.“ - Mark Gellert

Was ist jedoch so innovativ am Innovationsquartier? „Bisher haben wir nur ein paar Dinge definiert, wie moderne Wohnformen - etwa mit gemeinschaftlichem Wohnen - und Mobilität“, sagt Gellert. Die Bewohner sollen, soweit wie möglich, auf ihr Auto verzichten können und eine Anbindung an die öffentlichen Nahverkehrsmittel soll geprüft werden, heißt es dazu im Vortrag des Magistrats vom 22.04.2016. Genaueres zum „Innovativen“ wurde nicht genannt. Kurz gesagt: Es ist noch nichts abschließend festgelegt, aber fest steht, dass das Innovationsquartier „nicht nur modern, sondern auch innovativ werden soll“, so Gellert. „Wir wollen kein 08/15-Quartier“, stellt er klar.

Bürgerversammlung im Februar oder März

Die Umstrukturierung und Bebauung des Innovationsquartiers sind komplexe Projekte, welche die Zuständigen und Beteiligten wohl noch eine Weile beschäftigen werden. „Es muss erst mal der Aufstellungsbeschluss beschlossen werden“, sagt Gellert. Damit wäre der Startschuss für den Bebauungsplan gegeben. Ortvorsteherin Karin Guder weist auf die kommende Ortsbeiratssitzung am 16. Februar um 19:30 Uhr, in der Astrid-Lindgren-Schule (Platenstraße 75, Aula, 1. OG) hin, bei der das Innovationsquartier ebenfalls Thema sein wird. Des Weiteren wird es laut Guder im Februar oder im März eine Bürgerversammlung geben.

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