Eintracht-Fans: Bembel in der Wüste, Adler am Pazifik, Exoten in Offenbach

Es ist nicht ungewöhnlich, Eintrachttrikots in der Stadt zu sichten. Dass die Liebe zum Verein aber über Landesgrenzen hinausgeht, zeigen mehrere Fanclubs der Eintracht. Merkurist hat zwei von ihnen aufgespürt.

Eintracht-Fans: Bembel in der Wüste, Adler am Pazifik, Exoten in Offenbach

Ab September darf sich die Eintracht in der Euro League mit europäischen Topklubs messen. Doch dabei ist nicht nur der Wettkampf auf dem Feld von internationalem Flair geprägt - auch tummeln sich Eintrachtfans aus allen Ecken der Welt auf den Rängen im Stadion. Bis man aber alle Fans weltweit ausfindig gemacht hat, kann eine beträchtliche Zeit vergehen. Denn man findet Menschen, die den Adler im Herzen tragen, wirklich in allen Ecken der Welt.

Merkurist hat mit zwei Fanclubs gesprochen, die das Motto „Eintracht Frankfurt international“ wirklich leben. Zudem gibt uns der Fanbeauftragte André Roth einen Überblick über die Szene.

Die Fanszene der SGE

Die Anzahl der offiziellen Eintracht-Fanclubs (EFC) ist mit circa 950 erstaunlich groß und die Dichte an EFCs aus dem Stadtgebiet sei hoch, dafür hätten sie eine geringere Mitgliederzahl. „Der mitgliederstärkste EFC kommt aus Stadtallendorf und hat 780 Mitglieder“, sagt Roth und bestärkt den Eindruck, wie sehr der Verein Fans anzieht. Egal, ob hierzulande oder am Ende der Welt. Der EFC, der am weitesten von Frankfurt entfernt sei, wäre der EFC Pazifik in Kalifornien. 9000 Kilometer vom Stadtwald entfernt haben Fans der SGE eine große Community für amerikanische Adlerträger eingerichtet.

„Das dürften unsere sechs EFCs aus Offenbach sein.” - André Roth, Fanbeauftragter Eintracht Frankfurt

Ein Wegzug, wie so oft beruflich bedingt, in ein fremdes Land, ist ein Grund, einen EFC zu gründen: „Es gibt die verschiedensten Beweggründe Eintrachtfan zu werden. Bei Fans im Ausland ist das meist ein familiärer Bezug zu Frankfurt oder die Fans sind selbst Exil-Frankfurter“, so Roth. Grenzen spielen keine Rolle und so ermögliche man es, die Liebe zum Verein im Kollektiv auszuleben. Auf die Frage, wo denn noch exotische Fanclubs zu finden sind, antwortete Roth mit einem Augenzwinkern: „Das dürften unsere sechs EFCs aus Offenbach sein.”

Die SGE ist in USA angekommen

Die Eintracht teilt sich mit den Vereinigten Staaten nicht nur den Adler als Wappentier, auch verstärkt der Verein zunehmend seine Präsenz in der neuen Welt. Erst vor wenigen Wochen war die Mannschaft rund um den neuen Coach Adi Hütter auf USA-Reise im Rahmen der Vorbereitung für die neue Saison. Tatsächlich steckt viel Potential im US-amerikanischen Raum, davon berichtet auch Stephan Andranian. Der gebürtige Amerikaner mit deutschen Wurzeln gründete 2012 den EFC Pazifik, der erste registrierte Fanclub auf US-Boden.

Andranians Mutter stamme aus Bad Wildungen und in Frankfurt selbst habe er auch Verwandte, so sei er mit der SGE in Berührung gekommen. „Die meisten amerikanischen Eintrachtfans liebten es ursprünglich, bloß Fußball zu schauen. Als sie aber mehr und mehr über den Verein lernten, begann auch ihre Liebe zur Mannschaft”, erzählt Andranian. Wenn die Südkalifornier jedoch ein Spiel der Eagles live sehen wollen, müssen sie früh vor dem Fernseher sein: Während in Hessen am Samstagnachmittag der erste Äppler genossen wird, genießen die US-Fans das Spiel mit Kaffee und Pancakes um 6:30 Uhr.

Ein Fanclub mit weltweiter Reichweite

Seit Januar 2013 gibt es einen besonderen EFC. Nicht nur liegt er - sechs Flugstunden von Frankfurt entfernt - in den Vereinigten Arabischen Emiraten, sondern stammen inzwischen seine Mitglieder von allen bewohnten Kontinenten. Der erste Aufenthalt der Eintracht im Rahmen des Trainingslagers in Abu-Dhabi sei für Andreas Gulya ausschlaggebend gewesen, einen Fanclub im arabischen Raum zu gründen. Der Unternehmensberater lebt seit 2008 in Dubai und ließ seine geliebte Eintracht zurück. Da sich der Verein seit nunmehr fünf Jahren auch auf ein stärkeres Marketing im arabischen Raum konzentriert, war die Zeit für Gulya und seine Freunde reif, den EFC Bembel Beduinen zu gründen.

„Wir kamen ja nicht vom Fleck und die Fußballgötter haben uns dann irgendwie geholfen.“ - Andreas Gulya, Präsident EFC Bembel Beduinen

Die Bedus - so nennen sich die Mitglieder des Fanclubs - leben in einer Art fußballerischen Diaspora. „Wir kamen ja nicht vom Fleck und die Fußballgötter haben uns dann irgendwie geholfen. Ich habe meine Bekannten hier, die auch aus Hessen stammen, so lange genervt, bis sie schwach wurden und ein Jahr später kam dann die Eintracht in die Region.“ Nach langer Planung sei dann die Registrierung beim Fanclubverband erfolgt. Der Präsident vom Fanclub Andreas Gulya hat es nicht nur geschafft, einen Fanclub in der Wüste zu etablieren. Die Bedus sind eine weltweit vernetzte Organisation, deren knapp 50 Mitglieder in zehn Länder ihr Fandasein zum Ausdruck bringen.

Mehr als gemeinschaftliches Fußballschauen

„Was ich aber gemerkt habe, ist, dass der Fußball die Herzen der Menschen öffnet.“ - Andreas Gulya, Präsident EFC Bembel Beduinen

In Arabien ticken die Uhren ganz anders als in Holland oder USA, wo sich Gulya bei früheren Auslandsaufenthalten immer schnell zurechtgefunden hatte. „Was ich aber gemerkt habe, ist, dass der Fußball die Herzen der Menschen öffnet“, Gulya habe bereits Einheimische zur Fans der SGE gemacht. Zusammen mit Familie und Freunden veranstalte er regelmäßig Grillfeste im Garten, um gemeinschaftlich ein Spiel der Eintracht zu gucken. Das alles sei gar nicht so leicht zu organisieren, aber „wir haben sogar einen Laden hier, der Ebbelwoi verkauft“. Und die Frankfurter Grüne Soße müsse man auch selbst machen.

Andreas Gulya denkt bei der Arbeit für den EFC immer an seine alte Heimat: „Die Eintracht ist hier noch ein unbeschriebenes Blatt, wogegen jeder Araber die Stadt Frankfurt als Bankenmetropole kennt.” Die Eintracht populär zu machen, sei demnach seine Hauptaufgabe. Bundesligavereine wie den FC Bayern München oder Borussia Dortmund kenne indes in der Wüste jeder. Da es auch sportlich bei der Eintracht bergauf geht, hofft Gulya, dass eine starke Leistung in der Euro League großes Aufsehen in Arabien erregt.

„Ich will nicht einfach nur 90 Minuten ein Spiel schauen, meine Arbeit soll sinnstiftend sein.” - Andreas Gulya, Präsident EFC Bembel Beduinen

Für sein Ehrenamt verbindet Gulya nützliche Kontakte und karitative Projekte. Es fänden regelmäßig wohltätige Projekte statt, deren Sachleistungen Kindern mit Diabetes oder geistigen Behinderungen zugutekommen. „Ich will nicht einfach nur 90 Minuten ein Spiel schauen, meine Arbeit soll sinnstiftend sein”, formuliert der Eintrachtfan. Der Fanclub habe fast zwei Handvoll Ehrenmitglieder, deren Einfluss in der Region enorm sei. Arabische Sportjournalisten oder der katholische Bischof aus den Vereinigten Arabischen Emiraten seien wichtige Personen, die den Spagat zwischen Fußballleidenschaft und Wohltätigkeit fördern.

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